Am Montag hat die Regierung ihren Gesetzentwurf über die Renovierung und die Erweiterung des Hauptbahnhofes in Luxemburg-Stadt in die Abgeordnetenkammer eingebracht. Dafür veranschlagt sind 171 Millionen Euro. In dieser Summe nicht inbegriffen ist der Kauf von Grundstücken, die an den Bahnhof angrenzen und für den Ausbau benötigt werden.

Es wird lange dauern, bis die Arbeiten am Bahnhof abgeschlossen sind. Nach und nach wird der Bahnhof wachsen. Die Gesetzesvorlage sieht einen Plan vor, der bis ins Jahr 2024 reicht. Wie ist der Status quo? Das Luxemburger Bahnnetz ist sternförmig angelegt. Alle Stränge laufen im Zentrum am Hauptbahnhof von Luxemburg-Stadt zusammen. Dem Bahnhof kommt damit eine herausragende Bedeutung im nationalen und internationalen Schienenverkehr zu.

Dies bringt auch mit sich, dass jede kleinste Änderung am Bahnnetz oder den Fahrplänen sich unmittelbar auf den Betrieb der “Gare centrale” auswirkt. Die vier Bahnsteige des Bahnhofs sind heute über eine provisorische Fußgängerbrücke und über zwei Unterführungen zu erreichen, durch die sich jeden Morgen und Abend Arbeiter, Grenzgänger, Schüler und Touristen schieben. Die Regierung schreibt in ihrer Gesetzesvorlage: “In puncto Auslastung ist der Luxemburger Bahnhof heute an den Stoßzeiten gesättigt.” Im Klartext: Mehr Passagiere und Züge verkraftet der Bahnhof, so wie er jetzt ist, einfach nicht.

Zwei neue Bahnsteige sollen entstehen

Insbesondere für Menschen mit eingeschränkter Beweglichkeit ist die Situation derzeit alles andere als optimal. Die Fußgängerbrücke hat lediglich an beiden Enden Aufzüge (sodass man sie nehmen kann, um vom Bahnhofsviertel nach Bonneweg und umgekehrt zu gelangen), zu den Bahnsteigen führen allerdings nur Treppen. Wer auf den Aufzug angewiesen ist, muss sich in die südliche Unterführung begeben, wo Aufzüge zur Verfügung stehen. Durch die Maßnahmen sollen nun vor allem zwei neue Bahnsteige entstehen. Ein erster, Bahnsteig V, bis 2019 und ein zweiter, Bahnsteig VI, bis 2021. Ein Bild von dem Ausmaß der Erweiterung können Reisende derzeit schon bekommen.

Ende letzten Jahres wurden dort, wo die zwei Bahnsteige entstehen werden, die frühenen Werkstätten der CFL abgerissen. Zwar lässt das Geröllfeld, das die Bagger zurückgelassen haben, noch nicht erahnen, wie der “neue” Bahnhof einmal aussehen wird, jedoch verschafft die Brache einen Eindruck für die Fläche, die hier neu genutzt wird. Beide Bahnsteige sollen 10,10 Meter breit werden. Der eine 311 Meter lang und der andere 253 Meter. Gleichzeitig sollen die Unterführungen verlängert werden, damit die neuen Bahnsteige unterirdisch erreicht werden können (der Architekturstil der Unterführungen soll dabei erhalten bleiben).

171 Millionen Euro 

Eine neue ansehnliche Fußgängerbrücke soll das bisherige Provisorium ersetzen. Neben den Treppen zu den Bahnsteigen soll es mit der neuen Fußgängerbrücke nun auch Aufzüge geben, über die zum Beispiel Rollstuhlfahrer zum Zug gelangen können. Eine kreative Herausforderung an die Planer stellt der Stil-Mix der Überdachung dar. Bahnsteige eins bis drei wurden zwischen 2005 und 2012 erneuert und haben eine neue Überdachung erhalten. Das Dach von Bahnsteig vier blieb allerdings bestehen. Die neuen Bahnsteigen sollen eine Überdachung in diesem Stil erhalten.

Der neuen Fußgängerbrücke, die quer über alle Bahnsteige reicht, muss es also gelingen, beide Stile zu verbinden. Der Gesetzentwurf sieht für die Maßnahmen geschätzte 171 Millionen Euro vor, davon 8,1 Millionen die speziell für “Verschiedenes und Unvorhergesehenes” eingeplant sind.

Der Bau zwei neuer Bahnsteige bringt mit sich, dass neue Gleise an das Netz angeschlossen werden müssen. Diese Arbeiten gehen weit über das Gebiet des Bahnhofs hinaus. Im Süden wird der Wirkungsbereich der Arbeiten bis nach Howald reichen und im Norden bis zum Viaduc Pulvermühle. Die Bahn wird in Luxemburg rege genutzt. Zuletzt wurde immer deutlicher, dass das Schienennetz in Luxemburg vollständig ausgelastet ist. Laut Transportministerium wurden zwischen 2005 und 2015 60 Prozent mehr Fahrgäste gezählt.

1 Kommentar

  1. Hmm… 2024? Zu langsam. Viel zu langsam. Laut Ministerium soll die erste Linie der Tram bis 2021 bereits fertig sein, vor allem die Strecke bis zum Hauptbahnhof dürfte dann bereits stehen. Auch wenn die Haltestellen auf Howald und in Pfaffenthal die Probleme etwas entspannen dürften, ist so oder so dennoch von einer weiteren Steigerung des Passagieraufkommens via Eisenbahn zu erwarten. Selbst mit den jetzt geplanten weiteren Bahnsteigen und einem größeren Gleisvorfeld dürfte es dann immer noch knapp werden. “Plein comme un oeuf”, wie der Franzose sagt.

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