Pünktlich zur Springprozession ist sie wieder da: die Diskussion um die Abschaffung des schulfreien Pfingstdienstags im Jahr 2019 wegen der Springprozession. Wer dachte, dass sich das Thema nach dem heftigen Hin und Her im letzten Jahr erledigt hätte, hat sich geirrt. Eine Petition und die Rede des Erzbischofs haben die Debatte neu entflammt.

Die Petition von Jos Scheuer

Am 15. Mai 2018 hat der ehemalige Bürgermeister der Stadt Echternach Jos Scheuer (LSAP) eine Petition eingereicht, um einerseits die Springprozession als Unesco-Weltkulturerbe zu fördern und andererseits den schulfreien Dienstag wieder einzufordern. Er bittet die Regierung, “ihre Entscheidung zu überdenken”, weil der schulfreie Tag es den Schülern erlaube, die Tradition kennenzulernen und bei der Springprozession mitzumachen. Dadurch, so folgert Scheuer, verankere und fördere man eine Tradition, die als Unesco-Weltkulturerbe ein wichtiger Teil Luxemburgs sei.

“Man kann mir nicht vorwerfen, dass ich wegen der Kirche meine Forderungen stelle. Die Springprozession gehört für mich zum wichtigen kulturellen Erbe Luxemburgs und als Historiker liegt mir das am Herzen”, erklärt Jos Scheuer im Gespräch mit dem Tageblatt. “Ich habe außerdem die Befürchtung, dass durch die Aufhebung des schulfreien Dienstags für die Springprozession Luxemburg gegen die Konvention zum Schutz des Weltkulturerbes verstößt.”

Außerdem habe sich die Regierung engagiert, alles zu tun, um das Unesco-Weltkulturerbe in Luxemburg zu fördern. Dazu gehöre auch die aktive Pflege der Tradition. Das könne durch einen nationalen Tag des Unesco-Weltkulturerbes passieren. Passend dazu schlägt der Antragsteller den Pfingstdienstag als ein Datum für einen solchen nationalen Feiertag vor.

Die Veröffentlichung der Petition zögert sich wegen des Tods von Camille Gira etwas hinaus. “Aus Respekt haben wir die Sitzung der Petitionskommission letzte Woche abgesagt”, erklärt Marco Schank (CSV), Präsident der Kommission. “Die Petition 1016 wird aber vermutlich am Dienstag angenommen und womöglich schon am Donnerstag freigeschaltet.”

Die Kritik von Erzbischof Hollerich 

Mit seiner Sorge um die Springprozession steht Jos Scheuer nicht alleine da. Auch Erzbischof Jean-Claude Hollerich ließ bei seiner Ansprache kein gutes Haar an der Entscheidung der Regierung. “Dies ist nicht nur äußerst bedauernswert, sondern eine Sauerei und ein klarer Verstoß gegen das Menschenrecht der Religionsfreiheit”, zitiert das Luxemburger Wort den Erzbischof. Außerdem betonte er, dass sich die Schüler zwar für die Springprozession freistellen könnten, doch das ginge nicht, wenn die Lehrer an dem Tag eine Prüfung vorgesehen hätten.

Indirekt wirft der Erzbischof der Regierung sogar vor, die Springprozession mutwillig abschaffen zu wollen. “In der Vergangenheit haben schon andere Mächte versucht, die Springprozession kaputt zu machen. Es ist ihnen nicht gelungen. Wir werden auch in Zukunft weiter am Pfingstdienstag springen”, wird Hollerich weiter zitiert.

Die Reaktion des Bildungsministeriums

Nicht besonders erfreut über die erneute Diskussion über ein eigentlich schon abgeschlossen geglaubtes Dossier zeigt sich das Bildungsministerium. Die Pressesprecherin Myriam Bamberg verweist auf die Argumentation von Bildungsminister Claude Meisch von 2017, als er in einer parlamentarischen Antwort die Entscheidung begründet. Darin betont Meisch die Wichtigkeit der Tradition und sichert dieser seine Unterstützung zu.

Es sei jedem Schüler erlaubt, wegen der Springprozession am Pfingstdienstag im Vorfeld eine Entschuldigung der Eltern einzureichen und dem Unterricht fernzubleiben. Das beschränke sich nicht nur auf aktive Teilnehmer oder Musiker, sondern auch auf jene, die sich die Prozession ansehen möchten. Außerdem betont der Bildungsminister in der parlamentarischen Antwort, dass ein schulfreier Tag an religiösen Festen oder kulturellen Ereignissen die Besucherzahl nicht erhöhe – das “zeigt die Erfahrung”. Dort sieht der Minister eher die Veranstalter in der Pflicht, die durch gezielte Informations- und Nachwuchsarbeit die Kinder und Schüler für eine Teilnahme motivieren sollen.

