Die moderne Sicherheitstechnik muss blitzschnell reagieren, um Langfinger abzuschrecken. Dank Smartphones und Co. kann sie heute aber deutlich mehr als nur Krach machen, erfährt Daisy Schengen.

Es geht um mehr als durchwühlte Schränke und gestohlene Gegenstände: Ein Einbruch stellt einen massiven Eingriff in die Privatsphäre eines Menschen dar und hinterlässt psychische Belastungen bei den Opfern. Das mulmige Gefühl des Ausgeliefertseins, die Angst, dass es jederzeit wieder passieren kann, wird zum ständigen Begleiter.

Mit dem Beginn der dunklen Jahreszeit steigt auch die Zahl der Einbrüche. Was tun, um sich zu schützen? Alarmanlagen sind eine Möglichkeit, bestätigt Gilbert Reyland. Der Fachmann für Sicherheitstechnik ist Vorstandsmitglied der „Fédération du génie technique“ in Luxemburg.

Tageblatt: Herr Reyland, was muss eine gute Alarmanlage heute können?

Gilbert Reyland: Sie muss einen Einbrecher erkennen. Die Anlage schaltet sich ein, sobald sich ein unerwünschter Besucher Eintritt zu verschaffen versucht. Sohl ein akustischer als auch ein optischer Alarm werden ausgelöst.

Lassen sich Einbrecher von einer Alarmanlage abschrecken?

Ich denke, ja. Laut Statistiken der Polizei brechen Kriminelle eher dort ein, wo keine Alarmanlage angebracht ist. Einbrecher wollen nicht auffallen und haben nur wenig Zeit: Sie wollen schnell ins Haus und wieder weg sein. Dort, wo sich eine Alarmanlage befindet, ist das Risiko, Opfer eines Einbruchs zu werden, geringer. Vorausgesetzt sie ist eingeschaltet. Wenn jemand dann einzubrechen versucht, läuft er meistens abgeschreckt davon. Es kommt selten vor, dass jemand ins Hausinnere eindringt, wenn das Alarmsignal ertönt. Wenn doch, dann durchsuchen Einbrecher innerhalb nur weniger Minuten die Wohnung nach Wertsachen, bevor sie sich hastig aus dem Staub machen.

Sie sagen, ein Alarmsignal ist sowohl sichtbar als auch deutlich im und außerhalb des Hauses hörbar. Wie kann man sich das vorstellen?

Nachdem die Alarmanlage ausgelöst ist und sie binnen einer bestimmten Zeit nicht ausgeschaltet wird, ertönt ein lauter Signalton mit bis zu 120 Dezibel und ein oder mehrere Blitzlichter leuchten auf.

Der Eindringling bekommt einen großen Schreck …

Das ist der Sinn der Geräte. Sie sollen gleichzeitig den Einbrecher abschrecken und die Bewohner, die Nachbarschaft und die Öffentlichkeit warnen. Außerdem wird der Bewohner über mehrere Wege über den ungebetenen Besuch informiert: per SMS, Anruf und Sprach- oder Push-Benachrichtigungen auf dem Smartphone.

Wenn der Bewohner eine solche Nachricht erhält, befindet er sich meistens nicht im Haus. Wie kann er aus der Ferne darauf reagieren?

Mithilfe von spezialisierten Smartphone-Apps kann sich der Betroffene einen Überblick über die Lage vor Ort verschaffen oder, falls es sich dann doch nicht um einen Einbruch handelt, den Alarm aus der Ferne mit der Eingabe eines Codes ausschalten. Zusätzlich lassen sich die Alarmsignale an Familienmitglieder, Freunde, Nachbarn oder an eine Sicherheitsfirma weiterleiten. Die können dann im Notfall für den Bewohner vor Ort prüfen, ob alles in Ordnung ist. Nicht erlaubt ist, dass eine Privatperson den Notruf der Alarmanlage sofort an die Polizei weiterleitet. Öffentliche Einrichtungen wie Schulen und Rathäuser bilden hier eine Ausnahme.

Blicken wir ins Haus: Draußen tobt ein Lichtgewitter und das Sirenengeheul ist von Weitem zu hören. Welche Teile der Alarmanlage übernehmen im Inneren des Heims die Überwachung?

Hier kommen mehrere Elemente infrage. Eine Alarmanlage besteht in der Basisversion aus einer „Steuereinheit“ und mehreren Sensoren sowie einer Sirene mit oder ohne Leuchtelement. Die Art und Zusammensetzung hängen vom Sicherheitsbedürfnis des Kunden und natürlich von seinem Budget ab.

