Was zum Teufel ist mit den Klingonen passiert? Star Trek-Fans schätzen sie als Nordmänner ähnliche Krieger: trinkende, rabiate, langmähnige Recken, die von Heldentaten singen und immer für einen ruhmversprechenden Kampf zu haben sind. In der neuen Star Trek-Serie „Discovery“ erkennt man sie jedoch nicht wieder. Es sind fanatische Spaßbremsen. Und dabei ist es nicht geblieben.

Die neuen Klingonen sehen aus wie schwarzhäutige Echsen ohne Haare. Kleidung, Klingen und Kampfschiffe haben nichts Klingonisches mehr an sich. Selbst ihre Sprache klingt merkwürdig abgehackt.

Von links: Ein Klingone aus den 60ern (The Original Series), ein Klingone aus den Serien der 90er und ein Klingone aus der neuen Serie. Fotos: Studios

Die Serienmacher von CBS verweisen darauf, dass sich das Design der Klingonen in der mehr als 50-jährigen Star Trek-Geschichte mehrfach verändert habe. Das ist aber nicht wirklich richtig. In den Zeiten von Captain Kirk waren die Maskenbildner einfach noch nicht so weit, die Klingonen sahen wie Menschen aus, die verknöcherte Stirn kam erst später dazu. Und da hatten die Verantwortlichen schon Mühe das zu erklären. Man hat die Klingonen aber immer erkannt. Nun nicht mehr. Sie wurden zu einer ganz anderen Rasse. Zu den langweiligen Brüdern. Ein Wunder, dass die Menschen noch wie Menschen aussehen. Von der Sternenflotte kann man das hingegen auch schon wieder nicht behaupten.

Es gibt einen gewissen Stil, bestimmte innenarchitektonische Elemente, welche Raumschiffe, Raumstationen und überhauot alles der Sternenflotte in der Jahrzehnte langen Star Trek-Geschichte auszeichnen. Auch davon ist bei „Discovery“ nichts übrig geblieben. Das neue Ambiente ist kühl und metallisch. Man sehnt sich nach der gemütlichen Eleganz, die verloren ist. Ein Zeichen unser anonymeren, beschleunigteren Welt? Immerhin von außen sind die Raumschiffe der Föderation klar als Sternenflotte erkennbar.

Schon die letzte Star Trek-Serie, „Enterprise“, mit Captain Jonathan Archer enttäuschte, weil das Star Trek-Ambiente komplett fehlte. Nach vier Staffeln wurde sie eingestellt. Man konnte das noch damit begründen, dass die Serie 100 Jahre vor der ersten Star Trek-Serie mit Captain Kirk spielte. Die neue Serie spielt nun zehn Jahre vor Kirk. Es gibt keine Ausreden. Und über das Reißbrett-Intro haben wir noch gar nicht gesprochen. Kein Raumschiff bricht dort zu unendlichen Weiten auf. Nur schnöde Skizzen.

Eine andere Frage ist, warum nun schon die zweite Star Trek-Serie erscheint, die in Bezug auf die anderen Serien in der Vergangenheit spielt, anstatt die Geschichte fortzusetzen, wie es in Romanen bereits geschehen ist. Etwa in Star Trek „Titan“, wo Captain Picards ewige “Nummer Eins”, William Riker, endlich sein eigenes Kommando übernommen hat. Oder in Star Trek „New Frontier“, wo Captain Mackenzie Calhoun breitbeinig die „Excalibur“ durch das All steuert.

Eines kann man der neuen Star Trek-Serie immerhin nicht vorwerfen: eine schwache Story oder langweilige Schauspieler. Die Hauptfigur, die Erste Offizierin Michael Burnham, (Sonequa Martin-Green) trägt eloquent durch die ersten beiden Folgen. Immer montags erscheint eine der 15 Folgen auf Netflix.

Auch die Handlung ist kurzweilig und optisch überzeugend. Ein Sternenflottenschiff trifft am Rande ihres Hoheitsraums auf ein Schiff der Klingonen und das Ganze eskaliert, um nicht zu viel zu verraten. Es ist eine starke Produktion von Netflix. Bloß: Mit Star Trek hat irgendwie alles nicht so wirklich etwas zu tun.

Echte Klingonen bei einem kleinen Gelage

1 Kommentar

  1. Puh… es war von vornherein klar das sich eingeschworene Fans schwer tun würden. Aber wie soll man es auch allen recht machen. Erst einmal bin ich froh das es überhaupt einen neu Star Trek Serie gibt. Und das sich seit den 60ern/80ern einiges tun (musste) war auch klar. Eine Kulisse aus Sperrholz mit blinkenden Dioden würde nicht mehr funktionieren. Auch die Klingonen wurden entsprechend modernisiert… warum auch nicht. Und doch… es ist Star Trek… zumindest was ich bisher gesehen habe. Aber ich will hier erst urteilen wenn ich weiter Folgen gesehen habe.
    Ich finde wir Star Trek Fans sollten nicht das Haar in der Suppe suchen und unnötig Nörgeln. Denn dann kann es schnell passieren das die Serie wieder vom Bildschirm verschwindet. Wir sollten uns statt dessen im Klaren sein das Star Trek auch für ein jüngeres Publikum funktionieren muss um so die Next Generation zu erreichen. Welcher 15-20 jährige würde denn eine Serie aus den 80ern schauen?! Nein … Trek muss lebendig sein und wir alte Fans sollten versucht sein über unsere eigenen Schatten zu springen und uns weniger über Details zu beschweren.

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