Entnervte Fahrer und wütende Buspassgiere: Neben zahlreichen kleinen Baustellen sind es vor allem die Arbeiten an der Tramtrasse sowie die Großbaustelle in der Hollericher Straße, die den Verkehr in der Stadt zu einem Horrortrip machen. Die Reorganisation der Buslinien brachte zusätzliches Chaos. Die gute Nachricht: Die Arbeiten in der rue de Hollerich dürften einige Monate früher als geplant abgeschlossen sein.

Täglich fahren um die 200.000 Autos in die Hauptstadt, etliche tun das über Hollerich, wo zurzeit eine der größten Baustellen der Stadt den Autofahrern das Leben erschwert. Zwischen der rue Wenceslas 1er und der route d’Esch werden Sanierungsarbeiten im großen Stil durchgeführt: Erneuerung der Wasser- und Gasleitungen, der öffentlichen Beleuchtung, des Glasfasernetzes, um nur einige zu nennen.

Laut Romain Breuer, Baustellenkoordinator der Gemeinde Luxemburg, kommen die Arbeiten allerdings so gut voran, dass sie anstatt wie ursprünglich geplant im Dezember 2020 bereits im Juli 2020 abgeschlossen werden können, vorausgesetzt, dass nicht ein zu harter Winter dem Ganzen einen Strich durch die Rechnung macht. Zwischen der Hollericher Kirche und der rue JeanBaptiste Merkels seien die Sanierungsarbeiten quasi abgeschlossen, es fehle nur noch der neue Belag. Der werde im Frühjahr aufgetragen.

Arbeiten bei Nacht

In dem Abschnitt zwischen der rue J.-B. Merkels und der rue Wenceslas 1er (wo sich die Steuerbehörde befindet) sind die Arbeiten auf der Seite mit den geraden Hausnummern fertig.

Gearbeitet wird noch am Mittelstreifen, wo die Gasleitungen ersetzt werden. Sobald diese Arbeiten abgeschlossen sind, werde man auf der anderen Straßenseite mit den Sanierungsarbeiten beginnen. Diese werden nachts durchgeführt: Da schwere Lkws die Leitungen heranschaffen, muss eine Fahrbahn für den Verkehr gesperrt werden. Das sei aber nur nachts möglich, da tagsüber wegen des heftigen Verkehrs zwei Fahrbahnen offen bleiben müssen. Nachts wird der Verkehr in Richtung Bahnhof durch die rue de Strasbourg umgeleitet.

Reorganisation löst Chaos aus

Die Straßburger Straße mündet in die „Nei Avenue“, und an dieser Kreuzung sind schon zu normalen Verkehrszeiten Nerven wie Drahtseile von großem Nutzen. Momentan ist es dort wegen des eingeschränkten Verkehrs in der Avenue de la Liberté noch beschwerlicher. Hinzu kommt, dass wegen der Arbeiten an der Tramtrasse eine Reorganisation der Buslinien notwendig wurde, die nun zusätzlich die Durchfahrt durch die „Al Avenue“ verhindert. Diese Reorganisation, die vorige Woche in Kraft trat, brachte viele Verkehrsteilnehmer an den Rand eines Nervenzusammenbruchs. Die Verspätungen der ersten Tage waren phänomenal: Die Rede ging nicht von Minuten, sondern von Stunden.

Dass es am ersten Tag Probleme geben würde, damit hatte man in der Stadtverwaltung gerechnet, sagt Patrick Goldschmidt, der für den Verkehr zuständige Schöffe. Dass es aber zu einem Chaos dieses Ausmaßes gekommen sei, habe doch jeden überrascht. Man hatte schnell zwei Hauptprobleme so weit wie möglich behoben. Erstens hielten sich viele Autofahrer nicht an die neuen Verkehrsregelungen. Die aufgestellten Schilder seien vielleicht zu klein gewesen, um bemerkt zu werden. Auf Anordnung der Bürgermeisterin seien größere Verbotsschilder an den Kreuzungen rue Origer/Al Avenue und der place Wallis aufgestellt worden.

Schlecht eingestellte Ampeln

Zusätzlich stehen dort seit vergangenem Mittwoch Beamte, um Fahrer davon abzuhalten, in die Avenue de la Gare zu fahren. Dabei wechseln sich Polizisten mit Gemeindebeamten ab. Die Durchfahrt der Al Avenue ist nur Anwohnern, Lieferanten und Bussen gestattet. Apropos Busse: Nicht alle Linienbusse, die durch die Avenue de la Gare fahren, halten auch dort. Das werde aber vielleicht noch geändert, sagt Goldschmidt.

