Der Energiehunger des Großherzogtums wird weiterhin zu zwei Dritteln
von Erdölprodukten gedeckt. Seit 2015 nimmt der Verbrauch wieder zu.

Beim “Groupement pétrolier luxembourgeois” (GPL) erinnert man sich gerne an 2005 zurück. In dem “Spitzenjahr”, wie GLP-Präsident Romain Hoffmann, es bezeichnet, wurden so viele Erdölprodukte verkauft wie in keinem Jahr davor – und danach. Bis 2015 sah es danach aus, als sei 2005 das Jahr des “Peak-Oil” in Luxemburg gewesen. Doch als sich die Wirtschaft wieder erholte, nahmen die Verkaufszahlen von Benzin und Diesel weiter zu.

Benzin ist wieder in Mode, seitdem VW den Verbrauchern den Diesel madig gemacht hat. Der Absatz ging über Jahre zurück – bis zum Dieselskandal. Dieser lässt sich in den Absatzzahlen für Ottokraftstoffe herauslesen, beim Diesel aber nicht. Dies liegt daran, dass das Gros dieses Kraftstoffes von schweren Lkws verbraucht wird, die in den vergangenen Jahren wieder europaweit mehr Aufträge bekamen und mehr Kilometer zurücklegten. Flugturbinenkraftstoff liegt ebenfalls im Trend. “Der Flugverkehr hat enorm zugenommen”, weiß GPL-Vizepräsident Paul Kaiser. Immer mehr Airlines würden den Findel anfliegen. Gegenüber dem Spitzenjahr 2005 wurde 2017 sogar über 40 Prozent mehr Kerosin getankt.

Insgesamt wurden 2018 rund sechs Prozent mehr Erdölprodukte verkauft als 2017 und 2017 knapp fünf Prozent mehr als 2016. In Luxemburg und Europa brummte die Wirtschaft, was sich in einem höheren Energiebedarf widerspiegelt. Selbst die steigenden Rohölpreise vermiesten den Tankstellenbetreibern nicht das Geschäft. “Je höher die Preise sind, umso preissensibler werden die Leute im Ausland”, erklärt Hoffmann. Steigende Erdölpreise führen zu dem paradoxen Effekt, dass die Absatzzahlen in Luxemburg zunehmen.

Lieferwege wegen Niedrigwasser gestört

Dennoch gab es auch Negatives aus dem vergangenen Jahr zu berichten. Das Niedrigwasser auf dem Rhein führte dazu, dass die Lieferwege nach Luxemburg gestört wurden. Ein Teil der Kraftstoffe gelangt über den Rhein und die Mosel nach Luxemburg. Da der Pegelstand aber außergewöhnlich niedrig war, konnten “die Schiffe nicht vollständig geladen werden”, so Kaiser. Dies führte zudem zu höheren Transportkosten.

Lieferschwierigkeiten gab es auch im Straßen und Schienentransport. Die “Gelbwesten” in Frankreich und Belgien blockierten Tanklager. “Trotzdem gelangten Lieferungen aus Belgien nach Luxemburg”, freut sich Kaiser. Diese wurden auch gebraucht, denn tanken mussten die Menschen aus Belgien und Frankreich nach wie vor – nur eben in Luxemburg.

All diese Aspekte führten dazu, dass Benzin und Diesel hierzulande ebenfalls knapp zu werden drohten. “Die strategische Reserve musste angezapft werden”, sagt GLP-Präsident Hoffmann. Solche Situationen hätte es in der Vergangenheit nicht oft gegeben. Die Lage wäre aber nie kritisch gewesen, pflichtet Kaiser bei. “Die Ausnahmesituation hätte auch länger dauern können.”

Erhöhung der Akzisen

Die Reserven sind schon längst wieder aufgefüllt, und schon gibt es wieder Gründe, die dem GPL Kopfzerbrechen bereiten. Ab dem 1. Mai steigen die Akzisen auf Diesel um zwei Cent. Das klingt nicht nach sehr viel, kann aber größere Auswirkungen haben. “Für Logistikunternehmer wird, was die Akzisen betrifft, der Diesel in Belgien billiger als in Luxemburg”, sagt Vizepräsident Kaiser.

An dieser Schraube solle nicht zu viel gedreht werden, denn auch hier gibt es paradoxe Effekte. “Da Luxemburg ein sehr kleines Land ist, nehmen die gesamten Akzisen-Einnahmen ab, wenn der Staat die Höhe der Abgabe erhöht”, erklärt Kaiser. Bei einer Erhöhung von 20 Cent würde es sich sogar für die Luxemburger lohnen, ins Ausland tanken zu gehen. “Ich könnte mir dann vorstellen, dass es dann keine Tankstellen in Luxemburg mehr geben wird”, befürchtet Hoffmann. Das Ziel der Akzisen-Erhöhung – eine Verminderung der Emissionen – würde nicht erreicht werden, wenn die Leute im Ausland tanken, sie fallen nur nicht mehr in Luxemburg an.

Besser findet das GPL den Kauf von Zertifikaten. Dieses Geld würde in Projekte investiert werden, die in der Tat dazu führten, dass weniger CO2 ausgestoßen werde. Weitere starke Steuererhöhungen würden zudem nicht erreichen, dass weniger gefahren werde. Es würde weiterhin viel Verkehr und Luftverschmutzung geben, das große Geschäft würden aber die Staatskassen der Nachbarstaaten machen.

2 Kommentare

  1. Hallo Herr Kaiser! Man kann ihre Position als GPL Vize ja verstehen. Aber mal ehrlich, Rohöl als Treibstoff ist ein Auslaufmodel und das aus vielerlei Gründen. Darauf sollte man sich einrichten.

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