Bereits mehr als 5.100 Bürger haben eine aktuelle Petition unterschrieben, in welcher gefordert wird, dass man künftig kein Geld mehr beim Arztbesuch vorstrecken muss, das die Krankenkasse später zurückerstattet.

Die Marke von 4.500 Unterstützern wurde in Windeseile überschritten. Die Petitionärin verlangt darin, dass Patienten in Zukunft bei einem Arztbesuch kein Geld mehr bezahlen müssen, nur, um es dann von der Krankenkasse zurückzuverlangen.

In Luxemburg gebe es dieses Prinzip des “Tiers payant” bereits in den Apotheken und bei den Krankengymnasten. In Frankreich existiere dieses Prinzip schon lange – auch bei den Ärzten. Es würde eine Menge Arbeit ersparen, wenn es ebenfalls in Luxemburg eingeführt würde. Außerdem könne man so eine Menge Papier sparen, meint die Petitionärin Jill Sterba weiter.

Der Antrag mit der Nummer 922 wurde am 22. Dezember freigegeben und kann noch bis zum 2. Februar 2018 auf der Internetseite des Parlaments (www.chd.lu) unterstützt werden.

Die öffentlichen Petitionen sind ein Instrument, über das sich Bürger in der Politik Gehör verschaffen können. Wenn eine solche Petition mindestens 4.500 Unterstützer findet, dann erhalten die Antragsteller die Gelegenheit, ihr Anliegen im Parlament vorzutragen.

Parlamentarier und Regierungsmitglieder stehen ihnen dann Rede und Antwort. Für die Politik besteht jedoch keine Verpflichtung, etwas zu unternehmen – ganz egal, wie viele Unterschriften gesammelt wurden.

Ziel bereits erreicht

Dass die Petition nun in kürzester Zeit mehr als 5.100 Unterschriften gesammelt hat, bedeutet also nicht, dass der Forderung nachgekommen werden muss. Gegenüber der Zeitung Le Quotidien gab sich die Petitionärin überrascht darüber, dass ihr Anliegen in solch kurzer Zeit so viel Zuspruch erhielt.

Während ihres Studiums in Paris habe sie Erfahrungen mit dem System in Frankreich gemacht und dieses als “sehr einfach” empfunden. Bei ihrer Rückkehr habe sie das luxemburgische System “genervt”. Damals schon habe sie einen Brief an den damaligen Gesundheitsminister und heutigen Kammerpräsidenten Mars Di Bartolomeo geschickt – der allerdings folgenlos blieb.

Nachdem sie vor einigen Monaten dann ein Kind zur Welt gebracht habe, habe sie erlebt, wie schnell sich die Rechnungen vom Kinderarzt stapeln können, erklärte die Petitionärin gegenüber Le Quotidien.

Laut Zeitung ist Sterba sich nicht sicher, ob die Forderung von der Ärzteschaft begrüßt wird. Für eine Stellungnahme war am Donnerstag bei der Ärztevereinigung AMMD allerdings niemand erreichbar.

15 Kommentare

  1. Schön dass nach der Petition nun im Parlament darüber geredet werden muss. Aber die Entscheidung über eine Ausweitung des “tiers payant” liegt in letzter Instanz bei der Krankenkasse. Die müsste das mit den Sozialpartnern, in dem Fall mit dem Ärzteverband aushandeln. Auch in Frankreich ist der “tiers payant” übrigens keine allgemeine Regel sondern kann seit 1.1.16 individuell beantragt werden. Eine vorgesehene Verallgemeinerung ab 2018 wurde nach massiven Protesten der Ärzteschaft gestoppt.

    mehr dazu >>>Généralisation progressive du tiers-payant pour la part de l’assurance maladie
    28 déc. 2017 – Direction de l’information légale et administrative (Premier ministre)
    La loi de financement de la sécurité sociale pour 2018 prévoit le report de la généralisation du tiers payant.

  2. *Laut Zeitung ist Sterba sich nicht sicher, ob die Forderung von der Ärzteschaft begrüßt wird. *

    Todsicher! Wenn Sie wüssten, wie viele Leute ihre Rechnungen nicht bezahlen, dann würden sie staunen.
    Keine Rechnungen mehr zu versenden, keine Rappels, keine Briefe durch den Gerichtsvollzieher…
    Besser geht’s doch nicht.

    Die Einzigen die dagegen sind, wären die Post und die Gerichtsvollzieher.

  3. Zu hoffen dass die Gesundheitsministerin diese Petition nicht abschmettern wird, mehr IRMs anschaffen hat sie ja auch schon abgeschmettert….und dann die Ärzteschaft, die wird auch nicht begeistert sein, siehe Erfahrung aus dem Ausland, aber Klartext es wäre eine sehr soziale Maßnahme und sie sollte genau wie bei den Arzneimitteln in den Apotheke eingeführt werde ….