Wie sich herausstellte, wurde zwar das Chaos in der Avenue de la Gare auf diese Weise erfolgreich bekämpft (der Busverkehr fährt dort nun reibungslos), doch dann staute es an der Rocade de Bonnevoie: Die Ampeln an der Avenue Charles de Gaulle blieben nur wenige Sekunden auf Grün, sodass nur sehr wenige Busse auf einmal auf den Boulevard d’Avranches fahren konnten.

Streit um Vorfahrt

Das Problem mit Ampeln, die nicht an die neuen Verkehrsbedingungen in der Stadt angepasst sind, besteht noch an anderen Stellen, zum Beispiel an der Ausfahrt des Parkhauses Hamilius in die Avenue Emile Reuter. Nicht nur, dass es nur eine einzige Ausfahrt aus diesem Parkhaus gibt, auch müssen sich die Fahrer, die zu den Spitzenstunden von dort weg wollen, mit denjenigen Fahrern um die Vorfahrt „streiten“, die vom Boulevard Prince Henri kommen.

Es werde in naher Zukunft wohl noch zu einigen Änderungen kommen, auch was den Busdienst betreffe. So habe man schon nach kurzer Zeit einsehen müssen, dass der erst kürzlich geschaffene Gratis-Shuttle „Gare“, der nur im Bahnhofsviertel zirkuliert (Gare Quai 7, Al Avenue Quai 1, Fortuna, Spuerkeess, Paris-Zitha Al Avenue Quai 2), doch nicht so nützlich sei wie anfangs gedacht.

Problemfall RGTR

Die regionalen Busse dürften wohl am meisten von den Änderungen der Buslinien betroffen sein. Mehrere Randgemeinden protestierten schon, weil ihre Bewohner nicht mehr direkt bis ins Zentrum der Stadt kämen. Um den Bahnhofsplatz und die Avenue de la Gare zu entlasten, wurden die Haltestellen des Eurobusses (Linien 144, 172, 192, 194, 195) in die Rocade de Bonnevoie verlegt. Diese sind vom Bahnhof aus über die schmale Fußgängerbrücke Richtung Bonneweg zu erreichen. Busse in Richtung Stadtzentrum und Kirchberg halten an der Haltestelle Rocade 3, die in Richtung Hesperingen und weiter an der Rocade 4.

Dass die Bewohner aus diesen Gebieten nicht ganz froh über die Umstellung sind, kann Goldschmidt gut nachvollziehen. Erklärtes Ziel der Gemeinde ist es, jeglichen Regionalverkehr aus der Stadt zu verbannen. Deswegen würden aber RGTR-Busbahnhöfe in der Peripherie benötigt, wo die Fahrgäste auf die städtischen Linien umsteigen können, um ins Stadtzentrum zu gelangen. Doch das sei leider nicht für morgen.

Parkhaus Neipperg

Auf Anfrage des hauptstädtischen Geschäftsverbandes hat die Gemeinde Luxemburg den Geschäftsleuten des Bahnhofsviertels 20.000 Gratisparkstunden im neu eröffneten Parkhaus Neipperg angeboten. Die Verteilung dieser Offerte scheint allerdings Probleme zu bereiten. Laut Schöffe Patrick Goldschmidt soll sich der Geschäftsverband darum kümmern. Die einzige Forderung der Stadt sei, dass nicht nur die Mitglieder des Geschäftsverbandes in den Genuss dieser freien Parkzeiten kommen, sondern auch Unternehmen, die nicht dem Geschäftsverband angehören. Der Präsident der „Union commerciale de la ville de Luxembourg“, Guill Kaempff, sieht das anders. Der Geschäftsverband habe nicht die Möglichkeit, um von Laden zu Laden zu gehen und Scheine fürs Gratisparken zu verteilen. Das sei Aufgabe der Gemeinde. Laut Goldschmidt sei die Stadt dabei, zusätzliche Gratis-Parkstunden auszuloten. Das Angebot der 20.000 Gratisstunden bleibe aber weiter bestehen, auch wenn das in Anbetracht der Anzahl der Geschäfte nicht unbedingt viele seien.

17 Kommentare

  1. Ich bedaure von ganzem Herzen alle Zwangsbeteiligten (Anwohner, Geschäftsleute, Arbeitnehmer, Kunden, Ärzte, Patienten, Chauffeuren), die ungefragt und unfreiwillig diesem Inferno tagtäglich, unwissend wie lange es dauert, ausgesetzt sind!!! Ist eine Tram das wirklich wert? Eine Schnapsidee, die ihresgleichen sucht und die glorreichen Ausbrüter derselben mit Sicherheit dieses bombastische Chaos nur aus Zeitungsartikeln kennen. Größenwahn und sonst nichts…

    • Weist mir een eenzegen, dee fräiwelleg, ouni onbedingt ze mussen, an d’Staad fiert, weder mamm Auto, nach mamm Zuch, nach mamm Tram, a scho guer net mamm Bus. De kritt jiddefalls den éischte Präis op engem Masochiste-Concours.

