Sogar die vielen geschwärzten Teile im Mueller-Report konnten eines nicht verbergen: Der Bericht des Sonderermittlers ist alles andere als ein Freispruch auf der ganzen Linie, als das ihn Attorney General Barr zunächst dem Publikum gegenüber darzustellen versuchte. Vielmehr eröffnet dieser Text dem demokratisch dominierten Repräsentantenhaus etliche Fährten, die es erlauben könnten, den Präsidenten doch noch in die Enge zu drängen.

In der israelischen Tageszeitung Haaretz schreibt Chemi Shalev, dass Trump nicht bemerkte, dass „Mueller was killing him softly with his report“ und dass er ihn vor allem deswegen nicht wegen „Collusion“ mit Russland anklagte, weil es einen derartigen Straftatbestand in der US-amerikanischen Gesetzgebung überhaupt nicht gibt. Dass Trump ordentlich Dreck am Stecken hat, beweist die verzweifelte Wut, mit der er sich vor Gericht gegen die Offenlegung seiner Steuererklärung wehrt.

Seine Begründung, diese sei „zu kompliziert“, als dass man sie veröffentlichen könne, stellt einmal mehr eine flagrante Missachtung des Parlaments dar. Genauso wie seine Weigerung, den Repräsentanten die volle, unzensierte Version des Mueller-Berichtes zukommen zu lassen. Dass da Dinge drinstehen, die Trumps Privatleben betreffen oder Staatsgeheimnisse darstellen, und daher nicht dem allgemeinen Publikum zugänglich gemacht werden können, erscheint absolut verständlich.

Doch das Parlament – oder doch zumindest einer seiner Ausschüsse – hat in einer Demokratie das elementare Recht, alles zu erfahren, was Muellers Spürhunde erschnüffelt haben. Interessant an Muellers Report ist ohne Zweifel, dass er so einige Informationen bestätigt, welche Journalisten zuvor in ihren Zeitungen oder Büchern veröffentlicht hatten.

Hier wird deutlich, weshalb Autokraten vom Schlage Trumps eine freie und unabhängige Presse so sehr fürchten: Die „Lügenpresse“ sagt nun mal in den allermeisten Fällen die Wahrheit.

Und überlässt das Lügen dem Potus himself sowie seiner Pressesprecherin Sarah Sanders, die offenbar in ihrem Bestreben, ihrem Herrn und Meister gehorsamst zu dienen, bereit ist, auch noch den letzten Rest an Respekt, den man ihr gutwilligerweise zu zollen bereit war, vor die Hunde gehen zu lassen.

Diese Pressesprecherin hat im ersten Drittel dieses Jahres ganze zwei Pressebriefings veranstaltet. Was Bände spricht über die Verachtung, welche sie und die anderen Trump-Cronies der freien Presse entgegenbringen.

Aber wird es Trump in absehbarer Zeit an den Kragen gehen? Wohl kaum. Dafür sind die Demokraten nämlich innerlich viel zu sehr zerstritten. Zwischen den Zauderern, die ihn softly killen wollen, und den Revolutionären, die ihn per Impeachment vom Thron zu stoßen suchen.

7 Kommentare

  1. “Dass Trump ordentlich Dreck am Stecken hat” war schon vor den Wahlen bekannt und ist absolut keine Neuigkeit. Der Muellerreport sollte strafrechtlich relevante Fakten aufdecken: das hat er nicht und somit ist das Ganze ein Debakel fèr die Glaubwürdigkeit der Trump Kritiker. Auch ein Impeachment-Verfahren würden Trump unter Umständen eher nützen. Fazit: man sollte das Ganze nun ruhen lassen und sich nicht weiter versteifen und ganz einfach das Problem mit den nächsten Wahlen lösen und zwar mit einer ehrliche Auswahl eines konsensfähigen Kandidaten. Trump konnte nur gewinnen weil Establisment-Liebling Hillary Clinton extrem unbeliebt war und zudem Bernie Sanders mit “Trump”-Methoden ausbootete.

  2. “Trump ordentlich Dreck am Stecken hat, beweist die verzweifelte Wut, mit der er sich vor Gericht gegen die Offenlegung seiner Steuererklärung wehrt” Komische Inquisitionslogik wenn ein Beschuldigter sich zu heftig wehrt ist es schuldig. Zudem hätte Trump Mueller jederzeit entlassen können.

  3. Es müsste doch diesmal einfacher sein als je zuvor Präsident zu werden. Sogar die Schlichtgestalt Dabbeljuh,Vater Bush’s Liebling, der durch Manipulationen zum Präsidenten wurde,kam noch ab und zu als zurechnungsfähig herüber wenn er den Mund auftat. Die Figur Trump hat dem Image des US-Präsidenten schwer geschadet und seinem Land sowieso. Also,wo sind die Gegenkandidaten? -fragt man sich,zumal es Senatoren gibt die nicht durch aussergewöhnliche Intelligenz glänzen. “Wenn Englisch gut genug für Jesus war,dann ist es das auch für mich.” -Zitat eines Senators auf die Frage ob die Bibel auch in andere Sprachen übersetzt werden soll. Könnte auch von Trump gewesen sein.

  4. Beim Trump a sengen Unhänger kann een den Intelligenzquotient net miessen. Et ass einfach keen ze ermettelen. Awer den Arroganzquotient, jo do muss een de Bildschirm schon 45 Grad dreien. Also Hochformat soss geet d’Spetz net drop.

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