  4. Petitionen sollen nicht nur eine Diskussion im Parlament bewirken, sondern bindend sein, und
    bei wichtigen Fragen zu einem Referendum führen, dessen Resultat als bindend angesehen werden muss.

    • Nein, sollen sie nicht. Eine Petition zur Aufhebung sämtlicher Rauchverbote würde dann leider schnell zu einem schrecklichen Ende führen, nur mal so als Beispiel. “bei wichtigen Fragen” Tja, was ist wichtig und was nicht?

  5. Wenn der Patient den von der Krankenkasse zurückzuzahlenden Betrag nicht mehr selbst zurückfordern muss, d.h. ihn beim Arzt gar nicht zahlen muss, bedeutet das mehr Arbeit für die Ärzte, und damit meine ich nicht die Band!
    Dass die Ärzte in dem Fall meutern würden, kann ich verstehen, obwohl es wichtiger ist, dass Menschen mit kleinen Einkommen durch das momentane Rückzahlungssystem nicht in eine finanziell missliche Lagen kommen.
    Ich denke, es müsste für die Menschen mit kleinen Einkommen eine Sonderreglung geschaffen werden.

  6. @KTG Ich denke nicht, die meisten sind Nichtraucher, auch ich, und würden bei einem Referendum sicherlich nicht für die Aufhebung des Rauchverbotes stimmen, sofern es denn zu einem Referendum käme. Ich weiss nicht genau, wie man das mit den Referenden regeln sollte, aber eines ist mir klar: In einer Demokratie leben wir nicht. Vor den Wahlen wird der Bürger umgaukelt und mit hohlen Versprechen gelockt aber ausser ein paar Kreuze zu machen hat er kaum ein Mitspracherecht. Was würden Sie denn vorschlagen, damit die Meinung der Bürger stärker (von der Politik) wahrgenommen wird?

    • ” In einer Demokratie leben wir nicht.” Dieser Satz, egal wie oft er wiederholt wird, stimmt nicht. Falls “fluppes” nicht mit den Entscheidungen zufrieden ist, sollte er sich in einer Partei engagieren, eine Partei gründen, oder einer Gewerkschaft beitreten. Auswahl gibt’s. Und nein, auch wenn die Mehrheit Nichtraucher sind, bedeutet das noch lange nicht, dass die Mehrheit das Passivrauchen und dessen Gefahren versteht. Und falls “fluppes” das Beispiel immer noch gefällt, es gibt noch genügend andere Dinge, die mit einem Referendum erzwungen werden könnten, der Gesellschaft aber nur schaden würden.

  7. Dieser Satz, egal wie oft er wiederholt wird, stimmt nicht?
    Das ist dann wohl Ansichtssache.
    Referendum=Befragung des Volkes. Die Meinung des Volkes wird erfragt. Man findet also mit einem Referendum heraus, was das Volk möchte. Das Volk ist der Chef, oder sollte es sein.
    Entscheidet sich da Volk für etwas, sind einzelne Meinungen, ob die Entscheidung gut oder schlecht für das Volk ist, irrelevant.
    Das Volk brauch keine Herrscher oder Führer die glauben alles besser zu wissen.

  8. Die Politiker können auch Entscheidungen treffen, die schaden können. Die Fehlerquote ist statistisch grösser bei einer minderzahl als bei einer grösseren Anzahl von Leuten. Also lieber ein Volksreferendum als eine Politikerentscheidung

  9. Auf den ersten Blick scheint es sehr bequem zu sein, dass die Ärzte direkt mit der Krankenkasse abrechnen. Aber leider hat die Bequemlichkeit, wie immer, ihren Preis. Er lautet: Mangelhafte Transparenz der Rechnung bis hin zur Möglichkeit, dem Betrug Tür und Tor zu öffnen! Wenn der Patient die Rechnung nicht mehr selbst bezahlen muss, wird (oder kann) er sie nicht mehr kontrollieren. Außerdem kann der Arzt auch nicht erbrachte Leistungen mühelos verrechnen, denn die Krankenkasse sieht ja nicht welche Leistungen er tatsächlich erbracht hat. Dieses System gibt es übrigens nicht nur in Frankreich, sondern auch in Deutschland. Über Falschabrechnungen tauchen immer wieder Berichte auf. Dies mag auch ein Grund für die höheren Kassenbeiträge in Deutschland sein. Derzeit liegen sie bei 14 bis 16 Prozent. Wollen wir das auch ?

    • @Marc Simon der Patient könnte eine Kopie erhalten von der Rechnung und kontrollieren und die Kasse informieren wenn die Rechnung der Leistung nicht überein stimmt oder die Rechnung einsehen über den TP

Kommentieren Sie den Artikel


Please enter your comment!
Please enter your name here