Die Politik steht am Donnerstag still. Nach dem plötzlichen Tod des grünen Staatssekretärs Camille Gira am Mittwochabend wurden zahlreiche Termine abgesagt. Darunter die Parlamentssitzung, eine Pressekonferenz über Lebensmittelverschwendung sowie eine über die luxemburgische Mobilität. Auch am Freitag werden zahlreiche politische Veranstaltungen ausfallen.

Kondolenzbuch

Für alle, die ihre Trauer zum Ausdruck bringen möchten, liegt im Staatsministerium in der Hauptstadt ein Kondolenzbuch aus. Das Buch ist am Donnerstag bis 18 Uhr, am Freitag von 8 bis 18 Uhr und am Samstag von 10 bis 16 Uhr zugänglich.

Die Regierung hat angeordnet, die Fahnen von allen öffentlichen Gebäuden von Donnerstag bis Samstag auf halbmast zu stellen. Der Regierungsrat vom Freitag ist abgesagt. Stattdessen wolle man sich für eine Gedenkminute treffen, twitterte Paul Konsbruck, Xavier Bettels Kabinettschef. Auch wurde im Staatsministerium in der rue de la Congrégation in Luxemburg-Stadt ein Buch ausgelegt, in das Trauernde ein paar Worte schreiben können.

Die Politik trauert. Allem voran “déi gréng”, also jene Partei, der er seit ihren Anfängen angehörte. Parteipräsident Christian Kmiotek sprach im Kurznachrichtendienst Twitter von einem großen Mann, sowohl innen als auch außen geradlinig. “Umgefallen wie eine Eiche im Sturm.” Viviane Loschetter, die grüne Fraktionspräsidentin im Parlament, postete ein Foto und schrieb nur ein Wort: “Immortal”, also “unsterblich”.

“Ein Entwurf, an dem er sein Leben lang arbeitete”

Auch in der Regierung sitzt die Trauer tief. So schrieb Bausch, der lange Zeit Weggefährte des Staatssekretärs war: “Enorme tristesse”. Die Regierungskollegen der anderen Parteien zeigten am Mittwoch auch ihre Betroffenheit. Premierminister Xavier Bettel (DP) schrieb auf Twitter, er sei “sehr traurig”. Er wünschte Giras Familie viel Mut. “Unsere Gedanken und unser Mitgefühl sind bei seiner lieben Frau und seinen Kindern.”

Finanzminister Pierre Gramegna (DP) sprach ebenfalls sein “aufrichtiges Beileid” aus und erinnerte daran, dass Gira verstarb, als er “einen Entwurf vorstellte, an dem er sein Leben lang arbeitete”. Der Staatssekretär war gerade dabei, seine Reform des luxemburgischen Naturschutzes im Parlament vorzustellen, als er zusammenbrach. Es war einer seiner wichtigsten Projekte. Großherzog Henri und seine Frau schickten ebenfalls einen Kondolenzbrief an Giras Familie.

“Das Parlament ist tief betroffen”

Auch Giras Kollegen im Parlament zeigten sich tief bestürzt. Seit 1994 war er Abgeordneter, bevor er 2013 in die Regierung einzog. Parlamentspräsident Mars Di Bartolomeo kommunizierte bei seiner Ankündigung, dass die Sitzung von Donnerstag abgesagt ist: “Das Parlament ist tief betroffen.”

Die Fahnen vor dem Parlament sind auf halbmast

 

Die politischen Gegnerschaften wurden beiseitegelegt: Die CSV äußerte am Donnerstagmorgen ihr Mitgefühl. “Mit ihm hat das Land einen engagierten, kompetenten und konsequenten Politiker verloren”, so die größte Oppositionspartei in einer Mitteilung. “In der Region und weit darüber hinaus schätzte man den bodenständigen Grünen, der als Bürgermeister, Abgeordneter und Staatssekretär stets die Nähe zu den Menschen suchte und pflegte.”

Gira war lange in der Beckericher Gemeindepolitik aktiv. Ab 1982 war er Erster Schöffe, acht Jahre danach wurde er Bürgermeister.

“Das Schicksal kann manchmal so unbarmherzig sein”

Auch aus der Zivilgesellschaft trafen Beileidsbekundungen ein. So beispielsweise von der Bauernallianz, die wegen des Themas Naturschutz mit Gira zusammenarbeitete. “Die Bauernallianz will für die Zusammenarbeit in den letzten Jahren Danke sagen.” Blanche Weber, Präsidentin der Umweltorganisation “Mouvement écologique”, meinte in einer Mitteilung, der Politiker habe vieles bewegt, um die Gesellschaft lebenswerter zu machen. “Das Schicksal kann manchmal so unbarmherzig sein”, steht in der Mitteilung.

11 Kommentare

  1. Mit Camille Gira verliert Luxemburg einen integren, engagierten Politiker, der seine Spuren hinterlässt. Er hat Grosses geleistet, auch auf kommunaler Ebene. Was er aus Beckerich gemacht hat ist beispielhaft und lässt sich sehen. Camille Gira war kein Karrierist, er machte Politik für seine Mitmenschen und die Umwelt. Er war ein feiner Mensch, vielleicht zu fein für dieses gnadenlose Geschäft in dem oft mit harten Bandagen gekämpft wird, ohne Rücksicht auf Verluste. Er wird uns sehr fehlen. Mein herzliches Beileid an seine Familie.

  2. Ech hunn de Camille kennegeleiert, wei hien sech sachlech fir Sea Shepherd an d´Farör Inselen agesat huet. Jo ech sinn och deck betraff. Wei seier e Liewen kann endegen – an de Camille war ee vun deene Gudden. E wollt wei munch vun ons d´Welt e Steck besser maachen.

    Camille dat ass där gelongen. An du bass vill ze freih gaangen.

    Deif bereiert
    Yasmine HEMES

  3. Respekt und Trauer für diesen Politiker, aber auch eine Warnung an jene Politiker die für ein verlängertes Arbeitsleben eintreten, das Argument vorschieben die Bevölkerung würde älter.

  4. Leider hu mir net genuch Politiker ewei Hien…..matt der Kompetenz an dem Verlangen no engem besseren. R.I.P. Camille
    A Merci datt et dech gouf.

  5. es zeigt mir bei aller TRAUER um Herrn Gira die ich voll unterstütze ,dass hier in diesem Land und auch in Europa etwas gewaltig schief läuft. DER FAMILIE MEIN BEILEID

  6. Camille wurde nie Minister, er wollte nie Karriere machen. Ich denke gestern hat trotzdem die Karriere eines Ministers ein jähes Ende bekommen.

  7. De Camille Gira war e politesche Mensch deen och als Politiker menschlech bliwwen ass. Dat huet heen, niewent sénger Kompetenz a séngem Wäitbléck ausgezeechent. Schued dass hien eis esou fréi huet musse verloossen.

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