Eine Basisversion mit Sensoren, die Alarm schlägt, wenn ein ungebetener Gast ins Wohnzimmer gelangt, ist ebenso eine Option wie eine Alarmanlage mit eingeschalteter „Außenhaut“. Das ist eine Perimeterabsicherung, die greift, wenn die Bewohner zu Hause sind und jemand von außen ins Gebäude eindringen will. Auch im Innern lassen sich lautstarke Sirenen einbauen. Damit können Einbrecher schneller vertrieben können.

Bis der Bewohner selbst, ein Vertrauter oder die Sicherheitsfirma vor Ort eintreffen, um die Lage zu überprüfen …

So ist es. In der Regel, je nach Ort und Uhrzeit, geht das unterschiedlich schnell. In Luxemburg-Stadt, wo mehrere Sicherheitsunternehmen mit Mitarbeitern und Patrouillen präsent sind, treffen diese in fünf bis zehn Minuten ein, wenn es auf den Straßen nicht staut. Spielt sich das Szenario in einer abgelegeneren Gegend ab, kann es bis zu einer Stunde dauern, bis jemand nach dem Rechten schaut.

Qualität hat ihren Preis, eine Alarmanlage mit mehreren Funktionen und mehr Service auch. Wie teuer ist ein solcher Schutz heute?

Das lässt sich nicht pauschal beziffern. Der Preis für die Absicherung einer Villa mit mehreren Hundert Quadratmetern, mit Videoüberwachung und einer doppelten Absicherung in jedem Raum summiert sich schnell auf bis zu 15.000 Euro.

Und der Preis für ein durchschnittliches Haus in Luxemburg?

Kommt zur Alarmanlage noch Haustechnik dazu, beispielsweise die automatische Öffnung des Garagentors, die Installation von Feuermeldern und die Steuerung von Licht und Heizung über Smartphone, dann liegt man bei rund 3.000 bis 3.500 Euro. Im Verhältnis zu einem Neubau, in dem ein Badezimmer oder eine neue Küche mehrere Zehntausend Euro kosten, ist eine solche Investition nicht übermäßig groß.

Eine Basisversion für eine kleine Wohnung mit einer Steuereinheit, einer Tastatur zum An- und Ausschalten, einer Sirene innen und außen, einer Fernbedienung und ein paar Meldern ist ab etwa 1.500 Euro zu haben.

Nach oben sind keine Grenzen gesetzt. Als Faustregel gilt: Je mehr das System zu tun hat und je mehr Teile dafür benötigt werden, desto höher ist der Preis.

Nun geht es ans Montieren …

Eine professionell installierte Anlage nimmt nur einen Tag Arbeit in Anspruch. Der Schmutz durch die Arbeiten hält sich in Grenzen, da je nach Bedarf Elemente mit oder ohne Kabelführung eingesetzt werden.

In einem Neubau ist es möglich, die Kabelführung von vorneherein ins Gebäude zu integrieren. Kabelanlagen sind besser als Funk, denn die Leitung kann, im Gegensatz zu Funkwellen, nicht von außen gestört werden. Wird das Kabel durchgeschnitten, ertönt ein Signal, denn das System überwacht auch seine Einzelteile.

Allerdings werden die kabellosen Elemente der Alarmanlage wie beispielsweise Sensoren per Funk gesteuert. In ihrem Innern befindet sich außerdem eine Batterie, die eine begrenzte Lebensdauer hat.

Die beiden Technikvarianten – Kabel und Batterie – lassen sich gut miteinander kombinieren. Das ist insbesondere bei der Erneuerung bzw. Erweiterung von älteren Alarmsystemen von Vorteil. In solchen Fällen dient die bestehende Anlage als Basis, an die die neuen Sensoren und Steuerungsmöglichkeiten per App angegliedert werden. Dank der veränderten technologischen Möglichkeiten können wir sicherheitstechnisch viel mehr als noch vor zehn Jahren leisten.

Stichwort vernetztes Zuhause. Lässt sich die Alarmanlage darin integrieren?

Ja, sogar sehr gut. Über sogenannte Schnittstellen wie KNX – ein Standard für die Vernetzung im Eigenheim. Licht, Lüftung und Heizung können auf diesem Weg miteinander gesteuert werden und auch die Alarmanlage kann über diese Schnittstelle mit den anderen Gebäudetechnikakteuren interagieren. Dafür nutzen wir die bereits existierende Elektroinstallation. Wer keinen KNX-Standard zu Hause hat, da er teuer und aufwendig ist, kann sein Zuhause mithilfe eines Alarmsystems vernetzen und per App steuern. Damit entfallen eine separate Zentralsteuerung sowie aufwendige Kabelführung und ein Homeserver.

