Mittelblocker Chris Zuidberg ist einer der Leistungsträger der Nationalmannschaft. Der 24-Jährige steht derzeit beim belgischen Erstligisten VBC Waremme unter Vertrag und trifft heute mit der Nationalmannschaft zum Abschluss der EM-Qualifikation auf Griechenland (19.00 Uhr in der Coque). Ein Gespräch.

Von Christian Schanet

Tageblatt: Die EM-Qualifikation neigt sich dem Ende zu. Wie schätzen Sie die Leistungen bei dieser Kampagne ein?

Chris Zuidberg: Die Qualifikation ist nicht so verlaufen, wie wir uns das vorgestellt hatten, aber es war auch kein kompletter Fehltritt. Wir haben gegen Mannschaften gespielt, die weitaus mehr spielerisches Potenzial besitzen und deren Spieler in Profiligen antreten. Wir waren oft nah an Teilerfolgen oder weiteren Satzgewinnen dran. Das Highlight war mit Sicherheit der Sieg im Rückspiel gegen Schweden.

Waren die Ziele im Nachhinein zu hoch angesetzt?

Das Ziel, sich für die Endrunde zu qualifizieren, war nicht zu hoch. Ich bin der Meinung, dass wir durchaus mehr Punkte hätten holen müssen, weil wir auf dem Papier eine gute Mannschaft haben. Wahrscheinlich hatten wir die Enttäuschung aus dem Sommer aber noch nicht verdaut, als wir mit drei Niederlagen in den Wettbewerb gestartet sind. Davor hatten wir eine sehr gute Vorbereitung und haben tolle Spiele gegen Kamerun und Ägypten abgeliefert. Ich habe mich so gut wie noch nie gefühlt. Leider konnten wir unsere tolle Form in den ersten drei Partien gegen Griechenland, Aserbaidschan und Schweden nicht abrufen.

War die Mannschaft als Ganzes diesen Aufgaben gewachsen?

Bei dieser Frage komme ich gerne auf die gleiche Antwort wie eben zurück. Nach der Vorbereitung und im Spiel gegen Griechenland habe ich die Mannschaft als absolut reif dafür empfunden. Im Nachhinein muss man aber sagen, dass es einzelnen Spielern noch an der Routine fehlt, um solche Niederlagen schnell abhaken und danach wieder eine Topleistung abrufen zu können. In Luxemburgs Liga wird man in dieser Hinsicht nicht regelmäßig gefordert.

War es ein Nachteil, dass die Mannschaft die Vorbereitung nicht in Bestbesetzung bestreiten konnte?

Kamil (Rychlicki) kam in der Tat erst sehr spät zum Team, weil er mit seinem Verein in der italienischen Meisterschaft noch im Einsatz war. Ich sehe darin aber keinen Nachteil, denn Spieler wie er bringen viel Erfahrung mit und helfen dem Team weiter.

Kommen wir zu Ihrem Engagement beim VBC Waremme. Wie läuft es dort derzeit für Sie?

Für mich persönlich ganz gut. Ich bekomme viel Spielzeit und stehe in jeder Partie auf dem Platz. Das hat mir in meinen vorherigen Stationen im Ausland gefehlt. Als Mannschaft hatten wir wegen Verletzungs- und Krankheitsfällen einen etwas schwierigeren Start und blieben hinter den Erwartungen. Aber wir haben uns zurückgekämpft und mit einem Erfolg das Jahr 2018 abgeschlossen.

Wie wurden Sie ins Team integriert? War die Umstellung nicht zu groß?

In Bezug auf die Integration gab es keine Probleme. Seit vier Jahren habe ich stets ein neues Team um mich, was auch teilweise normal ist auf dem Niveau. Die Personalfluktuationen sind bei diesen Vereinen immer groß. Daran gewöhnt man sich.

Was sind die Ziele für Sie und den Verein in diesem Jahr?

Der Verein ist sich selbst bewusst, dass man kein Titelkandidat ist. Dafür fehlt es an Budget und Infrastruktur. Aber die Playoffs sind ein realistisches Ziel. Ich persönlich will einfach nur so viel Erfahrung und Einsatzzeit wie möglich sammeln und weiter an mir arbeiten. Diesen Ehrgeiz werde ich wohl mit ins Grab nehmen.

Nach Tours (F) und Bühl (D) ist Waremme (B) nun Ihr drittes Auslandsengagement. Wo kann Ihr Weg noch hinführen?

Ich habe erst 2017 die Grundausbildung in der Armee für die Sportsektion gemacht. Ich habe diese sicherlich nicht gemacht, um in naher Zukunft wieder aufzuhören. Ich weiß nicht genau, wo mein Weg mich hinführt, ich kann nur sagen, dass nicht so schnell zurückstecken werde und immer wieder von Saison zu Saison schauen werde, was meine Optionen sind.

Sie lernen derzeit die dritte ausländische Liga kennen. Was sind die Unterschiede zwischen den Ländern und Ligen?

Kulturell gesehen gibt es keine allzu großen Unterschiede. Als Luxemburger kennt man ja Frankreich, Deutschland und Belgien. Die Ligen unterscheiden sich aber schon. Die französische Liga ist die stärkste. Hier kann jede Mannschaft jeden schlagen und dies auf einem sehr hohen Level. In der Bundesliga sind die ersten vier Klubs richtig stark, danach kommt ein Leistungsabfall, ähnlich ist es in Belgien. Diese Vereine sind regelmäßig international vertreten, hier sind die Sponsoren und somit auch die stärkeren Spieler und dieses Ungleichgewicht wird sich so schnell nicht ändern.

Bereuen Sie irgendeine Entscheidung in Sachen Volleyball in den letzten Jahren?

Im Nachhinein und mit dem Wissen, das ich jetzt habe, würde ich Kleinigkeiten ändern. Zum Beispiel im ersten Jahr nicht direkt zu einem Topverein wie Tours gehen, weil es doch schon recht klar war, dass ich wenig Spielzeiten bekommen würde. Aber ich bereue es nicht, das war ja zu dem Zeitpunkt meine eigene Entscheidung. Ich würde es wahrscheinlich wieder ähnlich machen und ich hatte ja auch tolle Momente in Tours.

Würden Sie es Ihren Sportlerfreunden empfehlen, es als Profi im Ausland zu versuchen?

Absolut. Ich habe bis dato nur tolle Erfahrungen gemacht, bin mit Weltstars in engen Kontakt gekommen und konnte nur lernen. Sowohl auf dem Spielfeld als auch daneben. Spieler wie Hubert Henno (Weltlibero des Jahres 2013) in den eigenen Reihen zu haben ist schon riesig. Viele Vereine arbeiten gut mit den Schulen und Unis zusammen. Hier gibt es enge Abstimmungen und so ermöglicht man dem Sportler auch, sich neben dem Sport zu entfalten.

Was sind die nächsten Ziele mit der Nationalmannschaft?

Nach dieser EM-Quali-Phase steht das nächste Highlight jetzt schon auf dem Programm. Das sind die JPEE in Montenegro. Ich will mit der Mannschaft unseren Titel verteidigen, aber da Montenegro als Ausrichter wohl auch mit der Volleyballmannschaft antreten wird, wird diese Aufgabe sehr delikat. Danach will ich mit dem Team in eine weitere EM-Qualifikation!

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