Ob im eigenen Garten oder beim Spaziergang durch die Natur, um ihn kommt zurzeit niemand herum: Der Eichenprozessionsspinner ist in diesem Jahr besonders verbreitet. Wie der Name schon verrät, finden sich die Raupen hauptsächlich an Eichen, gelegentlich – insbesondere in starken Befallsjahren – aber auch an einigen anderen Baumarten.

“Wieso der Eichenprozessionsspinner in diesem Jahr so verbreitet ist, weiß eigentlich niemand so genau”, erklärt der Escher Förster Pol Zimmermann gegenüber dem Tageblatt. “Es hängt womöglich mit dem Klima zusammen”, schätzt er. In den letzten Wochen und Tagen hat das unscheinbare Tierchen in so einigen Gemeinden des Landes für Aufregung gesorgt. Die feinen Härchen der Raupe, auch Brennhaare genannt, enthalten nämlich ein Eiweißgift namens Thaumetopoein. Dieses kann bei Kontakt mit der Haut allergische Reaktionen auslösen. Nicht nur bei Menschen, auch bei ihren Haustieren.

Die mögliche Reaktion ist dabei nicht zu unterschätzen. Besonders Hundebesitzer müssen auf ihre Vierbeiner aufpassen. Vor allem nach starken Regenfällen: “Dann fallen die Nester der Raupen oft zu Boden, wo die Tiere schneller damit in Kontakt kommen”, schildert Zimmermann. In Düdelingen wurde die Neugierde einem Hund zum Verhängnis. Er hatte die Raupe abgeschleckt – die allergische Reaktion auf Brennhaare ließen seine Zunge so anschwellen, dass das arme Tier erstickte.

“Hier sind einfach zu viele Raupennester”

Einige Spazier- und Fahrradwege wurden bereits wegen zu starkem Befall gesperrt. So auch der Fahrradweg PC6, der von Lallingen durch den “Lankelzer Bësch” nach Ehleringen führt. “Hier sind einfach zu viele Raupennester, um sie alle zu entfernen. Deswegen sperren wir den Weg und lassen der Natur ihren Lauf”, erklärt Zimmermann. Hier wird also darauf gewartet, dass sich die gefährlichen Raupen in harmlose Nachtfalter verwandeln: “Das wird ungefähr Ende Juni, Anfang Juli der Fall sein. Das ist wetterabhängig”, sagt der Förster. Aber auch dann müsse sich noch vor den Nestern der Tiere in Acht genommen werden, in denen die Brennhärchen hängen bleiben.

Damit es nicht zu weiteren dieser Vorfälle kommt, tun die Gemeinden in Zusammenarbeit mit der Naturverwaltung derzeit alles Nötige. Öffentliche Plätze, Schulen und Spielplätze werden dabei zuerst von den Raupen befreit. Privatpersonen müssen sich allerdings selbst um eine Firma kümmern, die ihnen die haarigen Kriechtiere aus dem Garten entfernt – und das kann ganz schön ins Geld gehen.

In Luxemburg gibt es nur wenige Firmen, welche die professionelle Entfernung der Raupen und deren Nester anbieten. Die am häufigsten kontaktierte davon ist Entrapaulus. “Bei uns kostet die Dienstleistung 65 Euro die Stunde und 50 Euro pro Nest”, verrät Christian Steinmetz. Er ist der Verantwortliche für den Bereich “Eichenprozessionsspinner” bei der Firma. Der Preis scheint auf den ersten Blick noch relativ überschaubar, einem Betroffenen wurde der Endpreis allerdings von der Firma vorgerechnet.

Schon knapp 350 Nester wurden von Entrapaulus entfernt

Es müssten zwei Mitarbeiter vor Ort sein und die Arbeiten würden mindestens zweieinhalb Stunden dauern. Inklusive TVA macht das für die Entsorgung von einem Nest in etwa 450 Euro – eine beträchtliche Summe, die sich nicht jeder auf Anhieb leisten kann.

