Das Tauziehen um die Autonomie an der Universität Luxemburg geht weiter. Anfang Mai hatte der zuständige Minister Marc Hansen einen Gesetzentwurf im Parlament eingereicht, durch den die Uni von der Regierung abgenabelt werden sollte. Schnell wurde innerhalb der Universität die Kritik laut, dass der Staat mit dem Entwurf nicht weit genug ging. Die Uni stehe immer noch unter der Fuchtel der Regierung.

Nun stellte Marc Hansen am Montag den Abgeordneten der zuständigen Kommission eine überarbeitete Fassung des Entwurfes vor. Der Universitätsrat, ein Beratungsgremium, das aus 21 Mitgliedern aus dem akademischen Leben besteht, soll noch weiter verstärkt werden. So sollen sie besser in die Ausarbeitung der Studienprogramme eingebunden werden.

Mit der Reform soll die Exekutive in Zukunft keine Macht mehr im Universitätsrat haben. Der Rektor war bisher Präsident des Gremiums. Die Vertreter des Rektorats im Rat werden künftig auch kein Stimmrecht mehr haben und nur noch eine beratende Rolle spielen. Wie Hansen am Montag über Mitteilung ankündigte, wird der Universitätsrat künftig zwei Mitglieder des Führungsgremiums der Uni stellen.

Kritik an privatwirtschaftlicher Ausrichtung

Das Führungsgremium, genannt “conseil de gouvernance”, ist zuständig für die richtungweisenden Entscheidungen an der Universität. Im Mai war angekündigt worden, dass es künftig neun statt bisher sieben Mitglieder haben werde und in Zukunft auch für die Ernennung des Rektors zuständig sein soll. Die Kritik bei der Vorstellung des Entwurfes: Der Studentenvertreter und der Vertreter des Personals sollten nur als Beobachter bei den Sitzungen dabei sein.

Im überarbeiteten Entwurf wurde aber nun beschlossen, dass beide ein Stimmrecht haben. Der “conseil de gouvernance” war in der Vergangenheit immer wieder in die Kritik geraten, weil drei von sieben Mitgliedern aus der Privatwirtschaft kamen und keinen akademischen Hintergrund hatten. Für die einen bietet das die Möglichkeit, die Universität an der Wirtschaft auszurichten, sodass die Forschung danach tatsächlich angewandt wird. Die Kritiker bemängeln aber, dass dies eine gute Grundlagenforschung verhindert.

Das soll allerdings auch in Zukunft noch so bleiben. Laut Entwurf muss auch künftig nur “eine Mehrheit” der Mitglieder des Gremiums einen akademischen Hintergrund haben.

Turbulente Zeiten

Die Universität Luxemburg hat gerade turbulente Zeiten hinter sich. Im Frühjahr dieses Jahres wurde bekannt, dass es Probleme bei der Aufstellung des Budgets gab. Zusammen mit der Beratungsfirma McKinsey wurden große Einschnitte bei verschiedenen Ausgabeposten beschlossen, unter anderem bei der Verlängerung der Verträge einiger Professoren.

Der beratende Universitätsrat hatte das Budget nicht durchgewunken. Es gebe zu viele Einsparungen an zu wichtigen Stellen, so das Fazit. Nach vielem Hin und Her wurde eine überarbeitete Fassung des Budgets genehmigt. Der damalige Rektor Rainer Klump geriet in Kritik und nahm schließlich im Mai seinen Hut.

Auch die Regierung geriet damals in die Kritik. Ein Großteil der Gelder der Universität kommt aus der Staatskasse. Doch Marc Hansen antwortete damals: “Wer autonom sein will, muss auch finanziell autonom sein.” Im Oktober wurde nach einer internationalen Ausschreibung schließlich sein Nachfolger bekannt: Der Belgier Stéphane Pallage wird künftig den Posten übernehmen.

2 Kommentare

  1. Die Autonomie eine Universitàt ist eine Voraussetzung ihrer Freiheit zu forschen und zu lehren: Qualität und Quantität anzusteuern, aber das geht nur falls diese Autonomie auch finanzie bar ist aus eigenen Mitteln: wie die großen angelsächsischen Universitäten wo auch die Einschreibegebühren im Gegenzug sehr hoch sind…aber Luxemburg dagegen…? abhängig in Sachen Finanzierung vom Staat alleine….nun ja da muss die Uni eben kleinere Brötchen backen…aber das Ranking ist ja nicht so schlecht für eine junge Uni, unter den 200 besten Unis weltweit…also ein guter Erfolg der bisherigen Hochschul Politik…wie mir scheint…

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