  2. Jahrelang waren die Ampeln am Ende der Avenue de la Gare nur sekundenweise auf grün geschaltet. Absichtlich um die Autofahrer daran zu hindern hier durch zu fahren. Und keiner hatte das gemerkt bis das sich die Busse stauten. Was ist das für eine Planung ???

  3. Et muss een sech virstellen, deen Chantier TRAM zitt sech elo vun der Staereplatz, nemmen ennerbrach vum Pont Adolf, bis ob d’Gare. Hei haett sollen mei’ an Etappen geschaft ginn.

    Di Emgehung vun Klierf, dei’ iwert onbewunntem Land gebaut get, dei’ get an 4 obeneen folgend Submissio’unen gedeelt an dauert 7 Johr !

    Onverstaendlech Decisio’unen !

    Ech hoffen dass de Wiehler daat, di naichste Kei’er an der Wahlkabinn net vergiess huet !

    • “Di Emgehung vun Klierf, dei’ iwert onbewunntem Land gebaut get, dei’ get an 4 obeneen folgend Submissio’unen gedeelt an dauert 7 Johr !”

      Hei an der Stad brauch de Buergermeeschter keen Terrain ze kafen, d’Strooss ass seng.
      Do uawe muss all Hobbybauer weisen dass hien och een ass, dat dauert eben.

  4. Also einige Kommentare hier… Die langfristige Planung steht hier im Fokus! Würden PKW’s mit 2-3 Personen/Auto pro Fahhrt im Schnitt besetzt sein anstatt den 1, x <=5 Personen/Auto, würde man gleich die Hälfte an räumlicher Ausdehnung entlang des Fortbewegungsvektors einsparen. Die Staus wären dementsprechhend kürzer.
    Besser fände ich diese Passagen nur für den ÖV und Einwohner frei zu geben, dann müsste man improvisieren als Autofahrer (bspw. Öffis? P+R?).
    Alle Fehlplanungsheuler sollen sich mal eine Simulation genauer anschauen. Ich weiss von was ich rede, arbeite seit einigen Jahren im Ausland an einem international renomierten Forschungsinstitut im Bereich Verkehrssysteme und Verkehrsnachfragemodellierung.
    Ich habe für meine Masterarbeit über 25.000 Simulationen durchgeführt um ein Modell zu trainieren. Und dabei war es eigentlich eine ganz simple Sache: erkennen von grünen Wellen aus niedrig aufgelösten, dynamischen Verkehrsdaten.
    Bei den Simulationen hatte eine Abweichung von bereits einer Sekunde (darunter nicht durchgerechnet) nach wenigen Minuten einen signifikanten Einfluss auf den Folgeverkehr und man konnte ganz schön sehen, wie es sich bei bereits 80% des maximal möglichen Durchflusses bzw. Sättigung nach hinten aufstaut. Natürlich sind Fahrzeugfolgemodelle abstrakt (wie modelliert man Reaktionszeit beim Menchen) und nicht perfekt. Was ich damit sagen will, man hätte auch nur erst einen kleinen Teilabschnitt absperren können. Der Durchfluss würde sich trotzdem nicht steigern und der Stau hätte sich nur verlagert, genauso wie ein leichter fehlerhafter Zeitversatz einer koordinierten Ampel. Es entsteht halt ein Nadelör.
    Nun kommt noch das Problem hinzu, dass es sich bei Luxemburgstadt um eine mittelalterliche Stadt handelt, welche genau da entstanden ist, wo es strategisch absolut sinnvoll ist. In der Literatur findet man auch den Ausdruck Gibraltar des Nordens. Auf diesem engen Raum entstehen auch nur enge Gassen, Auto gab es ja auch nicht.
    Das Ziel ist doch ganz simpel… Menschen von A nach B bringen, es entsteht eine Verkehrsnachfrage. Dafür gibt es nur begrenzte Kapazitäten, die man versuchen muss optimal auszunutzen und da ist halt das Auto mit niedrigem Besetzungsgrad in der Bilanz weit hinten. Interessant wäre mal eine Statistik, wieviel Ausdehung eines Staus man einsparen könnte, wenn man alle Personen aus Autos in Busse packen würde. Das Interessante, man kann viel mehr Personen auf engerem Raum durch eine Engstelle bewegen. My 2 cents…

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