Steinmetz berichtet trotzdem von zahlreichen Anrufen, die seit dem 7. Juni bei seiner Abteilung eingegangen sind. An die 350 Nester wurden seitdem bereits von der Firma entfernt. Weitere 350 stehen noch auf dem Terminplan. “Man kann sagen, dass der ganze Süden von Frisingen bis Differdingen betroffen ist”, erklärt er. Wie die Firma vorgehe, um ein solches Nest sicher zu entfernen? “Der schwierigste Schritt ist es, das Nest zu erreichen. Je nach Höhe ist das nicht immer so einfach. Danach geht es relativ schnell.” Dann werde das Nest mit einer Art Kleber auf Kautschuk-Basis zusammengeklebt und in einen Plastikbeutel verpackt. Die Überreste am Baum würden verbrannt, der Plastikbeutel von einer Fachfirma entsorgt.


Allgemeinmedizinerin im Gespräch

Dr. Maryse Storck ist als Allgemeinmedizinerin und Notärztin im “Centre hospitalier Emile Mayrisch” tätig. In ihrer Privatpraxis in Bascharage wurde sie bereits mit mehreren Fällen allergischer Reaktionen im Zusammenhang mit dem Eichenprozessionsspinner konfrontiert. Wir haben sie gefragt, was zu tun ist, wenn es trotz aller Vorsicht zum Kontakt mit dem unscheinbaren Tier gekommen ist.

Tageblatt: Zu welchen Symptomen kommt es beim Kontakt mit dem Eichenprozessionsspinner?
Dr. Maryse Storck: Die feinen Härchen der Raupe sind mit einer Art Widerhaken ausgestattet. Diese bleiben in der Haut stecken und führen zu Rötungen und Quaddeln, wie man sie vom Nesselfieber kennt. Die Heftigkeit der Reaktion variiert von Fall zu Fall. Bei besonders empfindlichen Menschen wie Asthmatikern oder Allergikern kann es zum Beispiel zum allergischen Schock kommen. Das kommt allerdings nur selten vor.

Was sollte die erste Reaktion sein, wenn jemand mit den Brennhaaren in Kontakt kommt?
Nachdem der Betroffene den Kontakt bemerkt hat, sollte er schnellstmöglich seine Kleidung ausziehen und sich unter die Dusche stellen. Der gesamte Körper sollte vorsichtig abgespült und anschließend gründlich mit Seife gewaschen werden. Auch die Haare sollten gut einshampooniert werden. Die ausgezogenen Kleider sollten sofort in die Waschmaschine.

Was tun, wenn die Härchen ins Auge gelangen?
Kommen die Haare ins Auge, dann muss dieses sofort mit klarem Wasser ausgespült werden.

Und wenn diese Maßnahmen nicht helfen?
Werden die Symptome nicht besser, sollte der Betroffene seinen Haus- oder Augenarzt kontaktieren. Steht dieser nicht zur Verfügung, dann sollte der Patient die Notaufnahme aufsuchen.

Alle Infos zum Eichenprozessionsspinner finden Sie in einem vom Nachhaltigkeits- und Gesundheitsministerium angefertigten Faltblatt unter www.sante.lu. Entrapaulus erreichen Sie unter der Nummer 26 35 01 31. Alle gesperrten Fahrradwege finden Sie unter www.pch.public.lu.

1 Kommentar

  1. “Ob im eigenen Garten oder beim Spaziergang durch die Natur, um ihn kommt zurzeit niemand herum” -> dëst stëmmt esou net. “An den letzeboier Medien” kënnt een am Moment net ëm hien erem.
    Ech sinn averstan dass “Opklärung” an “Präventiv schaffen” sënnvoll sinn. Et missst een halt just op d’Panique-mache oppassen, zumols an den Medien. Gëschwenn sollt een sëch jo am besten net méi firun d’Dier trauen, an schonn guer net méi an d’Natur (vunn deer mir ons ëmmer méi distancéieren). Niewend den Bëschzecken an dësem aktuell an den Medien méi präsenten “Spinner”, den terroristëschen Attackenm, dem Ozon deen ze héisch ass, oder nach d’Alerte Orange vunn den Donnerwieder, asw., kritt een jo lues an lues d’Gevill (vermëttelt) das d’Welt dobaussen einfach voller Geforen ass, an am besten et bleift een doheem, sëtzt een um I-Pad (an keeft een iwwer Amazon an, otemt déi “Categorie A” Loft an déi durch 7 Filteren geet an net matt der natirlecher Baussenwelt soll an Kontakt kënnt, asw.). Dëst ass einfach een negativen Nieweneffekt deen een net sollt aus den Aaen verléieren (als Medienhaus).

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