Die geschichtsträchtige Villa Louvigny steht seit Donnerstag unter Denkmalschutz. Im Auditorium sollen bald wieder Konzerte stattfinden. Und möglicherweise soll die ganze Villa in ein Haus der Kultur umgewandelt werden.

Der Spiegel-Redakteur Matthias Schulz erinnert sich noch lebhaft an seine Zeit in Luxemburg. Als junger Journalist machte er Ende der 1980er Jahre ein Praktikum im Funkhaus von Radio Luxemburg in der Villa Louvigny. Am Tag nach der Wende standen auf einmal Ostdeutsche vor der Villa im Park. „Sie waren die ganze Nacht mit ihrem Trabi durch Deutschland gefahren, nur um die legendären Studios von Radio Luxemburg zu sehen“, so Schulz. Aber es gibt noch einen weiteren Grund, weshalb der Spiegel-Redakteur sich an Luxemburg erinnert: das beeindruckende Auditorium der Villa Louvigny.

Tatsächlich gilt die Villa Louvigny als Ort von historischer Bedeutung: Zwei Ausgaben des „Grand Prix Eurovision de la Chanson“ (1962 und 1966) wurden dort ausgetragen, unzählige Aufnahmen von Popkünstlern wie Udo Jürgens oder den Rolling Stones im Auditorium gemacht. Und lange Zeit war das Auditorium auch Domizil des einzigen Luxemburger Symphonieorchesters. Die Villa Louvigny ist luxemburgische und europäische Kulturgeschichte zugleich.

Gebäude unter Denkmalschutz

Doch seit RTL Anfang der 1990er Jahre ausgezogen war und das Orchester 2005 in der Philharmonie eine neue Heimat fand, ist es ruhig um die berühmte Villa geworden. Das Gesundheitsministerium nutzt die Räumlichkeiten für administrative Zwecke, das Auditorium dient lediglich als Abstellraum. Musiziert wird hier schon lange nicht mehr.
Haus der Kultur

Das könnte sich jedoch bald ändern. Denn am Donnerstag ist im Ministerrat beschlossen worden, dass das Gebäude unter Denkmalschutz gestellt wird. Die entsprechende Prozedur lief seit vergangenem Jahr, doch erst Anfang Juni hat die Abgeordnete von „déi gréng“ Sam Tanson die Villa zu einem Politikum gemacht. In zwei parlamentarischen Anfragen wollte sie wissen, warum das legendäre Auditorium eigentlich ungenutzt vor sich hin staubt und warum man es nicht für kulturelle Zwecke wiederbelebt.

Kreativstätte für Künstler

Während sich Kulturminister Xavier Bettel (DP) in seinen Antworten noch zurückhaltend zeigte, gingen der Staatssekretär für Kultur Guy Arendt (DP) und Gesundheitsministerin Lydia Mutsch (LSAP) gestern in die Offensive. Die Villa Louvigny soll renoviert werden, teilten beide mit. „Bâtiments Publics“ ist beauftragt worden, eine Bestandsaufnahme des Gebäudes zu machen. Wie viel die Renovierung kosten wird, kann zu diesem Zeitpunkt noch nicht gesagt werden, so Arendt. „Es ist mein ausdrücklicher Wunsch, dass das Auditorium wieder für Aufnahmen, Proben und Konzerte genutzt wird“, sagt der Staatssekretär. Auch im DP-Wahlprogramm findet sich dieser Wunsch wieder. Die Villa soll „als Kreativstätte für Künstler genutzt werden (…). Der bestehende Konzertsaal soll für künstlerische Darbietungen aufgewertet werden.“

Sam Tanson begrüßt die klaren Worte des Staatssekretärs und der DP. Auch „déi gréng“ wollen diesen Weg einschlagen. Und mit dem nötigen politischen Willen könnte das ganze Gebäude im Herzen Luxemburgs als kultureller Ort für die Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden. Das würde aber bedeuten, dass das Gesundheitsministerium umziehen müsste. Tanson sieht darin kein Problem. Gesundheitsministerin Mutsch wollte sich jedoch dazu nicht klar äußern. Diese Frage würde sich zu diesem Zeitpunkt nicht stellen. Aber sie begrüße grundsätzlich die kulturelle Wiederbelebung des Gebäudes. Warum das Auditorium überhaupt so lange ungenutzt blieb – darauf wusste übrigens kein Politiker eine Antwort.

3 Kommentare

  1. “Und lange Zeit war das Auditorium auch Domizil des einzigen Luxemburger Symphonieorchesters.” Jein. Das Orchester war bis Mitte der 1990er Jahre in erster Linie das Hausorchester von RTL. Als der Sender nach Kirchberg umsiedelte hatte man keine Lust und /oder kein Geld, das Orchester mitzunehmen und der Staat musste mit der Pensis-Stiftung gewissermassen eine “Auffanggesellschaft” schaffen, um das Überleben des Orchesters zu sichern. Wie im Artikel beschrieben, wurde die Philharmonie später die neue Residenz des Orchesters, das zu dem Zeitpunkt auch in OPL umbenannt wurde.

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