Was hat man nicht alles versucht, um die hohen Wohnungspreise in den Griff zu kriegen: neue Fördergelder beschlossen, alle möglichen Steuern gesenkt – von der Mehrwertsteuer über die Grunderwerbssteuer bis zur Besteuerung der Veräußerungsgewinne – sowie den Baulandbesitzern gut zugeredet. Die Preisspirale dreht sich derweil unbeeindruckt weiter.

Dabei: Bauland ist vorhanden, wie das Liser letzte Woche wieder bestätigte. Ob und wann auf diesen Grundstücken gebaut wird, bestimmen jedoch private Geschäftsinteressen.

Das Problem ist nicht neu. Seit mehr als 15 Jahren wird versucht, einerseits die Steuerungsmöglichkeiten der Politik gegenüber den privaten Grundbesitzern zu stärken sowie andererseits die Prozeduren bei Baugenehmigungen zu beschleunigen. Mit mäßigem Erfolg. Die Gesetzgebung zur Landes- und Städteplanung (sektorielle Leitpläne, PAG und PAP) ist seither selbst zu einer permanenten Baustelle verkommen.

Zu den Erklärungen gehört auch, dass die Wohnungsproblematik zu lange nicht ernst genommen wurde. Sie betraf nämlich anfangs vor allem Zugezogene und Minderbemittelte, also nicht unbedingt die Bevölkerungsgruppen mit der stärksten Lobby. Die klassische luxemburgische Mittelschicht wurde derweil mit zahlreichen Bonbons bei Laune gehalten: Zuschüsse hier, Steuerentlastungen dort. Ohne Erfolg: Die Herausforderung wurde nur noch größer.

Als klar wurde, dass immer nur die Nachfrage unterstützen und immer nur mit Karotten, nie aber mit der Peitsche zu arbeiten, keine Lösung bringen würde, kam es zu einer Revolution. Im Rahmen des Wohnungsbaupaktes von 2008 wurden Steuererhöhungen beschlossen: Ungenutztes Bauland sowie leer stehende Wohnungen sollten einer höheren Grundsteuer unterworfen werden. Doch der Mut verließ die damaligen Verantwortlichen wieder sehr schnell: Nicht die Regierung, sondern die Kommunen sollten die Steuererhöhung beschließen. Also genau die Verantwortlichen, die dem Druck der lokalen Baulandbesitzer am stärksten ausgesetzt sind. Es konnte nicht klappen. Es hat nicht geklappt.

Zehn Jahre später will die Regierung jetzt Nägel mit Köpfen machen. Die Grundsteuer soll zum zentralen Instrument werden, um sicherzustellen, dass auf Bauland auch tatsächlich zeitnah gebaut wird. Es darf nur ein Anfang sein. Will man die oligarchischen Verhältnisse auf dem Wohnungsmarkt brechen, muss die Dominanz der Promotoren gebrochen werden. Es muss wieder möglich werden, einen Bauplatz zu kaufen. Und nicht unausweichlich gleich den Bauvertrag mitunterschreiben zu müssen. Inspiration könnte aus Deutschland kommen: Bauträgerverträge sind hier gegenüber getrenntem Grundstückskauf und Bauauftrag bei der Grunderwerbssteuer benachteiligt. Auch die Regelung einer Ermäßigung der „droits d’enregistrement“ bei einem Wiederverkauf innerhalb von vier Jahren gehört als Spekulationsmotor abgeschafft.

Viel Arbeit demnach für die neue Wohnungsbauministerin. Wobei: Sam Tanson hat nur den Schwarzen Peter. An den Hebeln der nötigen Folterinstrumente sitzen ihre Kollegen in den Ministerien für Landesplanung, Inneres und Finanzen.

13 Kommentare

  1. …Will man die oligarchischen Verhältnisse auf dem Wohnungsmarkt brechen, muss die Dominanz der Promotoren gebrochen werden. Es muss wieder möglich werden, einen Bauplatz zu kaufen. Und nicht unausweichlich gleich den Bauvertrag mitunterschreiben zu müssen….
    Damit ist alles gesagt! Aber welcher Politiker bringt den Mut auf den Hebel dort anzusetzten? Keiner!

  2. In einem Lande wo 75-80 % der Einwohner Grundstückeigentümer sind, kann keine Regierung, so rabiat vorgehen, und endlich das zu erreichen was wir brauchen: man muss das Angebot von Bauland drastisch vergrößern, dann werden die Preise fallen. Es gibt keinen andere Lösung: Auch sollte Baulanderschaffung auf Landesebenen von der Regierung geschehen und nicht im kommunalen Bereich bleiben mit der sich so ergebenden Korruption, Vetternwirtschaft usw… Allerdings müssen dann auch die notwendige Infrastruktur von der Regierung geplant und finanziert werden! Denn unsere Kommunen haben nicht die Knete.

  3. “Nicht die Regierung, sondern die Kommunen sollten die Steuererhöhung beschließen. Also genau die Verantwortlichen, die dem Druck der lokalen Baulandbesitzer am stärksten ausgesetzt sind.”
    Es gibt Komunen wo die Eigner der größten Bauernbetriebe auch gleichzeitig im Gemeinde- oder Schöffenrat sitzen.
    Da ist jede weitere Diskussion Makulatur.

    • So ist es zumindest in der früheren Gemeinde Heinerscheid, jetzt Clerf. In der Ortschaft Lieler hat ein CSV-Bürgermeister es fertiggebracht, die Ortschaft zu verkleinern, indem er eine Strasse, wo Häuser stehen, zur unbewohnbaren Zone erklärt hat, mit Zustimmung des damaligen CSV-Ministers. Das ganze nur, weil sein “Cousin” eine Schweinefabrik zu nahe an der Ortschaft aufbauen wollte. Da wurde die Ortschaft eben einfach verkleinert, und die Schweinerei ist jetzt weit genug von der Wohnzone weg. So einfach war das, ist das, und bleibt das.

