Leichtathletin Patrizia Van der Weken sprintet durch einen schmalen Gang, Schwimmer Raphaël Stacchiotti reißt Gewichte und anhand einer Maske werden die CO2-Werte von Triathlet Bob Haller gemessen: Das „High Performance Training & Recovery Center“ ist ein wahres Schmuckstück geworden, in dem die Luxemburger Spitzenathleten seit Mittwoch an ihre absoluten Leistungsgrenzen getrieben werden. Analysieren, auswerten und optimieren lauten die Ziele.

Nach dem Rundgang durch vier der sechs hochwertigen Räume des „High Performance Training & Recovery Center“, kurz HPTRC, legt auch Sportminister Dan Kersch sein Jackett ab. Nach dem formellen Teil präsentiert Tennisspielerin Eléonora Molinaro im sogenannten Multifunktionsraum der Coque noch ein echtes Kunststück auf einem leuchtenden Boden mit Bewegungsmeldern und ihrem Schläger in der Hand. Ins Schwitzen kommt sie zwar (und knackt u.a. den Highscore), doch das liegt nicht an den Temperaturen, die zurzeit in Luxemburg herrschen.

Von der Hitzewelle spürt man im Untergeschoss des Gebäudes rein gar nichts: Angenehme Temperaturen und eine stetige Luftzufuhr erlauben den Spitzensportlern des LIHPS (Luxembourg Institute for High Performance in Sports) künftig, sich unter optimalen Bedingungen auf Wettkämpfe vorzubereiten.

Ergometer namens „Excalibur“

Bei den Planungen des 4,3 Millionen teuren Umbaus der Sportstätte auf dem Kirchberg wurde mit Architekten, Sportlern, Trainern und Experten nach perfekten Lösungen gesucht. Gilbert Neumann, Ex-Direktor der Coque, und Heinz Thews, Sportdirektor des COSL, haben sich beispielsweise in Spanien oder bei Chelsea London umgesehen, um ihre Idee von einem Hochleistungszentrum in die Tat umzusetzen. Zwölf Monate später wurde das Prunkstück offiziell eröffnet – bekannte Versuchskaninchen inklusive.

Im Diagnostikraum dreht Triathlet Bob Haller seine Runden auf einen Ergometer namens „Excalibur“. Eine Sauerstoffmaske erlaubt es, seine Werte beim Ein- und Ausatmen zu überprüfen. Von Laktatmessungen über Bioimpedanz-Wiegen (Körperfett, Muskelmasse) können die präzisesten Werte in der Coque erfasst werden.

Kältekammer für Minusgrade 

Nur ein paar Meter weiter verlässt Leichtathletin Patrizia Van der Weken den Startblock im Sprintkanal. Gemessen wird auf der 40-m-Tartanbahn eigentlich alles: von der Kraft auf den Blöcken bis hin zur Schrittlänge und Bodenkontaktzeiten. Das Ganze wird von den Kameras im Gang aufgezeichnet und später als schriftliches Dokument ausgespuckt.
Ein Highlight ist der neue Kraftraum. Neben dem hochwertigen Trainingsmaterial im 175 Quadratmeter großen Raum wurde ein Podest mit spezieller Dämpfung aufgestellt, das es erlaubt, die Langhantel „fallen“ zu lassen – was Olympionike Raphaël Stacchiotti mit 10 kg auf jeder Seite unter Beweis stellt. Höhenkammer (von 0 bis 5.750 m) oder Thermokammer (bis zu 55 Grad Celsius) stehen bereit, der Bau einer Kältekammer für Minusgrade ist angedacht.

Im komplett modernisierten Dojo der Kampfsportler kann in Echtzeit die Live-Analyse Einblicke in die Technik und ihre Umsetzung geben, spezielles Material für Grifftechnik-Verbesserung steht bereit. Derzeit sind Claudio dos Santos und Klarka Mosr die beiden einzigen Luxemburger Judokas mit LIHPS-Vertrag, die in den Genuss dieses Angebots kommen.

Hochprofessionell

„Diese Einrichtung ist nicht gedacht für Menschen wie meinen Kumpel Jean Asselborn, der nach seinem Sturz schon wieder auf dem Drahtesel sitzt, sondern für die Spitzensportler“, scherzt Sportminister Dan Kersch. Coque-Direktor Christian Jung bringt es auf den Punkt: „Es handelt sich um ein hochprofessionelles Trainingszentrum, bei dessen Nutzung ein Mehrwert ,um Terrain‘ herausspringen soll. Nicht nur das Material an sich, sondern auch die Bedingungen sind hochwertig: Von den Kühlanlagen über den Sound bis hin zur Beleuchtung wurde alles durchdacht.“

Zurück von seiner Runde, hat auch Judo-Sportdirektor Ralf Heiler eine klare Meinung: „Es ist alles da. Jetzt muss es nur noch genutzt werden.“ Er jedenfalls hat seine Uhr gestellt: Seit gestern 17.00 Uhr wird offiziell erstmals unter optimalen Bedingungen geschwitzt.

Die Fakten 

Finanziert wurde das HPTRC durch die Coque. Stolz konnte Generaldirektor Christian Jung bei der Einweihung verkünden, dass man innerhalb des vorgesehenen Budgets von 4,3 Millionen Euro geblieben ist.

War zunächst vorgesehen, die laufenden Kosten für das HPTRC durch die Einnahmen des breiten Publikums zu begleichen, hat Sportminister Dan Kersch sich anders entschieden: Die Coque ist der „Dienstleister“, die Koordination übernimmt das LIHPS – wodurch nur Spitzensportlern Zugang zu dem Trainingsmaterial gewährt wird. Die Finanzierung der Betriebskosten wird deswegen vom Sportministerium übernommen.

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