Die ADEM hat alle Hände voll zu tun, trotz wachsender Beschäftigungszahlen. Am Dienstag stellte sie ihren Jahresbericht vor. 

Einmal im Jahr zieht die ADEM Bilanz. Die Arbeitsagentur von heute ist längst nicht mehr das Arbeitsamt von gestern. Die Reformen der letzten Jahre haben gewirkt, meinte Arbeitsminister Dan Kersch (LSAP) – und fügte hinzu, dass die Reformen noch nicht abgeschlossen seien und es auch nie sein werden. Man dürfe keine Angst haben, sich selbst zu hinterfragen, so der Minister. Bereits 2012 hatte der damalige Arbeitsminister Nicolas Schmit (LSAP) mit der Umorganisation der Verwaltung begonnen. Es folgte ein Hickhack an der Spitze der ADEM, bis schließlich 2013 die heutige Direktorin Isabelle Schlesser das Ruder übernahm. Vom Chaos sieht man heute nichts mehr.

Bei der Pressekonferenz dankte Dan Kersch am Dienstag der Führung sowie den ADEM-Mitarbeitern und stellte in Aussicht, dass die Behörde in Zukunft mit mehr Finanzmitteln rechnen kann. Die Lage am Arbeitsmarkt habe sich zuletzt zwar entspannt, sagte Kersch, die „Profile“ der Arbeitsuchenden seien jedoch komplizierter geworden. Wenn es nach ihm geht, dann soll in Zukunft jeder Arbeitsuchende „seinen“ Sachbearbeiter haben. Darum dürfe man auch nicht die Solidaritätssteuer abschaffen oder senken, meinte Kersch – dies aber verlange die „größte Oppositionspartei“.

Die CSV hatte Anfang Mai ihre Offensive in der Familienpolitik vorgestellt und dabei auch vorgeschlagen, die Solidaritätssteuer zu senken. Von einer solchen Steuersenkung würden aber hauptsächlich die Menschen profitieren, die viel Geld haben, das sie versteuern müssen, räsonierte Kersch. Geld, das in die Arbeitsagentur fließe, sei ein Beitrag zur sozialen Kohäsion, so der Arbeitsminister weiter. Die Solidaritätssteuer dient der Finanzierung des Beschäftigungsfonds („Fonds pour l’emploi“). Dieser untersteht dem Arbeitsministerium. Er unterstützt unter anderem Arbeitgeber, die Langzeitarbeitslose oder ältere Arbeitslose einstellen.

Neue Einschreibeprozedur

Die angesprochenen Reformen machen sich bei den Arbeitsuchenden bemerkbar. So hat sich zum Beispiel die Einschreibeprozedur kürzlich verändert. Die Arbeitsuchenden füllen nun im Internet ein Formular aus. Sie erhalten daraufhin einen Termin und eine Liste mit den Dokumenten, die sie mitbringen sollen. Jedem Arbeitsuchenden wird eine halbe Stunde zugesichert.

Menschen im Alter von zwischen 16 und 30 Jahren profitieren von einer Sonderbehandlung, die ihnen durch die „Jugendgarantie“ („Garantie pour la jeunesse“) versprochen wird. Dabei handelt es sich nicht um eine Idee der ADEM, sondern um das geistige Kind des Europäischen Rates. „Die Jugendgarantie garantiert dir keinen Arbeitsplatz. Aber sie garantiert dir eine persönliche Begleitung, die sich an deiner individuellen Ausgangslage orientiert und dich bei deinem Weg ins Berufsleben auf die richtige Spur bringt“, heißt es auf der Internetseite der ADEM. Unter anderem bedeutet das, dass sich spezialisierte Mitarbeiter der ADEM um Menschen aus dieser Zielgruppe kümmern und dass die Betroffenen für alle ihre Kontakte mit der Arbeitsagentur einen Termin erhalten.

Bessere Kontakte mit den Arbeitgebern

Auch was die Arbeitgeberseite angeht, hat die ADEM Anstrengungen unternommen. So hat jeder Arbeitgeber, der der Arbeitsagentur offene Stellen meldet oder von deren Geldern profitiert, einen konkreten Ansprechpartner. In der Vergangenheit wussten viele Arbeitgeber nicht, wer ihr Ansprechpartner ist. Dies hat sich einer Umfrage der ADEM zufolge jedoch in den vergangenen Jahren verbessert. Die Arbeitgeber spielen für die Arbeitsagentur eine wichtige Rolle als Partner. Sei es die Handelskammer, die Handwerkerkammer oder der Unternehmerverband UEL. Mit Letzterem hat die ADEM eine Liste mit Berufen erstellt, bei welchen die Arbeitgeber besondere Probleme haben, Stellen zu besetzen. Die Palette reicht vom Bäcker über den Schreiner bis hin zum Erzieher und zum Mitarbeiter in der Lohnbuchhaltung.

Bietet sich die Möglichkeit, eine große Gruppe an Arbeitsuchenden gleichzeitig in Lohn und Brot zu bringen, dann bietet die ADEM (neben den üblichen Maßnahmen) eine Ausbildung im gefragten Bereich an. In der Vergangenheit organisierte die Arbeitsagentur so zum Beispiel eine Zusatzausbildung zum Thema Lohnbuchhaltung für arbeitslose Buchhalter und bildete Arbeitslose zu Fahrern aus, um der Nachfrage einzelner Unternehmen gerecht zu werden.

Arbeitslosigkeit sinkt weiter

Was die Entwicklung am Arbeitsmarkt angeht, so zog ADEM-Direktorin Isabelle Schlesser am Dienstag eine positive Bilanz über das Jahr 2018. Im letzten Jahr stieg die Beschäftigungsrate um 3,8 Prozent, wie Schlesser berichtet. Von 2015 bis Ende 2018 ist die Arbeitslosigkeit kontinuierlich gesunken – durchschnittlich um 5,7 Prozent im Jahr. Das bedeutet aber nicht, dass die ADEM die Hände in den Schoß legen kann. Mehr als 30.000 Arbeitsuchende haben sich 2018 neu bei ihr eingetragen – insbesondere gegen Ende des Jahres. Die Arbeitsagentur führt diesen Anstieg auf die Reform des sozialen Mindesteinkommens (Revis) zurück. Die Steigerung habe sich zu Beginn dieses Jahres fortgesetzt. Daneben plant die EU eine Regel, nach der Arbeitslose dort Arbeitslosengeld beziehen, wo sie zuletzt gearbeitet haben. Diese Regelung verspätet sich zwar, dennoch sollen sich viele Grenzgänger in Luxemburg arbeitslos gemeldet haben, so Isabelle Schlesser.

Das will die ADEM aber nicht als schlechtes Zeichen werten – immerhin konnten 2018 auch 16.760 Dossiers geschlossen werden, weil die betreffenden Personen eine Arbeit gefunden haben. Insbesondere junge Menschen unter 30 und Langzeitarbeitslose fanden Arbeit. Der Anteil der Grenzgänger in Luxemburg ist indes weiter gestiegen und liegt nun bei rund 43 Prozent. Jener der ansässigen Arbeitnehmer ohne Luxemburger Pass beträgt 29 Prozent. Die Luxemburger machen nur noch 28 Prozent der Arbeitnehmerschaft aus.

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