Am Donnerstag wird der seit 1981 in Düdelingen lebende Henryk Krawczyk im Stade Josy Barthel anwesend sein, wenn der F91 Düdelingen im Rückspiel der Europa League gegen Legia Warschau (ab 20.00 Uhr) versuchen wird, seinen Auswärtssieg mit einer erneut guten Leistung zu bestätigen und sich so für die Play-offs zu qualifizieren.

Von Guy van Hulle

Bevor Henryk Krawczyk nach Luxemburg kam, war er 26-mal für sein Heimatland – bei den Junioren, U21 und U23 – im Einsatz. Im Interview erklärte er, mit welchen Gefühlen er dem Rückspiel zwischen dem F91 und Legia entgegensieht.

Tageblatt: Was können Sie über Legia Warschau berichten?

Henryk Krawczyk

Henryk Krawczyk: Ich habe mit meinem schlesischen Verein Odra Opole zusammen mit Josef Klose, dem Vater von Miroslav, sechsmal gegen Legia und dessen Starspieler Kazimierz Dejna in der obersten polnischen Liga gespielt. Die einstige Militärmannschaft, die meist mehr Disziplin zeigt als ihre Anhänger, wird im Stadion alles daransetzen, um sich für die Blamage im Heimspiel zu revanchieren.

Hat Sie dieser 2:1-Sieg der Düdelinger überrascht?

Ja, für mich war dies eine ganz dicke Überraschung. Ich habe das Spiel am Bildschirm mitverfolgt. In der Anfangsphase dominierte Legia, dann kam der F91 immer stärker auf und wendete das Blatt. Wenn die Düdelinger vor eigener Kulisse dieselbe Leistung abrufen können, dann ist alles möglich. Ich drücke ihnen jedenfalls die Daumen! Ich hoffe, dass ich Paul Philipp wiedersehen werde, dem ich 1996 bei den Länderspielbegegnungen mit Polen als Dolmetscher und Informant zur Seite stand.

Könnte man angesichts der Niederlage von Legia einerseits und der eher schwachen Leistung der Nationalelf bei der WM schlussfolgern, dass Polens Fußball in einer Krise steckt?

Das kann man nicht miteinander vergleichen. Die Vereine sind auch bei uns mit ausländischen Spielern besetzt. Was das Nationalteam betrifft, so hat der Neuaufbau schon begonnen. Ein anderer Trainer ist im Amt und neue Spieler werden bald für eine gesteigerte Dynamik sorgen.

Ihre internationale Fußballerkarriere ist bemerkenswert, aber wie und wann kamen Sie eigentlich nach Luxemburg?

Also von Luxemburg kannten wir damals in Polen nur Radio Luxemburg und dessen bei uns Teenagern sehr geschätzte Musik. Spätabends und bis in die Nacht lauschten wir heimlich den verbotenen Sender und seine Schlager. 1981 holte mich Nico Neisius von Viktoria Köln zur US Düdelingen, wo ich noch zwei Jahre spielte, u.a. mit Marcel Wagner, dem jetzigen Präsidenten des T71. Man vermittelte mir einen Job bei der Firma „Husky“ und so blieb ich hier. Zwei weitere Jahre kickte ich noch in Arlon und zuletzt in Kehlen. Mit anderen Veteranen, wie z.b. Jhemp Barboni, Bert Heger, Carlo Bamberg und Co., hat man uns sogar nach Barcelona eingeladen, wo wir uns mit deren Altstars in einem Hallenturnier freundschaftlich messen konnten.

Wie verlief Ihre Profikarriere in Polen?

Mit knapp 19 stand ich schon in der Erstligamannschaft von Odra und bewährte mich gleich als Elfmeterschütze. Mit meinem Verein gewann ich 1977 den polnischen Pokal gegen das Team von Lato und Szarmach, der später nach Auxerre ging und dort noch mit Klose senior zusammenspielte. Im Europapokal schieden wir dann allerdings gegen Magdeburg aus. Meinen Militärdienst leistete ich in der Soldatenmannschaft von Breslau, dem heutigen Wroclaw, und schoss lediglich … aufs Tor. Ich spielte Vorstopper und hatte es auf dem Posten als Manndecker mit den besten gegnerischen Stürmern im In- und Ausland zu tun. Bei den U21 bzw. U23 zählten Torwart Tomaszewski sowie andere hochtalentierte Ballkünstler wie Zmuda, Dejna und sogar der jetzige Verbandsvorsitzender Zbigniew Boniek zu meinen Mitspielern.

Standen Sie ebenfalls in der polnischen A-Nationalelf?

Leider blieb mir diese Ehre letztendlich versagt. Dabei war ich 1978 für die WM in Argentinien nominiert worden. Doch kurz vor der Abreise zog ich mir einen Achillessehnenriss zu. Das war sehr bitter. Ich wurde durch meinen Vereinskameraden Roman Wojcicki ersetzt. Dieser machte eine tolle WM und trug viel zum hervorragenden dritten Platz im kleinen Finale bei. Des einen Freud, des anderen Leid, aber dennoch verdanke ich dem Fußball sehr viel, u.a. meine Präsenz hier in Luxemburg, wo ich mich sehr wohl fühle.

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