  4. Wou se Käschten drécke kéinten, sin déi onméiglech Notaireskäschten an déi Prozenter déi d’Agence astiechen. 3% bei duerchschnettlechen 500.000€ Verkafspräiss sin vill ze vill, fiir puer Mol hin an hier ze rennen an bessen ze diskutéiren.

    • Kee forcéiert ierch fir op eng Agence ze goen….
      P.S. eng Agence verkeeft och net all Daag eppes an huet och chargen ze bezuelen (Loyer, personal, a.s.w.), an, et kann een ëmmer als Verkeefer mat der Agence iwwer de Prais verhandelen (zB 1% bis Prais X, an dann 3% fir alles waat driwwer ass, oder eng Flat Rate vun X-EUR festschreiwen, egal wéi der Prais herno ass).

      • Da probéier mol eppes ouni Agence lass ze gin, vill Spaß beim wuarden. Hues de schon gesin wéi kléng déi Agence sin? Dat sin vläit 2500€ Loyer, eng Rezeptionistin fiir de Mindestloun op 4-6 Makler. Marktsituatioun analyséiren/berechnen kann all Kand mat Excel an enger Kart.
        Iergendeen bezillt déi Prozenter ëmmer…

  5. D‘Internetportaler sin voll vun Verkafsangeboter déi vill Leit sech nött leeschten können. Also mussen sozial Wunnechten gebaut gin! An wien ass dofir zoustänneg??? Den Staat an soss keen! Also wat mecht den Staat? Hien huet jo angeblech 11% vun den Bauterraien. Nun sin déi all am Bau? Neen dat sin sie nött! Also gött en Schöllegen gesicht! D’Regierung versicht den Wunnechtsichenden hieren Onmut op den Bierger ofzelenken déi Bauplatzen hun, anstatt dat déi, déi Responsabel sin, sech dozou bekennen an versichen äppes konstruktives ze änneren. Nämlech d‘Regierung déi et nött fäerdeg brengt sozial Wunnechten an genügender Unzuel ze bauen! Et ass méi einfach den Bierger mat Gesetzer ze kujinéieren hannert engem Schreifdösch, anstatt sengen Flichten no ze kommen an um Terrain sozial Wunnechten ze bauen! Wat d‘Promoteuren ungeet: wann en Promoteur Wisen an Stecker opkeeft mat dem Risiko dat do nött dierf gebaut gin wäll déi Greng Partei dergéint ass, munchmol 10-15 Joer muss virfinanzéieren an plangen, an dann endlech eng Genehmegung kritt fir ze urbaniséieren, dann wöll den Staat den Promoteur zu irgend wällechen Massnahmen zwengen? Geet et nött duer dat den Promoteur souwiesou schons muss en gewössen % Satz als sozialen Wunnechtsbau ausbauen an dem Staat seng Responsabilitéiten muss iwerhuelen? Neen hien soll wahrscheinlech dem Staat seng Responsabilitéit fir den sozialen Wunnechtsbau komplett iwerhuelen? An dann nach zur Grenger Partei: Et huet nach keng aner Partei den Wunnechtsbau esou behönnert wéi sie, mat hieren ömmer méi strengen Gesetzer! Wanns du en Bam ömseets fir en Appartementshaus ze bauen muss du enzwou anerster ees neien unplanzen an usw… Gefuerderten Ömweltetüden déi keen Enn fannen, hier Administratiounen déi joerenlang un Dossiéen brouken… D´Gemengen sin nött fäheg iwerhapt vill nei Bierger op ze huelen wäll hinnen d’Geld fir d’Infrastrukturen fehlt. Och do ass den Staat gefuerdert an et geschitt schons joerenlang neischt oder nött genuch! An dann wöllt d‘Regierung onbedengt den „Schwaarzen Péiter“ den Bierger iwerdroen wäll sie einfach incapabel ass fir hir Aufgaben vum sozialen Wunnechtsbau ze erföllen! Et ass en Scandal! Et ass eng Frechheet! An d‘Regierung versicht Gesetzer ze machen déi den Bierger sein Eegentum anschränken! Iwregens ass den Eegentum vum Gesetz an dem Uno Mönschenrecht protégéiert (Art: 17) Elo schons versicht dé Greng Partei en Schöllegen ze fannen fir hiren voraussehbaren Échec am sozialen Wunnechsbau op anerer ofzewälzen andems sie den Neid töschent den Bierger schürt!

    • Ouh hei, firwat hunn dann 2 Promoteuren zu Boxer alles gemeet, fir, nodeems se sämtlech Infrastrukturen gebaut haten an d’Baugenehmegungen an der Täsch haten, d’Bauplazen einfach net ze verkafen? Ech soen der et: Si hu jorelang um Terrain spekuléiert! An dat si keng Gringer, beileiwe net!

      • Wéi kann een als Aussenstehenden jugéieren virwaat een äppes mecht oder nött mecht? Kann et z.b. sin dat et en juristeschen Streit töschent Aktionären ass den den Verkaaf blokéiert huet? En Stierffall vun engem Entscheidungsträger, en Blokage vun den Banken déi d‘Krediter bewöllegt hun? Ech wees et nött! Mee ech an äerer Platz ging keng wöll Vermutungen unstellen ouni ze wössen öm wat et geet. Dier jugéiert d‘Auswierkungen ouni d‘Uersachen ze kennen!

  6. Fir de Problem ze ëmgoen : mir sin Europa, also kuckt iwwert aeren Teller eraus a fuert puer KM, do ass et méi bëllég a Liewensqualitéit méi héich…

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