Das “Aalt Stadhaus” in Differdingen war am Dienstag Treffpunkt für Arbeitssuchende und Arbeitgeber im Verkaufssektor. “Café-Contact-Emploi”, so das Motto der Jobmesse des Job Center der Gemeinde Differdingen. In bewusst kleinem, lokalem Kreis wurde versucht, die richtigen Leute zusammenzubringen.

Von unserem Korrespondenten Misch Pautsch

“Das hier ist die Generalprobe, bevor die Besucher sich mit den Arbeitgebern im Saal unterhalten”, scherzen Vanesse Haupeit und Marceline Fiblig im Eingangsbereich des Saales. Sie vertreten das “Centre d’initiative et de gestion local Differdange” und die “Initiativ rëm schaffen”. Bevor die Besucher zu ihrem potenziellen zukünftigen Chef selbst dürfen, werden am Eingang noch einmal Lebenslauf und Motivationsschreiben überprüft.

Gibt es Probleme mit den Dokumenten, werden den Arbeitssuchenden hier noch letzte Tipps auf den Weg mitgegeben, Fehler verbessert. “Gleichzeitig wollen wir hier auch sicherstellen, dass die Leute, die kommen, auch dem gesuchten Profil entsprechen. Die Arbeitgeber sind heute hier, um nach Leuten im Verkaufssektor Ausschau zu halten. Leute, die in diesem Bereich keine Erfahrung haben, können zwar selbstverständlich auch rein, aber die Veranstaltung ist tatsächlich auf diesen Bereich fokussiert”, so Vanessa Haupeit. Dennoch liegt auf dem Tisch auch ein Stapel “Last-Minute-CVs”, für den Fall, dass dann doch jemand unvorbereitet kommt. Aber wirklich nur für den Notfall, denn eigentlich sollte jeder, der es an dieser ersten “Hürde” vorbei schafft, gut auf die Gespräche im Saal vorbereitet sein.

Differdinger ansprechen

“Die Spezialisierung auf den Bereich ‘commerce’ hat zum Ziel, Arbeitssuchende anzusprechen, die konkret an einem Beruf in diesem Sektor interessiert sind”, so Carole Hesse, die für die Organisation dieses ersten “Café-Contact-Emploi” zuständig ist. “Bei den Veranstaltungen der vorherigen Jahre auf dem Marktplatz gab es oft das Problem, dass eine Großzahl der Leute ‘einfach vorbeischauen’ wollte. Die Arbeitgeber hatten dadurch oft einen Riesen-Stapel Lebensläufe vor sich liegen, mit denen sie nicht zwangsläufig viel anfangen konnten. Jeder Besucher hat einfach jedem anwesenden Betrieb sein CV abgegeben. Das war natürlich nicht das Ziel.” Dieses Jahr hingegen werden konkret genau diejenigen Arbeitssuchenden angesprochen, die die Arbeitgeber auch suchen. Aus diesem Grund richtete sich das Treffen auch vor allem an Leute aus Differdingen selbst, bleibt bewusst übersichtlich und lokal.

Kaffee und Croissant in der Hand sehen sich diese einer – wieder bewusst – übersichtlichen Auswahl an Tischen gegenüber. Darauf: sauber gestapelte Informationsbroschüren und Obstkörbe. Dahinter: geduldig wartende Gesichter. Auchan, Delhaize, Sales-Lentz und der Geschäftsverband Differdingen “acomm asbl” haben nicht nur den Weg in das “Aalt Stadhaus”, sondern auch eine Reihe interessanter Kandidaten gefunden: “Die Stimmung ist gelassen und die Gespräche entspannt. Wir haben bereits eine ganze Reihe Lebensläufe eingesammelt, die unseren Auswahlkriterien entsprechen und dann an unsere Mitglieder weitergeleitet werden”, sagt Geschäftsverbandspräsident Philippe Hillenbrand. Mitglied des Komitees der Asbl Martine Eischen bestätigt nickend: “Die Vorauswahl macht es deutlich einfacher, sich Zeit zu nehmen, die Interessierten wirklich kennenzulernen.”

Luxemburgisch gefragt

Die Vertreter von Auchan sind ähnlich optimistisch: “Die Leute, die zu uns kommen, passen genau in das Profil, das wir suchen. Der Austausch, der hier stattfindet, ist nicht möglich, wenn die Leute Schlange stehen.”

Dennoch offenbaren sich hier das eine oder andere Problem der eingeschränkteren Größe der Mini-Jobmesse, wie Tony Gentile von Delhaize feststellt: “Wir haben Filialen im ganzen Land, es wäre für uns also durchaus sinnvoll, auch mit Leuten in Kontakt zu treten, die nicht unbedingt aus der Gegend sind.” Dennoch lobt auch er die Länge und Tiefe der Gespräche, die mit den Kandidaten geführt werden. In welcher Sprache diese Gespräche geführt werden, ist eines der ausschlaggebenden Punkte für Andreas Stoermer und Tom Janin von Sales-Lentz: “Nicht Luxemburgisch zu sprechen, ist für uns ein K.o.-Kriterium. Leider ist und bleibt es schwierig, Leute zu finden, die mehr als ein paar Worte der Sprache können.”

Infostände der Adem, “Chambre de commerce” und jobs.lu geben den Besuchern Gelegenheit, sich weiter zu informieren und ihren Lebenslauf aufzupolieren. “Viele der Leute, die hier sind, haben keine klassische Schule oder Ausbildung abgeschlossen. Dennoch bringen sie oft viel Lebenserfahrung mit, haben zum Beispiel lange auf ihre kleinen Geschwister aufgepasst. Wir versuchen, diese Fähigkeiten aufzuwerten und auf Berufe zu übertragen”, so Laurence Hane, die für die Asbl “4motion” anwesend ist.
“Durchaus erfolgreich”, lautet auch die Zwischenbilanz von Carole Hesse, nachdem sie mit einigen Besuchern der Messe geredet hat.

Wann genau die nächste Ausgabe des Café-Contact-Emploi sein wird, die sich wahrscheinlich an andere Berufsrichtungen richten wird, steht noch nicht fest, aber dass sie stattfinden wird, “daran zweifele ich definitiv nicht”.

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