Mit dem Auto über eine Brücke fahren. Eigentlich ein gewohntes Szenario über das sich die meisten von uns keine großen Gedanken machen. Seit den Geschehnissen in Italien dürfte besagte Situation allerdings bei dem ein oder anderen ein mulmiges Gefühl auslösen. Dort war am Dienstag in der Hafenstadt Genua eine vierspurige Autobahnbrücke eingestürzt wobei mindestens 42 Menschen in den Tod gerissen wurden. Europaweit drängen sich Fragen auf – auch hier in Luxemburg: Wäre ein solches Horrorszenario theoretisch hierzulande möglich?

Im Großherzogtum gibt es ganz schön viele Brücken: Rund 1.200 an der Zahl. Darunter sind sowohl reine Fußgänger- und Fahrradbrücken als auch Autobrücken. 130 davon sind Autobahnbrücken. Allerdings ist keine in der gleichen Bauweise gebaut, wie die, die in Genua eingestürzt ist. “Ponts et Chaussées” ist für alle Brücken hier im Land zuständig und schließt die Möglichkeit eines ähnlichen Horrorszenarios wie in Italien aus.

Wie wird die Sicherheit gewährleistet?

Zum einen werden die Brücken von “Ponts et Chaussées” überwacht. Zum anderen führt die Straßenbauverwaltung regelmäßige und an die jeweilige Brücke angepasste Unterhaltsarbeiten durch. Die Überwachung der Brücken stellt einen Großteil der Arbeit dar und funktioniert nach einem ausgeklügelten System.

  1. Einer ersten Kontrolle wird die Brücke bereits kurz nach ihrer Fertigstellung unterzogen.
  2. Anschließend folgt eine visuelle Routinekontrolle einmal im Jahr. Dabei wird die Brücke auf Risse oder andere Schäden inspiziert.
  3. Alle drei Jahre wird dann der “allgemeine Gesundheitszustand” der Brücke unter die Lupe genommen. Eventuelle Schwachpunkte der Brücke werden festgestellt. Daraufhin wird entschieden, ob weitere, detailliertere Kontrollen notwendig sind oder aber besondere Maßnahmen ergriffen werden müssen.
  4. Müssen im Anschluss an die visuelle Routinekontrolle oder die Prüfung des “allgemeinen Gesundheitszustandes” weitere, spezifische Kontrollen gemacht werden, wird von einer Spezialkontrolle gesprochen.
  5. Großprojekte wie zum Beispiel die “Roud Bréck”, der “Pont Adolphe” oder der “Pont Haubanné” in Hesperingen werden alle zehn Jahre auf Herz und Nieren geprüft. Hier wird zusätzlich geprüft ob die jeweils umgesetzten Maßnahmen das gewünschte Ergebnis gebracht haben. Zusätzlich werden zum Beispiel bei der Brücke in Esch-Sauer sowie dem “Pont Adolphe” laufend Abhörmethoden anhand von permanent angebrachten Messgeräten eingesetzt.

Gesundheitscheck der Brücken

20 Prozent der Straßenbrücken in Luxemburg sind so gut wie neu und benötigen demnach nur leichte Wartungsarbeiten. 65 Prozent der Brücken sind für ihr Alter und ihre Struktur in einem guten Zustand, brauchen allerdings schon dementsprechende Instandhaltungsarbeiten. 15 Prozent der Brücken benötigen mehr oder minder große Interventionen. In diesem Zusammenhang laufen bereits einige Rehabilitationsstudien und auch Baustellen. Diverse Brücken werden auch im rahmen größerer Straßenbauprojekte ersetzt. Anstehende, größere Rehabilitationsprojekte betreffen unter anderem die Bow-String Brücke in Schifflingen auf der A13, das Viadukt in Livingen auf der A3 sowie die Brücke OA232 auf der N7 in Colmar-Berg.

Belastbarkeit

Was eine Brücke alles aushalten muss, wird anhand von Belastungshypothesen berechnet. Hier werden prinzipiell fünf verschiedene Lastgruppen betrachtet.

  1. Das Eigengewicht der Brücke sowie
  2. das durch den darüber laufenden Verkehr verursachte Gewicht.
  3. Klimaeinflüsse wie hohe oder tiefe Temperaturen oder Niederschläge werden ebenfalls mit einbezogen.
  4. Unvorhersehbare Aktionen wenn zum Beispiel ein wagen in eine Leitplanke fährt und dies einen Schock auslöst.
  5. Zuletzt werden noch die Lasten mit einberechnet, die nur während dem Bau der Brücke auftreten.
Am 24. März 1994 musste die Brücke in Hesperingen einen beachtlichen Belastungstest bestehen. 38 Panzer, insgesamt 1.732 Tonnen schwer, walzten über das Viadukt.

Die neusten Brücken des Landes

  • OA901 Viaduc de la gare de triage in Düdelingen/Bettemburg (2018)
  • OA202 Pont haubané in Mersch (2016)
  • OA401 Grenzbrücke in Grevenmacher (2013)
  • OA551 Viaduc de Junglinster (2013)
  • OA768 Bow-String Oetrange (2005)
Die Grenzbrücke in Grevenmacher wurde 2013 erneuert. Foto: Editpress

Die ältesten Brücken des Landes

  • OA501 Pont Misère in Arsdorf
  • OA788 Al Bréck in der Hauptstadt (1861)
  • OA627 Trois Ponts in Eischen (1874)
  • OA750 Pont Adolphe in der Hauptstadt (1903)
  • OA500 in Esch/Sauer (1957)
Der Pont Adolphe in der Hauptstadt ist eine der ältesten Brücken Luxemburgs. Die Bauarbeiten wurden 1903 abgeschlossen.

4 Kommentare

  1. Na dann hoffen wir das niemals so etwas tragisches wie in Italien bei uns passiert….wenn unsere braven Ponts et Chaussées ja so genau prüfen….!

  2. @ Melody Hansen

    Ich schlage vor, dass Sie mit der in den Luxemburger Medien leider weitverbreiteten Unsitte, Photos unbeschriftet ins Netz zu stellen, brechen.

    Deshalb: wo stehen denn die hier gezeigten Brücken?

    Danke im Voraus!

  3. De Problem leit éischter do, dat am Fong oeffentlech Infrastrukture privat verwalt gin. An dann nach duerch eng Aktiegesellschaft, déi et méi op de Benefice wéi op d’Sécherheet ofgesin huet. An dann ass Fro vun der Responsabilitéit ‘im Falle eines Falles’ op emol ganz diffus.

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