Ein Jahr nach Beginn der massenhaften Vertreibung von Rohingya-Muslimen
aus Myanmar haben Helfer auf die verzweifelte Lage vieler Flüchtlingskinder hingewiesen. Laut “Kindernothilfe Luxembourg” benötige jedes vierte Kind psychosoziale Unterstützung.

Allein im Flüchtlingslager Cox’s Bazar in Bangladesch lebten mehr als 6.000 unbegleitete Kinder, von denen die Hälfte wegen der Gewalt die Eltern verloren haben, teilte die Hilfsorganisation “Save the Children” am Mittwoch mit. Sie seien “mit akuter Nahrungsmittelknappheit konfrontiert und einem erhöhten Risiko von Ausbeutung und Misshandlung ausgesetzt”.

Die Hilfsorganisation stützt ihre Angaben auf eine Befragung von Kindern in dem Lager. Ursprünglich seien die Helfer davon ausgegangen, dass die zahlreichen unbegleiteten Kinder im Chaos der Flucht von ihren Eltern getrennt worden seien. Die Hälfte der befragten Kinder habe aber angegeben, dass ihre Eltern getötet worden seien. Es sei nun klar geworden, dass es “für viele der Kinder keine Vereinigung mit ihrer Familie geben wird”, erklärte der Landesdirektor von “Save the Children” für Bangladesch, Mark Pierce. Diese Kinder müssten sich in den Lagern eine vollständig neue Existenz aufbauen: “Ohne Mutter oder Vater, und das in einer Umgebung, in der sie Risiken wie Menschenhandel, Kinderheirat und anderen Formen der Ausbeutung ausgesetzt sind.”

Aus Luxemburg beteiligt sich die “Kindernothilfe Luxembourg” an der humanitären Nothilfe und bittet um Spenden. Die “Kindernothilfe” ist seit 2017 in den Flüchtlingscamps aktiv. Neben Soforthilfemaßnahmen engagiert sich die Kindernothilfe langfristig mit lokalen Partnern in den Bereichen Bildung und Kindesschutz. “Unser Augenmerk liegt besonders auf der Unterstützung und dem Schutz der Kinder”, erklärte Patrick Reinert, Geschäftsführer der “Kindernothilfe Luxembourg”. “Nach unserer Erkenntnis ist jedes vierte Kind mit den schlimmen Erlebnissen der letzten Monate völlig überfordert und benötigt dringend psychosoziale Unterstützung.”

In den neun Kinderschutzzentren der Kindernothilfe finden 600 Jungen und Mädchen die nötige Unterstützung und Sicherheit. Die psychosoziale Betreuung in dem Zentrum bietet den teils stark traumatisierten Kindern einen geschützten Raum, um mit dem Erlebten umzugehen.

Im mehrheitlich buddhistischen Myanmar wird die Minderheit der muslimischen Rohingya seit Jahrzehnten unterdrückt. Die Lage war eskaliert, als Rohingya-Rebellen bei Angriffen rund ein Dutzend Sicherheitskräfte töteten. Das Militär reagierte mit umfassender Gegengewalt und zerstörte zahlreiche Rohingya-Dörfer und trieb Hunderttausende Menschen in die Flucht. Rund 700.000 Rohingya haben im Nachbarland Bangladesch Zuflucht gefunden. Die UNO stufte das Vorgehen gegen die Rohingya als “ethnische Säuberung” ein. Im März sprach die UN-Sonderberichterstatterin für Myanmar, Yanghee Lee, von einem “Völkermord”.

(er/AFP)

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