Kann man, in einer angesichts der Sommerhitze relativ spärlich besuchten Nachmittagsvorstellung, einfach vom Sitz aufstehen und mit den Filmfiguren mittanzen? Diese Frage habe ich mir bei der Zweitauflage von “Mamma Mia” immer wieder gestellt. Ansonsten wirft die Aufbereitung der Erfolgsgeschichte mit Meryl Streep aus dem Jahr 2008 nicht viele Fragen auf. Der Film lässt sich ganz einfach genießen. Wie die Sommerferien.

“Here we go again”. Mit einer neuen Auflage des Erfolgsfilms “Mamma Mia”, der seinerzeit stattliche 600 Millionen Dollar eingespielt hatte, ist das Kinoprogramm im Sommer angekommen. Vergessen sind existenzielle Fragen, gesellschaftliche Probleme, politische Analysen, Biografien.

In “Mamma Mia! Here we go again” wird gesungen und getanzt, selbst auf die Gefahr hin, dass die Schauspieler das nicht unbedingt perfekt beherrschen. Doch auch das war bei all der dargestellten Unbeschwertheit kein Problem; das Drehbuch wurde einfach so geschrieben, dass es passte. Zum Beispiel mit einem sehr reduzierten Gesangspart für Pierce Brosnan alias Sam, einen der Väter von Sophie (Amanda Seyfried). Diese wiederum hat, nach einer Schwangerschaft, nur sehr wenige Tanzeinlagen, weil sie dafür noch nicht wieder in Form war. Die Tatsache, dass beim Casting überhaupt noch kein Drehbuch vorlag und einiges den Stars auf den Leib geschrieben wurde, ist eine der Schwächen des Remakes.

Doch der Reihe nach: Wir erinnern uns an die erste Auflage von “Mamma Mia”, in der Sophie geheiratet hatte. Dafür hatte sie ihre Mutter Donna – eine Meryl Streep, die sich mit dem Tanz- und Gesangsfilm selbst eine Freude machte – neben ihren drei möglichen Vätern Sam (Pierce Brosnan), Harry (Colin Firth) und Bill (Stellon Skarsgard) auf die Insel Kalokairi eingeladen.

Etwas verwirrend für Mamma Mia Neulinge

Das schöne Eiland ist noch immer ein Thema. Zu Ehren ihrer inzwischen verstorbenen Mutter hat Sophie aus ihrer Bleibe ein schönes Hotel gemacht. Zur Eröffnung kommen natürlich die drei Väter, aber auch die Jugendfreundinnen und Bandkolleginnen der Mutter, Rosie (Julie Walters) und Tanya (Christine Baranski). Alle zusammen leben sie auf der schönen Mittelmeerinsel nicht nur im Jetzt und Heute, sondern blicken immer wieder zurück auf die erste Geschichte.

Wer diese nicht gesehen hat, hat wahrscheinlich alle Mühe der Welt, um die Figuren und Geschehnisse auseinanderzuhalten. Zehn Jahre nach der Erstauflage wurde die nahezu komplette Originalcrew durch zahlreiche Neubesetzungen erweitert. Diese waren notwendig, um an die Erinnerungen anzuknüpfen. Dadurch sind diese nicht immer sehr übersichtlich und bringen den Zuschauer durcheinander. Es geht zum Teil von der Geschichte von 2008 die Rede; mit dem nach wie vor ungeklärten Rätsel um den biologischen Erzeuger von Sophie werden aber auch Episoden angesprochen, die weitere 25 Jahre zurückliegen.

Wenn man dann noch bedenkt, dass im amerikanischen Film alles perfekt und alle schön sein müssen, dann heißt es höllisch aufpassen, mit welcher Figur aus welchem Zeitraum man es gerade zu tun hat. Oder man macht es sich einfach und singt oder summt ungezwungen mit. Es ist zweifellos für eine Band wie Abba finanziell und prestigemäßig äußerst rentabel, ihre Songs in einer filmischen Wiederholung nochmals in Erinnerung zu bringen.

Spaß an der Freude

Bei der Ankündigung des Films wurde am Redaktionstisch der Kultur hinterfragt, ob das Kino Musicals braucht, um sein Angebot zu vervollständigen. Oder ob die Musicals eine filmische Ausgabe benötigen, um ein neues Publikum zu finden. Sind Musical und Kino zwei getrennte Ausdrucksformen oder kann man sie zusammenschlagen? Die Zweitauflage von “Mamma Mia” ist jedenfalls ein gelungener Beweis dafür, dass es funktioniert.

Denn es sind die bekannten Ohrwürmer, die unweigerlich dazu führen, dass man auf seinem Kinostuhl wippt, mit den Füßen klopft und am liebsten mitsingen würde. Wie gesagt, in einer Nachmittagsvorstellung ohne direkte Nachbarn wäre das auch kein größeres Problem. Es macht aus dem unübersichtlichen Remake einen sommerlichen Kinogenuss.

Trotz filmischer Lücken kann sich der Film auch an Kassenschlagern wie “La La Land” messen. Die Ballett- und Tanzeinlagen sind zwar nicht so spektakulär, dafür sind die einzelnen Figuren sorgfältiger gestaltet. Die Gastauftritte von Meryl Streep und Cher (in der Rolle von Sophies Großmutter) sind zwar sehr verschieden, aber doch jeweils ein Hingucker. Meryl Streep steht zu ihrem Alter.

Im Vergleich zur Erstauflage wollte sie im Remake nicht verblassen. Superstar Cher, in der bislang nicht vorhandenen Figur der Großmutter, ist nicht zuletzt in der Kombination von Schönheitschirurgie und visuellen Effekten interessant. Dass sie im richtigen Leben nur drei Jahre älter ist als Meryl Streep, ist ein weiterer Widerspruch in der Neuauflage von “Mamma Mia”. Aber man geht, wie gesagt, ja nicht dahin, um zu sinnieren und zu analysieren. Sondern einfach nur aus Spaß an der Freude.

“Mamma Mia: Here we go again” läuft im Kinepolis. Die Uhrzeiten finden Sie auf www.kinepolis.lu.

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