El Salvador, Guatemala, Honduras und Mexiko verlangen von den USA Auskunft über das Schicksal mehrerer Hundert Einwandererkinder. Diese sind in Grenzlagern der USA von ihren Eltern getrennt worden. Es sind noch 711.

Von unserem Korrespondenten Guenther Bading

US-Präsident Donald Trump tritt als harter Mann gegenüber den illegalen Einwanderern auf, die aus Zentralamerika über die mexikanische Grenze in sein Land kommen. “Null Toleranz” nennt er die Politik. Die trifft seit Wochen vor allem Kinder, die mit ihren Eltern illegal eingereist sind, von ihnen getrennt wurden und jetzt allein in den USA sind.
Vertreter der Regierungen von El Salvador, Guatemala, Honduras und Mexiko haben sich deshalb jetzt in der honduranischen Hauptstadt Tegucigalpa mit James McCament getroffen. Der Mann von der Nationalen Sicherheit des Nachbarn im Norden sollte Aufschluss geben, was mit den noch mehr als 700 Kindern geschieht, die von ihren wieder in den Süden abgeschobenen Eltern getrennt worden sind.

“Ich hatte von diesem Treffen erwartet, dass man uns mehr Einzelheiten über die Situation der Kinder geben würde, die von der Politik der Null-Toleranz betroffen sind”, sagte die salvadorianische Vize-Außenministerin Ludivina Magarin anschließend laut New York Times. “Das war aber nicht der Fall.”

Noch 700 Kinder ohne ihre Eltern

Der Termin für die Zusammenführung der Eltern und Kinder, den ein amerikanischer Bundesrichter gesetzt hatte, ist am Mittwoch abgelaufen. Nach Angaben aus der US-Regierung sind mindestens 1800 Minderjährige, die von ihren Familien nach dem Grenzübertritt getrennt wurden, wieder bei ihren Familien. Allerdings bleiben noch mehr als 700 Kinder in Gewahrsam der US-Behörden, bei denen die Familienzusammenführung bisher nicht geklappt hat.

Laut amerikanischer Regierung konnten 431 Kinder nicht ihren Eltern übergeben werden, weil diese die USA inzwischen wieder verlassen hätten. “Wir haben weder Informationen über die von ihren Eltern getrennten Kinder bekommen noch, warum sich das alles verzögert”, sagte ein Mitarbeiter des mexikanischen Außenministeriums. Nach Angaben der Menschenrechtsorganisation ACLU sind es genau 711 offene Fälle. Zu den ungelösten Fällen erklären die Verantwortlichen in den USA, die Kinder hätten noch nicht übergeben werden können, weil ihre Eltern die Bedingungen für eine sichere Überstellung nicht erfüllten.

“Chaos” bei US-Grenzern

Die mexikanische Tageszeitung El Universal hat einen anderen Grund ausgemacht: Von “Chaos” bei den Grenzbehörden in den USA schreibt das Blatt. Die Regierung Trump versuche den falschen Eindruck zu erwecken, dass das Problem gelöst sei. Aber die Grenzbeamten der USA hätten zum Teil keine Ahnung, wo die Eltern der nördlich der Grenze zurückgebliebenen Kinder sich überhaupt aufhalten. Viele seien nicht registriert, sondern einfach nach Mexiko abgeschoben worden, berichtet die Zeitung unter Berufung auf Mitarbeiter der US-Grenzagentur. Hunderte Kinder seien deshalb jetzt allein in den Internierungszentren.

Mexiko könne möglicherweise helfen. Denn die illegalen Einwanderer, die aus den USA abgeschoben wurden, hätten sich mit ihren Personaldokumenten aus El Salvador, Honduras und Guatemala – den Hauptherkunftsländern – ja in Mexiko ausweisen müssen. Und hier seien sie registriert worden.

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