Die Regierung hat am Donnerstag Details zum Überfall auf einen Lokführer und einen Schaffner in Oetringen bekanntgegeben. Kurz vor Mitternacht hatte dort eine Gruppe von zehn Jugendlichen am 16. März einen Schaffner und einen Lokführer angegriffen. Die jungen Leute waren laut Polizei zwischen 16 und 18 Jahren alt und hatten im Bahnhof die Gleise eines Zugs von Wasserbillig in die Hauptstadt blockiert. Als die CFL-Mitarbeiter sie dazu aufforderten, die Gleise zu verlassen, gingen die Jugendlichen auf die Bahner los.

In einer Antwort auf eine parlamentarischen Frage des ADR-Abgeordneten Fernand Kartheiser erklären Transportminister François Bausch (Déi Gréng) und Innenministerin Taina Bofferding (LSAP), dass die Polizei in der fraglichen Nacht in weniger als zehn Minuten vor Ort war. “Die Polizei wurde um 23.44 Uhr in Kenntnis gesetzt, um 23.53 Uhr war eine Patrouille vor Ort”, sagen die Minister. Der erste Krankenwagen sei um 0.11 Uhr angekommen.

Kartheiser nimmt in seiner Anfrage auch Bezug auf eine Pressemitteilung der Eisenbahngewerkschaft FNCTTFEL. Die hatte nach dem Übergriffen beklagt, dass “Aggressionen und Gewaltausbrüche” gegenüber Zugpersonal “Überhand nehmen”. Bausch und Bofferding entgegnen dem mit einer Reihe von Tabellen und Aufzählungen.

 

Darin lässt sich jedoch ein zumindest kurzfristiger Trend erkennen: Offenbar wurden 2018 weniger Fälle von Gewalt gegenüber Mitarbeitern der CFL und anderen öffentlichen Verkehrsbetrieben gemeldet, als davor. Die Zahl der Vorfälle, die bei den CFL intern gemeldet wurden, sank von 2017 auf 2018 um 24,4 Prozent. Die Zahl der Anzeigen, die Mitarbeiter der gesamten öffentlichen Verkehrsmittel bei der Polizei erstattet haben, sank zwischen 2014 und 2018 sogar um 26,5 Prozent. AVL, CFL, Luxtram, RGTR und Tice verzeichneten im Jahr 2018 insgeamt 550 Fälle von Angriffen, ungebührlichem Verhalten oder anderen Delikten – 145 Fälle weniger als im Jahr zuvor. Das geht laut Bauschs Sprecherin Dany Frank aus internen Erhebungen der Verkehrsunternehmen hervor.

424 Kameras an den Bahnhöfen

Laut Bausch und Bofferding überwachten 2018 424 Kameras Bahnhöfe und Haltepunkte in Luxemburg. 80 Prozent der Reisenden passierten Bahnhöfe oder Haltepunkte unter Videoüberwachung. Die Kameras seien auf den meistbesuchten Plätzen installiert.

Neue Bahnhöfe seien von Anfang an mit Kameras ausgestattet. Zudem werde derzeit an einem Plan gearbeitet, um sämtliche Haltepunkte mit Kameras auszustatten. Die Kameras haben die Passagiere auch im Zug im Auge: “Bis auf den Triebwagen Z2, der demnächt ersetzt wird, ist das komplette Rollmaterial mit Überwachungskameras ausgestattet”, schreiben Bausch und Bofferding.

Die Regierung will zudem 35 Notrufsäulen an den Bahnsteigen von 14 Bahnhöfen aufstellen. Das Personal soll besser im Konfliktmanagement geschult werden. Sicherheitsleute, die derzeit ungefähr zehn Prozent der Züge begleiten, sollen punktuell verstärkt werden. Sporadisch sollen auch Polizisten oder Zollbeamte Präsenz zeigen.

 

 

4 Kommentare

  1. Ein Rückgang bei gleichzeitiger Zunahme der Passagierzahlen. Da wird’s schwierig für Kartheiserchen und andere Rechte, um der Regierung daraus einen Strick zu drehen. Fakten sind immer noch Fakten. Auch wenn natürlich jeder einzelne Fall für die Betroffenen einer zuviel ist.

    • KTG: Muss man jetzt schon “rechts” sein, um nur einfach mal nachzufragen, inwiefern Gewalt gegen Zugpersonal hierzulande ein Thema ist…? Ihnen mag die Lebensqualität der CFL-Beschäftigten egal sein, so lange kein “Kartheiserchen” Ihrer heissgeliebten Regierung “einen Strick drehen” kann. Ich für meinen Teil möchte jedenfalls nicht als Schaffner o.ä. arbeiten, denn das ist kein besonders lustiger Beruf mehr, egal wie schön sich da jemand die Statistiken für 2018 gerechnet hat…

  2. Äusserst beunruhigend und alarmierend ist die Zunahme der Gewalt und der Aggressivität im allgemeinen. Das ist ein Phänomen, das unsere Politiker fordert und dem sie sich stellen müssen. Man kann von der ADR halten was man will, Herr Kartheiser weist zurecht auf diese Problematik hin. Es kann doch nicht sein, dass 10 Jugendliche, fast noch Kinder, zwischen 16 und 18 Jahren einen Zug am Weiterfahren hindern und Schaffner sowie Lokführer tätlich angreifen. Und das im beschaulichen Oetringen. Die Ordnungskräfte sind unterbesetzt und total überfordert. Wir sind inzwischen so weit, dass jede grössere Gemeinde über eine eigene Polizeizweigstelle verfügen müsste.

  3. Wou ass a bleift de virun enger gewësser Zäit an Aussicht gestalten ” commissariat de proximité “. Wann een haut dringend Hëllef vun der Polizei brauch gëtt ee mat der Zentral verbonnen, déi fir d’éischt emol sämtlech perséinlech Donnée(s)en vum Uruffer an Nout ophëllt. Wann ee Chance huet, sinn d’Agenten eng hallef Stonn duerno op der Plaz, wann ët schons méiglecherweis ze spéit ass. Dat dréit nët derzou bäi, d’Secherheetsgefill vun de Leit ze stärken oder si ze rassuréieren. Ët kann ee nëmmen hoffen der Police hierer nët ze brauchen.

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