Der in den 1970er-Jahren in den Niederlanden ins Leben gerufene „Shared Space“ lässt sich „Mischverkehrsfläche“ übersetzen. Die Verkehrswege ohne Verkehrsschilder, rote Ampeln, Fußgängerüberwege und sonstige Straßenmarkierungen richten sich nach einer einfachen Regel: Alle Nutzer sind gleichberechtigt und teilen sich den Straßenraum. Das erhöht die Wachsamkeit und führt zur gegenseitigen Rücksichtnahme.

Von Frank Barone

Was 2016 in Düdelingen mit viel „Tamtam“ und Getöse in die erste Phase ging, ist der anfangs kontrovers diskutierte „Shared Space“ im Zentrum der Gemeinde Düdelingen. Kritische Stimmen kamen teils aus der Bevölkerung, aber auch von manchen Geschäftsinhabern, wobei einige sogar ihre Existenz durch die anstehenden Bauarbeiten als bedroht ansahen.

Wo gehobelt wird, fallen nun mal Späne. Wer Veränderung und Verbesserungen will, muss mit Kompromissen und Einschränkungen rechnen. Dies ist in diesem Fall nicht anders, besonders, da hier eine riesige Logistik, Koordination und Kooperation dahinterstecken. Nicht nur allein durch den Bau, sondern auch durch das Verlegen von Kabeln, Glasfasern und Abwasserkanälen, was teils von verschiedenen Akteuren bewerkstelligt werden muss. Sicherlich lief in der ersten Phase des Baus nicht alles glatt und nicht immer so wie geplant.

Aus Fehlern lernen

„Man lernt sowohl aus Dingen, die nicht gut gelaufen sind, als auch aus Gegebenheiten, die besonders gut geklappt haben“, sagt jedenfalls Bürgermeister Dan Biancalana. „Die Planung für diese Phase der Begegnungszone wurde derweil gemeinsam mit den Bürgern, den Geschäftsleuten und dem City-Manager besprochen und auch dementsprechend organisiert.“ Da der Bau der zweiten Phase nun vor drei Wochen begonnen hat und Phase eins seit einiger Zeit fertiggestellt ist, ist es interessant zu sehen, wie die Arbeiten sowie das Projekt mittlerweile aufgenommen werden. Es geht wie gesagt darum, aus Dingen zu lernen, die nicht so gut liefen. Diesmal hat die Gemeinde eine externe Firma beauftragt, die die Arbeiten kontrolliert und als Gesprächs- und Ansprechpartner vor Ort zwischen den verschiedenen Partnern des Projektes dient.

Außerdem hat die Gemeinde auch einen City-Manager eingestellt, der die Bedürfnisse aller Beteiligten und auch die Beschilderung rund um die Baustelle koordinieren soll. Um den Bürgern, aber auch allen anderen Besuchern entgegenzukommen, hat die Gemeinde beschlossen, alle Parkmöglichkeiten für eine halbe Stunde gratis zur Verfügung zu stellen. Dies gilt auch für das neue unterirdische Parkhaus im Zentrum, das über die rue de l’Etang zu erreichen ist. Das ist bereits ein enormer Vorteil gegenüber der ersten Etappe des Projektes.

Moderne Infrastruktur

„Wir wollen für die Bürger und Geschäftsleute eine neue und moderne Infrastruktur erschaffen. Das Konzept schafft Sicherheit und Respekt für alle, ob zu Fuß oder auf Rädern, und kommt ohne Bordsteinkanten aus, was die Fortbewegung aller erleichtert. Außerdem soll der Handel im Zentrum so belebt werden und neue Kunden und Geschäfte nach Düdelingen bringen“, so der Bürgermeister weiter.

In die gleiche Kerbe schlägt auch Alain Clement, Präsident des Düdelinger Geschäftsverbandes: „Der Shared Space ist eine Chance für die hiesige Geschäftswelt. Die Fertigstellung der ersten Phase hat die Lage der Kaufleute schon irgendwie stabilisiert. Ich gehe davon aus, dass dieser Trend sich nach Beendigung der zweiten Phase auch fortsetzen wird.“

Alain Clement gibt sich jedenfalls sehr optimistisch: „Man soll den Tag zwar nie vor dem Abend loben, aber ich tue es trotzdem. Wenn die Arbeiten in dem Rhythmus weitergehen, dann gibt es für die Geschäftswelt keinen Grund, etwas zu bemängeln. Die Baustelle ist gut organisiert, sauber und übersichtlich. Davon kann sich jeder überzeugen, der vorbeikommt. Auch über das neue Parkhaus äußern sich fast alle nur positiv“, so Clement weiter. In der Bevölkerung selbst gibt es nach wie vor ein paar kritische Stimmen. Doch auch hier überwiegt mittlerweile eine positive Einstellung. Kurz: Die Freude auf das neue Herzstück in Düdelingen scheint groß zu sein.

Edit: In einer ersten Version dieses Textes war ein Foto von Echternach zu sehen. Das Bild wurde durch das richtige ersetzt. Danke an unsere aufmerksamen Leser für den Hinweis.

4 Kommentare

  1. Ob dat verhënnert, dass weiderhi Geschäfter hir Dieren zoumaache mussen, siew dohinner gestalt. Ech gleewen net drun, dass de “Shared Space” en Allheelmëttel ass. Sou wéi vill aner “Aler”, déi nach an zwou Richtungen duerch d’Niddeschgaass gefuer sinn (wann och nëmme mam Velo), bleiwen ech weider kritesch, mä “let’s wait and see”! Fir mäin Deel kennen ech Geschäftsleit, déi absolut net “amused” sinn. ‘t siew dann.
    Wou ech awer guer kee Spaass méi verstinn, ass wann den Diddelenger “Shared Space” op Iechternach transplantéiert gëtt (cf. Foto). Do ass Schluss mat witzeg! 😉
    À bon entendeur…

  2. Noch grösser ist die Freude über die sehr gute Koordination dieser Baustellle mit quasi gleichzeitigem Beginn der Baustelle in der rue Dominique Lang nur wenige Meter weiter damit auch Ausweichstrecken Richtung route de Zoufftgen verbaut sind und das dadurch entstehende Verkehrschaos noch schöner wird…

  3. Das zweite Foto: ist nicht Düdelingen! Habe mich schon gefragt, wo dort so schöne Gebäude sein sollten mit Türmchen und Bögen, das ist Echternach! Tag- und Nacht- Unterschied, auch mit Shared Space!

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