Das mögliche Gastgericht für den US-Präsidenten hat James W. Herman schon getestet. “Großartig” habe der Saumagen geschmeckt, sagt der Frankfurter US-Generalkonsul, als er am Donnerstag in Kallstadt vor die Presse tritt. Die Großeltern von Donald Trump stammen aus der pfälzischen Weinbaugemeinde im Kreis Bad Dürkheim. Deshalb kommt der Generalkonsul auch gleich auf die drängendste Frage zu sprechen: Bereitet er mit seinem Ausflug einen Besuch des US-Präsidenten vor? “Wir würden es großartig finden, wenn er kommt”, sagt Herman. “Ich könnte mir keinen besseren Ort für einen Besuch vorstellen.”

Noch gebe es aber keinen Plan oder gar feste Daten, betont der Diplomat. Das Generalkonsulat werde Trump jedenfalls einen Besuch vorschlagen, wenn er nach Deutschland komme. “Es ist wichtig, auf unsere Wurzeln zurückzublicken”, sagt Herman. Offiziell hatte das Generalkonsulat verlauten lassen, dass er sich bei seinem Besuch über die amerikanische Auswanderergeschichte informieren wollte. Schließlich stammen nicht nur Trumps Großeltern väterlicherseits aus Kallstadt, auch der Vater des Ketchup-Herstellers Henry John Heinz komt von dort. Herman erklärt, es sei ihm auch darum gegangen, Kontakte zur Gemeinde zu knüpfen.

Die Spuren der Eltern von Trumps Vater stehen im Mittelpunkt des Rundgangs durch den idyllischen Ort an der Weinstraße. In der protestantischen Salvatorkirche zeigt Pfarrer Oliver Herzog dem Generalkonsul einen alten Kelch. “Aus dem haben Trumps Großeltern bei ihrer Konfirmation getrunken”, erklärt er. Die “Trump-Organization”, das Unternehmen des Präsidenten, hat vor einigen Jahren mit 5000 US-Dollar, knapp 4200 Euro, die Außenrestaurierung des Gotteshauses unterstützt. Noch großzügiger waren die Nachfahren des Ketchup-Unternehmers Heinz: Sie spendeten 50 000 Euro für die Orgel.

Das unscheinbare Eckhaus der Trumps

Generalkonsul Herman absolviert den Rundgang mit guter Laune. Er ist in Texas geboren und in Hawaii aufgewachsen – passend dazu trägt er einen Cowboy-Hut und eine violette Krawatte mit Blumenmuster. In einem unscheinbaren weißen Eckhaus wuchs Trumps Großvater auf, bevor er 1885 in die USA ging. Vor dem Haus macht der Tross nur einen kurzen Halt – aus Rücksicht auf die heutigen Bewohner. Fotos werden dort nicht geschossen. “Ich würde auch nicht wollen, dass Leute vorbeikommen und Fotos vor meinem Haus machen”, sagt Herman und scherzt: Das könne man sich für den Besuch von Trump aufheben.

Entscheiden, ob es tatsächlich einen Besuch gibt, könne letztlich nur der Präsident selbst, betont der Generalkonsul. Der nächste Schritt sei nun ein Besuch des designierten amerikanischen Botschafters in Deutschland. Er tritt voraussichtlich im Frühling seinen Dienst an. Eine nötige Bestätigung des US-Senats steht aber noch aus.

In Kallstadt hatten viele Bewohner in den vergangenen Monaten eher genervt auf den Rummel um den umstrittenen US-Präsidenten mit Wurzeln in ihrer Gemeinde reagiert. Ortsbürgermeister Thomas Jaworek (CDU) gibt sich aber betont gelassen: “Ich bin sicher, dass auch die Bewohner einen Besuch von Trump auf sich nehmen würden.” Gastronom Thomas Weick, der den Generalkonsul in seinen Winzerstuben bekocht hat, sieht das Thema ebenfalls entspannt: “Wir würden den Präsidenten empfangen wie jeden anderen Gast.” Und was würde er auftischen? “Saumagen natürlich”, sagt Weick. “Zumindest würde ich den empfehlen. Ob er ihn auch isst, weiß ich nicht.”

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