Im Dezember 2008 ist ein Ehepaar in Bereldingen von Einbrechern in seiner Wohnung überfallen und misshandelt worden. Heute, knapp zehn Jahre nach der Tat, müssen sich fünf mutmaßlichen Täter vor Gericht verantworten. Vier sollen direkt am Überfall beteiligt gewesen sein, ein fünfter soll den Coup geplant haben.

Die Wohnung der Opfer stand damals zum Verkauf. Am 22. Dezember meldete sich ein Mann beim Ehepaar und gab an, sich für die Dreizimmerwohnung zu interessieren. Der potenzielle Käufer ließ sich alle Zimmer zeigen. Das Ehepaar kam sogar dem Wunsch des Interessenten nach, verschiedene Schränke zu öffnen. So konnte der Fremde wahrscheinlich auch einen Blick auf den Safe werfen. Am folgenden Tag kam er dann mit einer Frau zurück – und zwar unter dem Vorwand, die Wohnung noch einmal genauer betrachten zu wollen.

Die vermeintlichen Interessenten meldeten sich jedes Mal an der Wohnungstür im Innern des Hauses. Als sich die beiden “verabschieden” wollten, stürmten zwei weitere Männer in die Wohnung, so das Opfer vor der Richterin. Die damals 75-jährige Frau wurde sofort auf den harten Marmorboden gestoßen. Das Opfer wurde mit Klebeband gefesselt und geknebelt. Einer der Männer soll sie mehrmals ins Gesicht geschlagen haben. Ärzte stellten zudem fest, dass ihre Hand bei dem Überfall gebrochen wurde. Durch den Schock verlor das Opfer für kurze Zeit das Bewusstsein. Einer der Täter übergoss die Frau dann mit kaltem Wasser. Auch ihr Mann, der mittlerweile verstorben ist, wurde von den Tätern zusammengeschlagen und bedroht. Ihm wurden während des Raubüberfalls unter anderem drei Rippen gebrochen.

Die Frau wurde mit vorgehaltener Waffe gezwungen, den Safe zu öffnen. Sie weigerte sich jedoch zunächst. Einer der Täter soll dem Ehepaar daraufhin mit dem Tod gedroht haben. “Er ging besonders brutal vor. Er hat auf meinen Mann wie auf einen Nusssack eingedroschen, erst dann habe ich den Safe geöffnet. Der Chef der Bande hielt die ganze Zeit einen Revolver in der Hand”, so das Opfer. Nach der Tat ergriffen die Räuber die Flucht mit einem Auto, das hinter dem Haus abgestellt war. Die Frau befreite sich von den Fesseln und verständigte die Polizei.

Die Täter gaben während der Tat nur vereinzelte Kommandos auf Französisch von sich und waren nicht vermummt. Das Opfer war sich vor der Richterin sicher, dass es sich bei den vier Angeklagten um die Täter von 2008 handele.

Nur Mitläufer?

Neben einer Geldsumme von 3.500 Euro in bar konnten die Kriminellen Schmuck im Wert von insgesamt 186.000 Euro sowie einige Luxusartikel erbeuten. Eine teure Briefmarkensammlung rührten die Einbrecher nach telefonischer Absprache mit einer weiteren Person nicht an.

Die Suche verlief zunächst erfolglos. DNA-Spuren an einem Gürtel brachten die Polizei im Jahr 2014 schließlich auf die richtige Fährte. Einer der Verdächtigen wurde damals in Frankreich festgenommen und später nach Luxemburg ausgeliefert. Am Tag des Überfalls wurde auch das Mobiltelefon des Verdächtigen in der Nähe des Tatorts geortet. Die anderen Angeklagten konnten die Ermittler durch die Auswertung der geführten Telefonate ermitteln.

In den Verhören der Polizei sagte der Festgenommene aus, er habe 500 Euro von einem Restaurantbesitzer erhalten, um drei Männer und eine Frau nach Luxemburg zu fahren. Er sei anschließend vor Ort mit einer Waffe bedroht worden und habe deshalb beim Überfall mitgemacht. Den Tipp für den Überfall habe der Restaurantbesitzer von einem Freund erhalten, der Immobilien im Großherzogtum verkaufte.

Die Frau auf der Anklagebank gab vor dem Untersuchungsrichter zu, am Überfall beteiligt gewesen zu sein. Sie habe das Ehepaar jedoch nicht geschlagen.

Angeblich soll sie auch nichts von den Plänen des Überfalls gewusst haben. Zudem habe sie kein Diebesgut mitgenommen, so die Beschuldigte. Ein zweiter Angeklagter hatte ebenfalls seine Beteiligung am Überfall eingestanden. Auch er soll jedoch angeblich nichts von der Beute eingesteckt haben.

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