Die beiden Wochenendetappen der Tour de France nutzten die Sky-Leader zu vorgezogenen „Ruhetagen“. Die englische Mannschaft hatte nichts dagegen, dass andere sich in der Bruthitze an der Spitze abrackerten. Am Samstag gewann der Spanier Omar Fraile, am Sonntag setzte sich sein Astana-Teamkollege Magnus Cort-Nielsen durch. Bob Jungels verteidigte seinen 12. Rang im Gesamtklassement.

Von Petz Lahure aus Carcassonne

Die Tour de France bleibt fest in der Hand des Teams Sky. Die Fahrer des britischen Rennstalls kontrollierten das Geschehen am Samstag und am Sonntag aus der zweiten Reihe. Vorher aber vergewisserten sie sich, wer den beiden „échappées matinales“ angehörte und ob das Haus Sky nicht etwa durch die Präsenz eines ernst zu nehmenden Gegners in Gefahr geraten könnte. Ohne die Einwilligung von Manager Dave Brailsford werden keine Freifahrtscheine verteilt. Erst wenn der Chef von Sky die Lampen auf Grün stellt, schalten seine Schützlinge im Peloton einen Gang zurück. Hiervon profitierten am Wochenende Fahrer, die sonst nicht so im Rampenlicht stehen. Am Samstag in Mende setzte sich der Spanier Omar Fraile im Alleingang durch, am Sonntag holte sich dessen Teamkamerad Magnus Cort-Nielsen den Etappensieg.

Die Lage. An der Spitze des Generalklassements änderte sich nichts Wesentliches. Am morgigen Dienstag nimmt Geraint Thomas die Pyrenäen mit einem Vorsprung von 1’39 auf seinen direkten Verfolger Chris Froome in Angriff. Die einzigen ernst zu nehmenden Gegner der beiden bleiben Tom Dumoulin (3. auf 1’50), Primoz Roglic (4. auf 2’38), Romain Bardet (5. auf 3’21), Mikel Landa (6. auf 3’42), Steven Kruijswijk (7. auf 3’57) und in vermindertem Maße Nairo Quintana (8. auf 4’23). Jakob Fuglsang (9. auf 6’14), Dan Martin (10. auf 6’54) und all die andern Konkurrenten sind zu weit weg, um noch ein Wörtchen um den Toursieg mitreden zu können.

Die Analyse. Auf der Samstag-Etappe setzte sich Omar Fraile im Anstieg der Côte de la Croix Neuve allein ab, fing Jasper Stuyven ein und hielt den nachsetzenden Julian Alaphilippe auf Distanz. Weil der Franzose zögerte, als der Spanier angriff, verscherzte er sich die Chance auf einen durchaus möglichen zweiten Etappensieg. Am Sonntag musste Rafal Majka nach seinem Angriff in der Steigung des Pic du Nore die Rückkehr einer Gruppe von sieben Verfolgern zulassen. Lokalmatador Lilian Calmejane wurde danach von einer Allianz Trek-Astana in die Falle gelockt. Für Trek war es Taktik, Calmejane sprach von Unsportlichkeit. In einem Dreiersprint setzte sich Magnus Cort-Nielsen durch und sorgte für den zweiten aufeinanderfolgenden Astana-Etappenerfolg.

Jungels bleibt 12. in der Gesamtwertung

Die Etappensieger. Omar Fraile Matarranz bestreitet seine erste Tour de France. Der 28-jährige Spanier (geb. am 17. Juli 1990 in Santurtzi) tat sich bisher als ausgezeichneter Bergfahrer hervor. Sowohl 2015 als auch 2016 gewann er die Bergwertung der Vuelta. In seinem Palmarès stehen auch ein Sieg beim Giro dell’Apennino (2015) und Etappenerfolge bei den „4 jours de Dunkerque“ (2015), dem Giro d’Italia (2017), der Baskenland-Rundfahrt (2018) und der Tour de Romandie (2018).

Genau wie sein Astana-Mannschaftskollege Omar Fraile ist Magnus Cort-Nielsen zum ersten Mal bei der Tour de France dabei. Der 23-jährige Däne (geb. am 16. Januar 1993 in Bornholm) brachte sich 2013 bei der Rundfahrt seines Landes ins Gespräch, als er zwei Etappen gewann. Auch in den Jahren danach war er bei Teilstrecken der Post Danmark Rundt erfolgreich (2014:1.; 2016:1.). Seine größten Siege feierte Cort-Nielsen 2016 bei der Vuelta, wo er zwei Etappen davontrug. Dieses Jahr gewann er die Nachwuchswertung der Dubai Tour, eine Etappe der Tour of Oman, eine Etappe der Tour de Yorkshire und jetzt die TdF-Etappe in Carcassonne.

Der Luxemburger. Bob Jungels verteidigte in der Gesamtwertung seinen 12. Platz. Am Samstag fuhr er als 42. ins Ziel mit 18’53 Rückstand auf Etappensieger Fraile. Jungels machte dabei 59″ auf Dan Martin wett, der einen Defekt erlitt, verlor aber 20″ gegenüber Ilnur Zakarin, der nur noch 8 Sekunden hinter ihm rangiert. Am Sonntag traf Jungels auf Platz 64 mit dem Hauptfeld ein. Die 13’11 Verspätung auf Cort-Nielsen wirkten sich nicht auf die Gesamtwertung aus.

Die Aussage. „Wir haben einen Plan für die Pyrenäen, aber zuerst galt es, die Wochenendetappen ohne Schaden zu überstehen“, meinte Leader Geraint Thomas. „Das ist uns gelungen. Unsere Situation könnte besser nicht sein. Ich habe eine tolle Mannschaft um mich. Als gefährlichsten Gegner schätze ich Tom Dumoulin ein. Er hat mir bisher einen ausgezeichneten Eindruck hinterlassen. Die dritte Woche ist eine große Unbekannte für mich, weil ich nicht weiß, ob ich durchhalte. Aber diese Frage stellt sich auch für Chris Froome und Tom Dumoulin, die ja schon den Giro in den Beinen haben.“

Der Ausblick. Am Montag ist Ruhetag in Carcassonne. Am Dienstag geht es weiter mit der ersten Pyrenäenetappe von Carcassonne nach Bagnères de Luchon (218 km). Zu ersteigen sind die Côte de Fanjeaux bei km 25 (2,4 km à 4,9%), die Côte de Pamiers bei km 72 (2,3 km à 5,8%), der Col de Portet d’Aspet bei km 155,5 (5,4 km à 7,1%), der Col de Menté bei km 171 (6,9 km à 8,1%) und der Col du Portillon bei km 208 (8,3 km à 7,1%). Vom Scheitel des Portillon bis ins Ziel sind es nur noch 10 km. Ankunft am Bd Edmond Rostand auf einer 200 m langen und 6 m breiten Zielgeraden.

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