Ganz Frankreich regt sich auf. In Krankenhäusern mussten 35 Säuglinge behandelt werden, die schwer krank sind. Der Grund: Im August vergangenen Jahres wurden in einer Fabrik des  hinter Nestlé zweitgrößten Milch verarbeitenden Unternehmens Lactalis Spuren von Salmonellen gefunden. Die eingeschalteten Behörden untersuchten allerdings nicht den Bereich, in dem die Salmonellen gefunden wurden, sondern einen anderen Bereich der Fabrik … und fanden nichts.

Ende November vergangenen Jahres werden die Gesundheitsbehörden von einer anormal hohen Zahl von Salmonellose bei Säuglingen unterrichtet. Anfang Dezember wird erneut ein Zusammenhang mit der Fabrik des Lactalis-Konzerns in Craon hergestellt. Der Konzern schließt die Fabrik am 8. Dezember und ruft nach Diskussionen mit den Behörden zunächst 620 Chargen zurück. Ende Dezember sind es weitere 720 Chargen, die zurückgerufen werden. Das Unternehmen wird von Eltern wegen Körperverletzung verklagt.

Luxemburg war auch vom Rückruf betroffen

Auch das luxemburgische Gesundheitsministerium warnte im Dezember 2017 vor Salmonellen in Babyprodukten. Die Verkäufer nahmen daraufhin alle Produkte der Marken Picot und Milumel aus den Regalen.

In Frankreich aber stellten Eltern Anfang Januar 2018 fest, dass die Produkte trotz des Rückrufes im Handel weiter verkauft werden. Das Land steht fassungslos vor einer Affäre, in der Verwaltung und Handel versagt haben und in der das Unternehmen als Produzent im Zentrum des Skandals steht.

Wirtschaftsminister erhebt schwere Vorwürfe gegen den Hersteller

In Frankreich ist in solchen Momenten immer die Politik gefragt. Staatspräsident Emmanuel Macron schaltet sich aus Rom von einem Mittelmeer Gipfel aus ein. Wirtschafts- und Finanzminister Bruno le Maire entwickelt sich zum Feuerwehrmann der Regierung und nimmt die Sache in die Hand. Das hat seinen Grund: Die Lebensmittelkontrolle gehört zum weiten Bereich des Wirtschaftsministeriums. Le Maire ist nicht zimperlich mit seinen Vorwürfen gegen den Hersteller, den er ins Ministerium zitiert, aber auch gegen den Handel, der schon am Donnerstag Rede und Antwort stehen musste.

Lactalis hatte die gesamte Produktion seit Februar 2017 sicherheitshalber zurückgerufen, auch aus China, in das der Konzern aus der Kleinstadt Laval an der Grenze zur Bretagne seine Säuglingsmilch exportiert. Bei der Frage aber, wieso im Januar Säuglinge noch an Salmonellose erkranken können, meldet sich eine Mutter aus dem Norden des Landes. Sie habe noch Anfang Januar die belastete Milch in einem Supermarkt ihrer Stadt gefunden.

Händler verkauften Produkte trotz Rückruf weiter

In der Folge stellt sich heraus, dass alle Großen des französischen Einzelhandels die Lactalis-Produkte trotz des Rückrufes in ihren Regalen weiter hatten stehen lassen und auch weiter verkauft hatten. Der Lebensmittelskandal findet nach der Produktion und der Verwaltung seine dritte Dimension. Wirtschaftsminister Bruno le Maire, der frühzeitig in Gespräche mit dem Hersteller eingebunden war und den Rückruf der gesamten Produktion von Mitte Februar 2017 an veranlasst hatte, ist am Donnerstag offensiv geworden. Der Handel müsse in der Lage sein, bei Rückrufen spätestens an der Kasse durch eine Kennzeichnung des Codes ein solches Produkt aus dem Verkauf zu nehmen, forderte er.

Am Freitag waren noch zwei schwer kranke Säuglinge in Kliniken zur Behandlung. Eine Salmonellose macht sich durch Erbrechen, blutigen Durchfall und Austrocknung des Körpers bemerkbar. Der Pressesprecher des Konzerns entschuldigte sich am Donnerstag in einer Pressekonferenz für die kontaminierten Produkte, wollte aber von einer Verantwortung im Sinne von Schadensersatz nichts wissen.

Fabrik in Craon wird derzeit gründlich desinfiziert

Lactalis sammelt etwa 20 Prozent der in Frankreich produzierten Milch ein und ist damit Marktführer. Das Unternehmen, das als Familienunternehmen nicht kommuniziert, soll nach nicht bestätigten Meldungen einen Umsatz von 20 Milliarden Euro weltweit machen. In der Fabrik, in der die von Salmonellen befallenen Milchprodukte hergestellt werden, herrscht für einen Teil der 550 Beschäftigten Kurzarbeit. Die Fabrik wird derzeit gründlich gesäubert und desinfiziert.

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