“Jeder spricht vom Schloss Bourscheid, dabei ist es eigentlich eine Burg”, stellt Annie Nickels-Theis, Bürgermeisterin und Präsidentin der Schlossfreunde Bourscheid, gleich bei unserem Eintreffen klar. Wir werden ins Stolzemburger Haus, das Herzstück der Burg, geführt, wo Architekten, Verantwortliche von “Sites et monuments” und unzählige Handwerker am Diskutieren sind.

“Die Arbeiten sind noch nicht vollständig abgeschlossen”, gibt uns Annie Nickels-Theis gleich zu verstehen. “Die offizielle Einweihung war auch eigentlich erst für Christi Himmelfahrt im nächsten Jahr geplant, doch … wir hatten bekanntlich Wahlen, deshalb fand sie bereits vor dem 14. Oktober statt.” Die Präsidentin führt uns durch die zum Leben erwachten Gemäuer und durch den neuen Anbau, die in Staatsbesitz sind.

Info  

Wer einen Besuch dieser historischen Ruinen oder ein Event plant, kann sich weitere Einzelheiten unter
der Telefonnummer 99 05 70 oder auf www.bourscheid.lu einholen.

“Egal wie, wir sind auf jeden Fall froh, dass wir so weit sind”, meint Annie Nickels-Theis. Sie legt dabei die Betonung auf “so”. “Die ehemalige Kulturministerin Maggy Nagel hatte uns einmal versprochen, die Arbeiten seien spätestens bis Juni 2016 fertiggestellt. Wir mussten viel Geduld haben, wenn man bedenkt, dass wir seit 2011 kein einziges Event mehr auf unserem Schloss organisieren durften, obschon es eine Ewigkeit dauerte, bis überhaupt mit den Arbeiten begonnen wurde. Die für uns so entstandenen finanziellen Einbußen belaufen sich auf rund 120.000 Euro.”

3,4 Millionen Euro investiert

Die Schlossfreunde (1972 gegründet) mussten bei einer Bank eine Anleihe aufnehmen, um die Löhne der drei Mitarbeiter auf dem Schloss während der Umbauarbeiten bezahlen zu können. Sie bürgten mit ihrem eigenen Namen. “Wir hatten einen Antrag auf ‘chômage technique’ für die Zeit der Arbeiten eingereicht, doch der wurde uns nicht genehmigt.”

“Ganze 3,4 Millionen Euro wurden hier investiert”, verkündete Guy Arendt, Staatssekretär im Kulturministerium, bei seiner Ansprache während der Einweihung, die vor kurzem stattgefunden hatte. Das Erdgeschoss sowie die erste Etage des Stolzemburger Hauses wurden komplett renoviert und so eingerichtet, dass hier Familien- und Firmenfeste, Konzerte, Ausstellungen usw. organisiert werden können. Im gemütlichen Ambiente des großen Festsaals können bis zu 100 Leute Platz nehmen.

Im Anbau, der aufgrund vieler Auflagen nicht einfach zu realisieren war, wurden Sanitäranlagen, ein Aufzug und auch eine komplett eingerichtete Küche untergebracht. Der Zugang zum Haus wurde behindertengerecht gestaltet. Auch der Eingangsbereich (“billetterie”) wurde in einer ersten Phase der Arbeiten neugebaut.

Es ist ein Erbe, das es verdient, gepflegt zu werden

“Das Schloss ist das Herz unserer Gemeinde”, so die Präsidentin der Schlossfreunde weiter. “Sowohl touristisch als auch kulturell gesehen spielt die an sich sehr gut erhaltene Bourscheider Burg eine große Rolle. Es ist ein Erbe, das es verdient, gepflegt zu werden.” Auf die Frage, wie es denn nun mit dem zukünftigen Programm der Schlossfreunde aussieht – man denke an die Ritterfeste, das Freilichttheater, klassische und moderne Konzerte, Ausstellungen usw. aus den Jahren vor 2011 – antwortet Annie Nickels-Theis: “Wir sind dabei, das Programm fürs kommende Jahr zusammenzustellen, und werden es spätestens während unserer für Mai 2019 geplanten Einweihung vorstellen.”

Am Ende unseres Besuches gönnen wir uns noch einen Spaziergang mit Victor Hugo durch die Burgruinen. Die Besucher erhalten nämlich beim Eintritt einen “audio-guide”, anhand dessen die Geschichte der Burg erklärt wird. Erzähler sind Adolphe Pauly, früherer Bürgermeister von Vianden, und Victor Hugo, der während seines Aufenthaltes an der Our zweimal die Burg besuchte. Für Kinder gibt es dem Alter angepasste, spielerisch aufgebaute Erklärungen.


Die Herren von Bourscheid

Bertram von Bourscheid wird 1095 als Vogt der Abtei Echternach erwähnt. Er verwaltete die Burg in deren Auftrag. Es heißt von ihm, dass er ein mächtiger, doch gewalttätiger Mann war, der in einer sehr starken Burg (“munitissimum castrum”) wohnte und der Schwiegersohn des nicht weniger mächtigen Herrn von Esch an der Sauer, der Nachbarburg, war.

Bertram, als Lehens- und Amtmann des Herrn von Luxemburg, tritt als erster Herr von Bourscheid in der geschriebenen Geschichte auf. Die Burg Bertrams erhielt den Namen des in der Nähe liegenden Dorfes Bourscheid. Der Name der Burg wird 1095 erstmals in der Geschichte erwähnt. So schnell wie der “homo liber Bertamus” im Jahr 1095 in der Geschichte auftauchte, so verschwand er wieder im Dunkel der Zeit, nur sein “munitissimum castrum” ist in den Ruinen noch auszumachen.

Der Landesfürst übertrug die Burg einem anderen seiner Gefolgsmänner, dem 1123 erwähnten “nobilis vir” Theoderich von Bourscheid. Ihm folgte Johann von Bourscheid, der in der Zeit von 1163 bis 1195 erwähnt wird. Die Übernahme eines Lehngutes durch eine Frau (Kunkellehen gegenüber Mannlehen) war damals gängig, wie am Beispiel Ermesindes von Luxemburg, Landesfürstin von 1196 bis 1247, zu ersehen ist.

Nach dem Tode Johanns von Weiler, etwa 1232, verlor Adelheid ihr Lehngut, behielt aber ihre Eigengüter, unter anderem das Patronatsrecht über die Pfarrei Bourscheid. Dieses schenkte sie 1247, kurz vor ihrem Tode, dem Kloster Bonneweg bei Luxemburg, zugleich mit dem Zehnten der Pfarrei.

Weitere Einzelheiten: Burg Bourscheid, 2009, Teil 1, S. 11-78, François Decker; René Feis

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