Zugegeben, mit 23 erlebt man nicht unbedingt einen zweiten Frühling, doch für Jeunesse-Flügelspieler Toni Luisi fühlt sich die aktuelle Situation auf der Escher “Grenz” wie eine Art fußballerische Wiedergeburt an. Mit drei Treffern aus vier Spielen ist er mit der Ausbeute der gesamten vergangenen Saison bereits im September gleichgezogen.

Von den Zahlen her war es ein Seuchenjahr: 2017/18 schaffte es Toni Luisi beim F91 Düdelingen in der BGL Ligue nur einmal in die Startelf, insgesamt stand er in sieben Spielen 137 Minuten auf dem Platz. In der Coupe de Luxembourg gelang ihm ein Dreierpack gegen Wilwerwiltz – das war’s. Logischerweise war er mit ganz anderen Ambitionen aus Differdingen (wo er nicht zur ersten Wahl von Pascal Carzaniga gehörte) in die “Forge du Sud” gewechselt, doch die Realität holte ihn dort sehr schnell ein: “Der F91 ist ein ganz anderes Kaliber. Ich war tagsüber auf der Arbeit, während andere trainiert haben und natürlich bevorzugt wurden”, erklärte der Bankangestellte, der auf die professionellen Rahmenbedingungen und Einstellung der Düdelinger verwies. “Bei der Jeunesse hat man mehr Verständnis für Spieler, die berufliche Verpflichtungen haben.”

Demut

Dennoch bereut er die vergangenen zwölf Monate nicht: “Manchmal sprechen mich die Leute darauf an und meinen, ich hätte ein Jahr weggeschmissen. Sie sagen dann, dass es in Differdingen viel besser lief. Aber das stimmt nicht so ganz. Die Statistiken beweisen es ja. Ich habe gespielt, nur eben weniger. Ich habe viel dazugelernt und das wird mir auch in Zukunft noch von Nutzen sein.” Und fügt hinzu: “Ich habe dort diese Profi-Mentalität erlebt, wie noch nirgendwo anders hier in Luxemburg. Man merkt das während jeder Trainingseinheit. Es dreht sich alles nur um Fußball. Ich, als junger Spieler, habe zu diesen Spielern heraufgeschaut.”

Mit seinen 23 Jahren hat er bereits 125 Partien in der Nationaldivision bestritten. 44 davon unter Trainer Marc Thomé, den er bestens aus D03-Zeiten kennt. “Wir haben ein ganz normales Trainer-Spieler-Verhältnis. Ich weiß, was er von mir verlangt. Er pocht darauf, dass ich meine defensiven Aufgaben nicht vernachlässige. Gleichzeitig weiß er auch, dass ich offensiv den Unterschied machen kann.”

Und wie der besagte Übungsleiter sich dessen bewusst ist … “Ich würde sogar behaupten, dass Toni zwei schwere Jahre hinter sich hat. Er braucht Spielpraxis und die bekommt er hier. In Düdelingen hat er gelernt, demütiger zu sein. In Differdingen war er oft verärgert, wenn er ausgewechselt wurde oder auf der Bank saß. Er ist auf einem sehr guten Weg, ein kompletter Angreifer zu werden. Er hat enorme fußballerische Qualitäten, ist schnell, mit dem Zug aufs Tor, ist beidfüßig und kopfballstark. Zudem hat er gelernt, abzuspielen, auch wenn er noch an seiner Übersicht arbeiten muss. Er müsste den Kopf noch öfters heben und lernen, dass man auch zu elft verteidigt”, so die klaren Worte des Jeunesse-Coachs.

Eine Verletzung an der Ferse warf Lusi während der Vorbereitung zurück, ansonsten hätte der sechsfache Nationalspieler bereits zum Saisonauftakt in die Mannschaft gefunden. Trotzdem ließ er den Kopf nicht hängen: “Man stellt sich immer viele Fragen, wenn es nicht gut läuft. Aber ich kann mich auf den Rückhalt von Familie und Freunden verlassen. Ich glaube an mich und es scheint bergauf zu gehen”, fuhr der Stürmer fort. “Ich arbeite seit zwei Jahren, wahrscheinlich habe ich diese lange Phase gebraucht, um einen Alltag zwischen Fußball und Arbeit zu finden.”

Ziel: Europa League

Unter Druck setzen lässt er sich trotzdem nicht: Wie er gestern erklärte, hat er sich nicht auf eine bestimmte Anzahl an Saisontoren festgelegt, stattdessen steht mit dem Erreichen der Europa League das Ziel des Vereins im Vordergrund. Dafür muss allerdings weiterhin alles so rund laufen wie bisher: “Man hört hier oft, dass die Spieler dazugestoßen sind, die dem Klub im letzten Jahr gefehlt haben. Es ist eine gute Mischung. Es wäre aber noch zu früh, um darüber zu reden, ob wir ganz oben mitspielen werden.” Ohnehin steht am Sonntag mit dem Auswärtsspiel in Strassen eine unbequeme Prüfung bevor: “Sie stehen sehr kompakt und wir werden die Lösungen suchen müssen.”

Wie es nach der Saison und dem Ende der Leihe (vom F91) für ihn weitergehen wird, weiß der pfeilschnelle Mann mit dem Torriecher noch nicht: “Ich konzentriere mich derzeit nur auf den Fußball. Mal sehen, was die Verantwortlichen für später geplant haben …”

Kommentieren Sie den Artikel


Please enter your comment!
Please enter your name here