In Lothringen und Luxemburg verlief der erste von 36 Streiktagen eher entspannt. 20 Züge von Metz nach Luxemburg, 20 Züge zurück nach Metz. Normalerweise sind es 55 in jede Richtung. Aber: Die Züge wurden so eingesetzt, dass sie “pendlerfreundlich” fuhren. Auch im Elsass fuhren die Züge zwischen Straßburg und Offenburg so, dass die Grenzgänger zu ihrer Arbeit kamen. Auf der Autobahn von Metz nach Luxemburg herrschte morgens um acht dichter Verkehr, aber nicht dichter als üblich. Die Fahrzeit betrug eine Stunde: Normalzustand.

Was in Lothringen und Luxemburg ein “geordneter” Streik war, stellte sich in Paris und anderen Regionen ganz anders dar. Die Halbinsel Cotentin war abgeschnitten. Kein Zug aus der Bucht des Mont-Saint-Michel, kein Zug von den Küstenstädten der Halbinsel. Städte wie die Regionalhauptstadt Caen oder Rouen hängen mit Zügen zweifelhafter Qualität von Paris ab. Fährt kein Zug, darf man maximal auf Flixbus hoffen. Das Unternehmen war ausgebucht und verzeichnete am ersten Streiktag eine Zunahme der Buchungen um 60 Prozent. Dafür standen die Busse dann in einem der 400 Kilometer langen Staus rund um Paris.

In der “Gare de Lyon” fiel ein Fahrgast vom Bahnsteig auf die Gleise. Andere liefen über die Gleise, um zu einem der wenigen Züge zu kommen und einen Platz zu ergattern. Der Andrang war so stark, die Züge dermaßen überfüllt, dass die Polizei Fahrgäste wieder herausholen musste. Es hätten sich Passagiere am Rande der Ohnmacht befunden, erzählten die, die glücklich angekommen waren. Das Eisenbahnunternehmen zählte am Nachmittag zwei Verletzte in dem Gerangel um die Zugplätze.

Durch das Fenster in den Zug

Am Nachmittag und am Abend ging das Chaos weiter. Die streikenden Eisenbahner zogen von Bahnhof zu Bahnhof, schwangen Fahnen, pusteten in ihre Tröten und ließen Böller explodieren. Das Ganze allerdings moderat. Die Lösung hieß, die eh schon entnervten Passagiere nicht unnötig aufzuregen. Allerdings gab es auf den Bahnsteigen Bilder, die man nicht unbedingt sehen muss.

Beim Kampf um die Züge übertönten zunehmend weinende und schreiende Kinder die Geräusche. Sie wurden zum Teil durch die Zugfenster in die Abteile hineingereicht. Aber auch Erwachsene stiegen durch die Fenster in die Züge. Hatte es am Morgen noch geheißen, dass man froh war, überhaupt zur Arbeit gekommen zu sein, hieß es am Abend, um den Zugplatz zu kämpfen, mit dem man wieder nach Hause kommen konnte.

Grenzgänger sollen wieder nach Hause kommen

Die SNCF zählte am ersten Streiktag eine Beteiligung von 34 Prozent. Das ist weniger als am 22. März, der als Tag der Eisenbahner warnen sollte. Allerdings streikten vor allem die strategischen Berufsgruppen. Bei den Zugführern waren es 77, bei den Kontrolleuren 69 und bei den Weichenstellern 39 Prozent. Das reichte, um den Betrieb in ausreichender Weise lahmzulegen und diejenigen von der Arbeit abzuhalten, die arbeiten wollten.

Am Mittwoch herrscht in Luxemburg und in Lothringen die gleiche Situation, sagte eine Sprecherin der SNCF gegenüber dem Tageblatt. Es wird einen TGV von und nach Luxemburg geben. Von und nach Metz fahren zwei. Der Zug von Luxemburg nach Straßburg fällt weiter aus. Von Metz/Thionville fahren 20 Züge nach Luxemburg. Von Luxemburg fahren die Züge zu diesen Zeiten nach Metz: 5.16, 5.46, 7.39, 8.16, 8.39, 9.39, 10.39, 13.39, 14.39, 17.16, 17.39, 18.39, 19.09 und 20.09 Uhr.

Die Eisenbahner nehmen damit Rücksicht auf die Arbeitszeiten der Grenzgänger. Die Züge werden so eingesetzt, dass die Grenzgänger auch wieder nach Hause kommen. Insgesamt ist auch am Mittwoch die Region Grand Est mit ihren gut 400.000 Grenzgängern, die nach Belgien, Luxemburg, Rheinland-Pfalz, Baden-Württemberg, ins Saarland oder in die Schweiz müssen, die Region, die vom Streik am wenigsten betroffen ist.

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