Schulfrei für das ganze Land soll es 2019 nicht mehr geben. “Das ist nicht mehr zeitgemäß”, sagte Bamberg schon 2017 in einem Gespräch mit dem Tageblatt. Auch bei den vergangenen Pfingstdienstagen, die nicht in den Ferien lagen, hatten die Schulen geöffnet. “Die meisten Eltern arbeiten ja – es musste also immer eine Aufsicht für die Schüler organisiert werden”, erklärte Bamberg weiter.

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Alles nur Polemik?

Wären denn Schüler, die sich für die Springprozession freistellen lassen, tatsächlich benachteiligt, so wie es der Erzbischof in seiner Ansprache betont? Das Bildungsministerium weist die Kritik scharf zurück. Am Pfingstdienstag 2019 darf in keiner Schule wichtiges Unterrichtsmaterial gepaukt werden. “Die Schüler dürfen nicht bestraft werden, wenn sie zur Prozession gehen”, heißt es von Myriam Bamberg. Im Wortlaut die gleiche Antwort, die sie auch schon bei der Diskussion im letzten Jahr gab.

Außerdem gehe es ja nicht um jeden Pfingstdienstag. “Es kommt nur alle fünf Jahre vor, dass der Tag der Springprozession nicht in die Pfingstferien fällt”, erklärt Bamberg. Die Handhabung des Pfingstdienstags 2019 sei die gleiche, die man schon seit Jahren bei der Oktav pflege.

Auch Patrick Arendt, Präsident der Lehrergewerkschaft SEW, hält die aktuelle Diskussion für unnötig. “Es ist jetzt nicht der Moment, das wieder einzuführen”, meint Arendt. Er erwartet nicht, dass viele Schüler das Angebot, sich freizustellen, annehmen werden, weil das Interesse bei ihnen fehle: “Auch bei der Oktav haben wir nur ganz wenige Fälle von Schülern, die sich entschuldigen lassen. Aber wenn es passiert, dann planen wir als Lehrer das natürlich ein. Wir legen da keinem Steine in den Weg.”

Den Vorwurf, die Schüler könnten wegen Prüfungen nicht an der Springprozession teilnehmen, schmettert Arendt ab: “Das ist einfach nur Polemik.” Im unwahrscheinlichen Fall, dass dennoch am Pfingstdienstag Prüfungen geplant seien, sich aber Schüler für den Tag abmelden wollen, würden die Prüfungen einfach verlegt, “wir sind da ganz praktisch”.

17 Kommentare

  1. De Bëschof hätt besser sech ëm d’Onruehen an den eegenen Reien, an de Kierchefabricken hir Verméigen ze këmmeren, domadder huet en genuch ze dinn…..

  2. Fürchtet der ehrenwerte Herr Scheuer das Aussterben dieses Hexentanzes der “Gläubigen”??? Die Wissenden (bzw. Atheisten, usw….) sind nicht empfänglich für diesen Veits-Tanz. Er bangt wohl um die Kirmesbesucher und die entgangenen Einnahmen, oder?

  3. Et gett alt erem mat zweerlee Mooss geschafft a kee weess wat deen anere mecht. Virun e puer Joer koum en Circulaire vum MEN an d Schoulen wou drastung, dass d Schoulpersonal de muslemesche Kanner ka frai ginn wann si d Enn vun hirem Ramadan feieren, dat ass jo dann e reng reliest Fest. D Sprangpressessioun ass an deem Senn um selwechten Plang ze gesin ,( ofgesin dovun dass si Unesco ass), an et miist dann och do datselwecht gellen fir all dei betraffe Schoulkanner . Ech well nach drop hi weisen,dass mer jo nach aner Reliounen hei am Land hun mat hiren Traditiounen . Et ass wierklech un der Zait fir dat ee fir allemol kloer ze stellen an virun allem emol eng richteg Haltung ze hun. Perseinlech fannen ech, dass den MEN dat soll kloer stellen well et betrefft jo haaptsaechlech d Schoulsituatioun, dei Erwuesse Leit kenne sech Conge huelen fir hier Feierdeeg. De Ministere kann dat jo maachen an Zesummenaarbecht mat de relieise Gemeinschaften , da waer et fir jiddereen geklaert.

  4. jJidderengem 30 Deeg Congé, an all di Reliei’ss Fei’erdeeg oofschaafen.
    Da kann Jenny an Menni Congé huelen wann en ob so’u eng Veranstaltung wellt goen !

  5. Der Jesuit täte gut daran sich der”Sauereien” seines Vereines während der letzten 1700 Jahre zu widmen und diese in Erinnerung zu bringen. Wenn Solche Leute von Freiheit und Menschenrechten reden dann ist das schon eine Anmaßung ersten Ranges.