Bisher haben wir über Alarmsysteme im Eigenheim gesprochen. Was müssen Mieter beachten, wenn sie über die Anschaffung einer solchen Anlage nachdenken?

Zunächst ist es wichtig zu wissen, ob man Mieter oder Vermieter ist. Der Mieter muss mit dem Wohnungseigentümer klären, ob er überhaupt eine Anlage anbringen darf. Dafür müssen Löcher gebohrt und Teile an Wänden und Decken angeschraubt werden. Sensoren sind hingegen batteriebetrieben und funktionieren ohne Kabel, sodass sie bei einem Umzug problemlos mitgenommen werden können.

Ist man Eigentümer, dürfte eine Anlage in den eigenen vier Wänden kein Problem darstellen. Bringt man jedoch eine Sirene auf dem Balkon oder an die Außenfassade an, muss die Eigentümergemeinschaft bzw. der Hausverwalter informiert werden.

Welche Möglichkeiten gibt es noch, um den Schutz zu Hause zu verbessern?

Heute lassen sich die Alarmsysteme zum Schutz der Bewohner und des Hauses um Feuer-, Gas- und Kohlenmonoxiddetektoren erweitern. Außerdem sind die Bilder, die mit den Kameras einer Anlage aufgenommen werden, die ausschließlich die eigenen vier Wände überwacht, polizeilich bzw. vor Gericht verwertbar – unter der Bedingung, dass keine öffentlichen Räume gefilmt werden.

Im professionellen Bereich, etwa zum Schutz von Tankstellen, Juweliergeschäften oder Zigarettenlagern, werden zusätzlich starke Rauchmaschinen eingesetzt. Kommen sie zum Einsatz, sieht man innerhalb von wenigen Sekunden die eigene Hand vor den Augen nicht mehr. Wo man nichts sieht, kann man auch nichts klauen. Zusätzlich schießt der Stressfaktor in die Höhe, wenn sich eine riesige Rauchwolke auf einen zubewegt.

Das Ganze lässt sich noch steigern, wenn zum Rauch die Lichteffekte eines Stroboskops hinzukommen. Das Gerät schickt unzählige Blitze in Richtung der Eindringlinge, sodass diese vorübergehend die Orientierung verlieren.

Ein komplexer Schutz, der im Privaten weniger zum Tragen kommt, allein aus Budgetgründen. Manche Menschen wollen für Sicherheit wenig Geld ausgeben oder selbst daran arbeiten. Im Netz oder im Baumarkt lassen sich für kleines Geld nachrüstbare Sicherheitsmechanismen kaufen. Was halten Sie als Profi davon?

Ich kenne das Sortiment im Baumarktregal nicht. Viele Hersteller bieten neben Geräten für den professionellen Gebrauch auch solche für Privatpersonen an. Ob im Sanitär- oder Elektrikerbereich – dabei handelt es sich nicht um die gleichen Produkte mit der gleichen Qualität. Oft werden für den Hobbybereich Waren angeboten, die der Hersteller zuvor im Profisegment verkauft hatte. Die Handwerksbetriebe bekommen hingegen seine neuesten Produkte.

Ein weiterer Punkt, der im Netz nicht verfügbar ist, ist die fachliche Beratung. Ganze Sicherheitssysteme lassen sich per Mausklick im Internet kaufen. Wer sagt, dass das System dem persönlichen Bedarf entspricht? Wer kümmert sich um Installation, Programmierung und Wartung und wer weiß, welche Teile der Anlage wie zusammenpassen?

Selbst handwerklich tätig zu werden, empfiehlt sich nur für technisch versierte Menschen. Ob es günstiger wird, kann ich nicht einschätzen. Wer kein Techniker oder Informatiker ist, sollte sich vom Fachmann, der täglich mit den Systemen arbeitet, beraten lassen. Denn Alarmanlagen, Kameras und Tresore haben eines gemeinsam: Sind sie vorhanden, ist das Sicherheitsbedürfnis des Kunden gestillt und die Auflagen der Versicherung sind erfüllt.

Die beste Anlage ist die, die man nie braucht. Oft werden Dinge gekauft, installiert und möglicherweise nicht sachgemäß gewartet. Im Notfall muss die Technik jedoch zuverlässig funktionieren. Wer garantiert dann, dass dies auch bei einer Anlage aus dem Internet der Fall ist?

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