Zehn Jahre später: Wieder ist Weihnachten, wieder schauen wir voraus auf ein neues Jahr. Doch wo bei der Jahreswende 2008/2009 die von der Bankenkrise getriebenen Sorgen um die wirtschaftliche Zukunft die Stimmung trübten, scheint derzeit die Konjunktursonne über Berg und Tal. Alles bestens also? Mitnichten. Die weltweite Wirtschaftskrise hat tiefe Spuren hinterlassen, Veränderungen, die, befeuert von gesellschaftlichen und technologischen Entwicklungen, möglich gemacht haben, was vor zehn Jahren noch unvorstellbar war.

Die Milliarden, die im Herbst vor zehn Jahren über Nacht in die Bankenrettungen gesteckt wurden, galten zwar in erster Linie dem Schutz der Bankenkunden. Dennoch: Hängen bleibt, dass für Banken und Banker auf einmal Geld da war, das sich viele seit Langem für die Lösung ihrer Probleme erhofft hatten – um aber enttäuscht zu werden. Damit nicht genug. Das dicke Ende kam mit dem Konjunktureinbruch, der auf die Bankenkrise folgte. Jene, die von der staatlich organisierten Solidarität abhängig sind, wurden am stärksten getroffen. Gründe zur Unzufriedenheit gab und gibt es zuhauf. Was fehlt, ist die große Infragestellung. Im Gegenteil, viele jener, die bereits vor der Krise ihre Hände an den Hebeln der Macht hatten, haben nach der Krise problemlos erneut die gleichen Rezepte propagiert.

Für den gesellschaftlichen Zusammenhalt waren es schlechte Jahre. Die eigenen Sorgen sind in den Mittelpunkt gerückt, das Mitgefühl gegenüber anderen hat dagegen gelitten. Hinzu kommt der offensichtliche Bedarf an unmittelbarer Gratifikation. Politisch drückt es sich in heftigen, aber letztlich kurzlebigen punktuellen Protestbewegungen aus, in den sozialen Medien, durch die sofortige Bestätigung durch „Likes“. So scheint man permanent getrieben, ohne aber irgendwann auch anzukommen.

Wie immer, wenn die Unzufriedenheit groß ist, steigt die Gefahr, dass Sündenböcke dafür verantwortlich gemacht werden. Und so findet zusammen, was eigentlich nicht zusammengehört: die Stärksten und die Schwachen der Gesellschaft. Ersteren gelingt es allzu oft, Letzteren vorzugaukeln, die Antwort auf ihre Sorgen läge im Auflösen des Solidarpakts. Die Schwachen denken: mit Ausländern, mit den anderen. Die Starken wissen: Ja, wir fangen mit den Schwächsten an. Aber danach kommt ihr alle dran.
So kommen Wahlsiege von Parteien zustande, die nicht nur nationalistische, sondern vor allem hart rechte Wirtschafts- und Sozialpolitik vertreten. So werden großkotzige Immobilienhaie Präsidenten und so gelingt es älteren Herren gehobenen Standes, deren Bett längst gemacht ist, Wähler von einem EU-Austritt zu überzeugen.

Die traditionellen gesellschaftlichen Kräfte, die den Zusammenhalt predigen, die die offene Gesellschaft verteidigen und für die Umverteilung kein schmutziges Wort ist, tun sich derweil immer öfter schwer, noch Gehör zu finden. Ein Hoffnungsschimmer bietet immerhin, dass nicht nur neue rechte, sondern auch neue fortschrittliche Kräfte gestärkt werden. In der Hoffnung, dass sich die Feststellung bestätigen wird – und nicht vergänglich ist, wie ein Sturm in den sozialen Medien.

2 Kommentare

  1. So lange die Politik nicht das Problem der immer mehr auseinander klaffenden Armutsschere angeht, wird das Konfliktpotential eben anschwellen, bis es dann ausbricht, auch in unserem so friedlichen Luxemburg.. Die Umverteilung funktioniert ganz schlecht, sie aber ist das sine qua non ……

Kommentieren Sie den Artikel


Please enter your comment!
Please enter your name here