Das kreislaufwirtschaftliche Projekt Benu, das sich vor einigen Monaten auf der Escher “Grenz” niedergelassen hat, entwickelt sich rasant. Die gestapelten Schiffscontainer auf dem Aldi-Parkplatz haben schon die Form eines Gebäudes angenommen. Im August wird die Fassade künstlerisch gestaltet. Im Herbst soll dann schon die Eröffnung sein.

Seit Ende April stehen die neun ausgedienten Schiffscontainer der kreislaufwirtschaftlichen Initiative Benu auf dem Aldi-Parkplatz in der rue d’Audun. Seitdem ist viel passiert. Nach Schiffscontainer sieht das dreistöckige Gebäude zumindest von außen nicht mehr aus. Erst wurden rechteckige Löcher ausgeschnitten und die gebrauchten Fenster eingebaut, danach wurde die Außenwand aus einem Miscanthus-Gemisch aufgetragen. Mit an gebrauchten Konterlatten festgeschraubten Holzplatten wurde das feuchte Miscanthus gegen den Containerstahl gepresst, bis es getrocknet war. Die vordere Isolationswand steht mittlerweile, der hintere Bereich und das Dachgeschoss kommen nach dem Kollektivurlaub dran.

In der Zwischenzeit will Benu die Miscanthus-Wand zur rue d’Audun hin schon künstlerisch gestalten. Es soll ein partizipatives Projekt werden. Unter der Leitung der jungen Künstlerin Jennifer Lopes kann jeder bei der Verschönerung des Benu-Gebäudes mitmachen. Die Erzieher und Bewohner der Jugendstrafanstalt aus Dreiborn haben schon Vorarbeit geleistet.

Wie das ganze Projekt wird auch die Fassade nur aus Abfällen und recycelten Materialien zusammengesetzt. „Alte CDs, Kronkorken, Stühle, ausgedientes Spielzeug – aus all diesen Sachen wollen wir ein Kunstwerk schaffen“, erklärt die 30-jährige Düdelingerin. Sie hat bereits eine Skizze gezeichnet, auf der sich erkennen lässt, wie die Fassade später aussehen könnte. Allerdings kann jeder, der mitmacht, auch eigene Ideen einbringen, wenn er das möchte.

Als Untergrund dient eine Mischung aus Lehm, Zellulose und Pferdemist, die das Escher CIGL zusammengestellt hat. „Die Mischung ohne Chemie so hinzukriegen, dass sie auf dem Miscanthus haftet, stellte eine große Herausforderung dar“, sagt Benu-Leiter Georges Kieffer. Nach einigen missglückten Versuchen hatte man dann aber die richtige Zusammensetzung gefunden. Man orientiere sich viel daran, wie früher gebaut wurde.
„Nicht einfach, eine Baufirma zu finden“

Die Lehm-Mischung werde eigentlich nicht für den Bau benötigt, stelle aber eine zusätzliche Versiegelung gegen Feuchtigkeit dar, so Kieffer. „In die Lehmschicht werden die einzelnen Elemente hineingedrückt, sodass später ein Mosaik daraus entsteht“, erläutert Jennifer Lopes. Gesichter und die Symbole der Kreislaufwirtschaft sollen später darauf zu erkennen sein. „Das Endresultat soll sehr schön werden“, ergänzt Kieffer. „Wir wollen nicht, dass es nachher wie Abfall aussieht, nur weil es aus Abfall hergestellt wird.“

Tatsächlich ist das ganze Gebäude, mit Ausnahme der Schrauben, aus gebrauchten Teilen und Naturmaterialien aus lokaler Produktion zusammengesetzt. Bei Benu wird viel improvisiert. „Es war nicht einfach, eine Baufirma zu finden, die sich auf dieses Experiment einlässt“, betont Georges Kieffer.

Das Unternehmen „Rolf Bau sàrl.“ aus Erpeldingen hat die Herausforderung schließlich angenommen. Der Chef war anfangs skeptisch. Insbesondere die Fenster schräg einzubauen, war für ihn ungewohnt. „Meine Frau hat mich gefragt, ob ich betrunken war, als ich ihr die Fenster gezeigt habe“, scherzt der Bauleiter. Mittlerweile ist aber auch er von dem kreislaufwirtschaftlichen Konzept überzeugt.

Im September soll dann auch mit der Isolation der Innenwände begonnen werden. Welches Material dafür benutzt wird, steht noch nicht fest. Das CIGL sei noch dabei, Tests durchzuführen, weiß Georges Kieffer. Fest steht bereits, dass die Ritzen an den Fensterrahmen mit Resten von Schafwolle isoliert werden, die ein Schäfer aus Luxemburg zur Verfügung stellt. Im kommenden Herbst will Benu die Bauarbeiten abschließen. Neben dem Atelier für die Kleiderproduktion sollen auch ein kleiner Laden und Räume für den „Service national de la jeunesse“ in dem Gebäude entstehen.

Über Kosten will Georges Kieffer noch nicht reden. Dafür sei es noch zu früh. Es werde höchstens so teuer wie ein traditioneller Bau. Dafür sei aber wirklich auch alles rein ökologisch.

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