  6. Alle Jahre wieder dieses Geheule, wer will kann ja mit machen, die Schüler die mitmachen wollen müssen sich doch nur wegen der Schulpflicht, für den Tag abmelden. Das wird man als gläubiger ja noch hin kriegen. Die anderen Kinder lernen in dieser Zeit was anderes.

  7. Als Léierin zanter bal 30 Joër am Dingscht, hat ech nach NIE e Schüler dén mat enger Excuse winst Sprangprezessioun gefeelt huet, et huet och nach nie een dono an der Schoul erzielt e wär do gewiescht… Dovun ofgesinn ass an der Pëngschtvakanz och den Dënsdeg souwisou fräi. Ech krut awer eemol z.B. eng Excuse, t’ Kand wär ” à la finale de la coupe du monde” gewierscht…

  8. bei 600000 Awunner am Ländchen an just 1000 meeschtens erwuessen Leit déi do hopsen, ass t’Probabilitétit datt puer % Primärschoulkanner do matthopsen, souwisou an der Schoulvakanz!, minimal. De MEN kann dat jo mol ausrechnen… Huet déi kathoulesch Kierch soss keng Problémer, ech soën nëmmen Pädophil Pafen…?

  9. Dat ganz Diskussioun kënnt dovun, dat all puer Joër d’Péngschtvakanz an déi Woch viru Péngschte faellt an doduerch de Péngschtdénschdeg net fräi ass. Di Regelung ass agefouert gi, well soss Schoul-Trimesteren net equilibréiert wieren, wat nët gudd fir d’Schüler ass.

    Dem Haer Hollerich seng Aussoo ass an daer Hinsicht puer Polemik, well an dem Fall de Péngschtdénschdeg den éischten Daag no enger Vakanz ass, wou per Reglement keng Prüfung daerf gemach gin. An en Enseignant och keng keng machen.

    Wéi de Robert Krieps als Edukatiounsminister e fixe Schoulrhythmus agefouert hat, ouni sech un de Kierchekalenner ze haalen (6 Woche Schoul, eng Woch Vakanz, 6 Woche Schoul, 2 Woche Vakanz, asw) war et och e grousst Gejäiz am Bistum gin, well doduerch, oh Sakrileg, Ouschteren a Péngschten meescht ausserhalb vu Vaknze gefall wieren. Den nofolgenden iechternacher Minister huet dat séier réckgängech gemaach. Seng eenzeg Reform!

  10. einfach nemmen gottlos Kommentaren hai.Irgendwann wärten se erem zum Glawen zereckfannen…wann schwe’er Zeiten kommen…well dann get lamente’ert a gesouert.

    • Ach Schwester Therese,
      Zahllos wie die Sandkörner in der Wüste sind die Kinder Gottes, die ihres Glaubens an den guten, barmherzigen Vater im Himmel verlustig gingen, weil dieser, ausgerechnet in den Augenblicken, wo sie seiner am meisten bedurft hätten – in den Augenblicken von Elend und Not – ganz einfach abwesend und stumm blieb und sie mit ihrem Leid und ihren Sorgen gnadenlos im Stich ließ.

  11. Jos hat Recht. Dieser heidnische Brauch sollte,wie auch Halloween,in das Weltkulturerbe der Unesco aufgenommen werden. Der Lourdes-Effekt sollte auch für Echternach gelten,das heißt,gute Geschäfte mit dem Glauben. Als Touristenattraktion ist die Springprozession eine kapital wichtige Angelegenheit für das Städtchen Echternach und Luxemburg lebt vom Tourismus. Ob dafür aber die Schüler freigestellt werden sollten ist nicht offensichtlich,allerdings wer hält dann die Kurse ab,denn es gibt ja eine Lehrer-Riege welche als Startruppe mithüpft? Umgekehrt werden die Schüler auch nicht dümmer wenn der Schulbetrieb einen Morgen ruht und sie würden die Wutpredigt des Erzhollerich verpassen.

  12. Herr Hollerich, es verstößt gegen keine Menschenrechte, wenn die Springprozession nächstes Jahr außerhalb der Schulferien stattfindet. Der schulfreie Pfingstdienstag war ein Privileg. Religionsfreiheit bedeutet, dass man seine Religion ausüben darf, ohne andere zu beeinträchtigen; es bedeutet nicht, dass man Privilegien fordern kann. Es darf nicht akzeptiert werden, dass ein religiöses Fest, egal welcher Religion, die Schulorganisation eines zivilen Staates stört.

  13. Der “Schulbetrieb ruht” ruht sowieso an Pfingstdienstag, wegen Pfingstferien die ganze Woche! Bitte ministeriellen Schulkalender konsultieren vor Losschreien. Und Gesetze konsultieren über Trennung von Kirche und Staat…

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