Afrikanische Staaten sind selten technologische Pioniere. Ein Kleinstaat jedoch hat geschafft, was in vielen Industrieländern bisher nur erprobt wird.

Afrika als globaler Trendsetter: Beim kontinentalen Weltwirtschaftsforum (WEF) in Kapstadt gilt der Kleinstaat Ruanda als gefeiertes Beispiel dafür, wie sich die viel beschworene vierte industrielle Revolution positiv auf arme Länder auswirken kann. Als weltweit einziges Land mit einem Drohnenliefersystem denkt Ruanda mittlerweile sogar über den nächsten Schritt nach: Ein Exportprogramm. Staaten wie Ghana und Tansania seien interessiert, sagte die ruandische Technologieministerin Paula Ingabire in Kapstadt – und kündigte für Februar 2020 ein Afrikanisches Drohnenforum an.

“Ruanda ist bisher das einzige Land auf der Welt, das systematisch Transportdrohnen einsetzt”, lobt Drohnenexperte Timothy Reuter vom Weltwirtschaftsforum. Auch der deutsche Luftfahrtexperte Cord Schellenberg ist begeistert: “Das Beispiel aus Ruanda zeigt, wie sehr eine technologische Entwicklung das Leben der Menschen in abgelegenen Regionen verbessern kann.” Transportdrohnen würden mittlerweile nicht nur im regulären Einsatz für die Anlieferung von Blutproben genutzt, so Ingabire, sondern auch für den Kampf gegen Moskitos. Zudem arbeite Ruanda an einem Drohnen-Prototyp für den Export.

Bedeutendes wirtschaftliches Potenzial

Die Technologie habe ein bedeutendes wirtschaftliches Potenzial, ist Schellenberg überzeugt. Wenn das passende Umfeld – Einsatzspektrum, Naturbeschaffenheit und Hindernisfreiheit – gegeben sei, seien Drohnen hervorragende und zuverlässige Transportmittel. “Ob in Afrika oder Europa – wichtig sind aber eine transparente Information der Menschen im Anwendungsgebiet, technische Zuverlässigkeit der Geräte und eine sichere Kontrolle während des Einsatzes”, gibt Schellenberg zu bedenken. Es müsse also verbindliche Regeln für den Einsatz von Drohnen geben, deren Einhaltung von staatlicher Seite überwacht wird.

Das habe Ruanda bisher erfolgreich unter Beweis gestellt, sagt Ministerin Ingabire, die ihr Land als Versuchsfeld für innovative neue Digitaltechniken auch in anderen Gebieten sieht. “Drohnen besetzen eine Nische – da gibt es in Afrika eine Menge an Innovation”, bestätigte Edward Anderson von der Weltbank. Ruanda zeige als Pionier, dass es beim Einsatz der Fluggeräte nicht nur um die Hardware gehe, sondern auch die Entwicklung von Know-how bei der Bildbearbeitung oder dem Aufbau einer Infrastruktur. Zudem habe das Drohnen-Transportsystem die Schaffung von Start-ups gefördert.

Die Fluggeräte könnten problemlos auch örtlich nach Bedarf per 3D-Druck hergestellt werden. “Afrika ist zur Zeit Spitzenreiter bei der Anwendung von Transportdrohnen und demonstriert Dinge, von der die Welt lernen kann”, meint Reuter. Wünschenswert wäre bei der weiteren Entwicklungen nun ein panafrikanischer Ansatz, der auch außerhalb des Kontinents als Inspiration für weitere Anwendungen dienen könnte.

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