Lange, sehr lange war es so, dass die Gemeinden Jahr für Jahr die Defizite der Kirchenfabriken finanziell ausgleichen mussten. Eine Praxis, die erst von einer blau-rot-grünen Regierung beendet wurde. Seit einem Jahr besteht nun ein Kirchenfonds, der mit „neuen Kirchenfabriken“ auf lokaler Ebene die Besitztümer verwaltetet. Eine erste Bilanz.

Lesen Sie zu diesem Thema auch den Kommentar von Robert Schneider

Während Vertreter des Syfel (Syndikat der alten Kirchenfabriken) noch immer gegen die neue Verwaltungsform der Kirchenbesitztümer prozessieren, zieht die Karawane weiter, sprich der vor gut einem Jahr (1. Mai 2018) gegründete Kirchenfonds, der unter der Präsidentschaft von Norbert Haupert arbeitet, legte seine erste Bilanz vor. Er und die weiteren Mitglieder des vierköpfigen Verwaltungsrates des Kirchenfonds, Leo Wagener, Marc Wagener und Philip Mauel, gingen sowohl auf die neue Funktionsweise der Verwaltung der kirchlichen Besitztümer ein als auch auf die vom Fonds verwalteten Gebäude und die kircheneigenen Baugelände, Äcker und Wälder.

Die früheren Kirchenfabriken gibt es offiziell nicht mehr. An ihre Stelle traten nun solche, die in etwa den Gemeinden des Landes entsprechen. 105 solcher Kirchenfabriken werden nun via 33 Pfarrräte („Conseils de gestion paroissiaux“) verwaltet, die wiederum dem Verwaltungsrat des „Kierchefong“ zuarbeiten. Eine „Cellule de coordination et d’assistance“ unterstützt die (größtenteils) rund 1.000 freiwilligen Mitarbeiter, davon 360 Mandatsträger mit einer besonderen Verantwortung (Präsidenten, Sekretäre, Kassierer), der Kirchenfabriken und hilft ihnen zum Beispiel bei der Einführung eines moderneren Buchhaltungssystems.

„Nur noch“ 850 Bankkonten

Als ersten Erfolg der administrativen Vereinfachung der Geldverwaltung sieht der Verwaltungsrat des Fonds die Tatsache, dass die Gesamtzahl der Bankkonten aller Kirchenfabriken von 1.300 auf 850 reduziert werden konnte.

Die Verwalter des Fonds gaben am Dienstag an, nicht zu wissen, wie groß das Vermögen der Kirche insgesamt sei, und argumentierten diese Unkenntnis damit, dass es für das Bistum nicht wichtig sei, wie viel ihr Besitz wert ist, da die Kirche ohnehin nur in Ausnahmefällen Güter oder Immobilien verkaufe. Der Besitz der Kirche sei nicht kurzfristig, sondern sehr langfristig angelegt, der Verkaufswert somit eine rein hypothetische Größe und somit nicht relevant.

Das kirchliche Vermögen umfasst nach der Reform 135 der insgesamt 486 Kirchen und Kapellen des Landes, für deren Unterhalt sie selbst zuständig ist. Die Gemeinden übernahmen 351 solcher Kultstätten. Für diese können Konventionen zur kirchlichen Nutzung abgeschlossen werden. Ein Prozess, der nur langsam anläuft: Bislang sind erst 18 Konventionen für 22 Kirchen in Gemeindebesitz unterzeichnet.

Erste entweihte Kultstätten

Wird eine Kirche nicht mehr gebraucht und ist der Fonds einverstanden, kann diese entweiht werden und somit einer anderen Nutzung zugeführt werden. Dies geschah inzwischen für die Kapellen von Weiher/Fischbach und auf dem Gelände des alten Schlosses von Ansemburg sowie für die Kirche von Lasauvage.

Daneben gehören dem Fonds 160 nicht-religiöse Gebäude, teils mit Büros und Versammlungsräumen, Wohngebäude, 408 Hektar Wald (die von der Natur- und Forstverwaltung verwaltet werden) sowie 1.500 Hektar Felder und Wiesen. Der Kirchenfonds ist ebenfalls im sozialen Wohnungsbau aktiv: 35 solcher Wohnungen sind fertiggestellt, weitere 85 sind im Bau und 250 weitere geplant.

Im ersten Jahr des Bestehens hat der „Fong“ ein Defizit von annähernd 2,5 Millionen gemacht, die Liquididäten belaufen sich auf netto 15,5 Millionen. Nachdem die neuen Verwaltungsstrukturen die Anfangsphase überwunden haben, rechnet der Verwaltungsrat denn auch mit ausgeglicheneren Bilanzen.

In Lasauvage steht die erste entweihte Kirche

Neben zwei Kapellen (Fischbach und Ansemburg) ist die Lasauvager Kirche das erste katholische Kultgebäude, das im Rahmen der Reform der Besitztümer des Bistums entweiht wurde. Eine Renovierung des Gebäudes drängt sich auf; 2 Millionen Euro wurden in einer ersten Phase hierfür vorgesehen (staatliche Beihilfen von etwa einem Viertel der Kosten sind möglich, das Gebäude steht unter Denkmalschutz).

Wie uns Bürgermeister Roberto Traversini erklärte, will die Gemeinde u.a. nicht-religiöse Zeremonien hier veranstalten; zum Beispiel auch Hochzeiten, die vom Bürgermeister oder einem Ratsvertreter durchgeführt werden. Ein entsprechendes Gesetz wird im Übrigen zurzeit von Innenministerin Taina Bofferding vorbereitet. Auch Ausstellungen kommen in das Gebäude, das 1923 von der „Société des hauts-fourneaux de Longwy et de Lasauvage“ der Pfarrei als Schenkung vermacht wurde.

 

17 Kommentare

  1. Ich frage mich, wieso eine Glaubensgemeinschaft Güter braucht, die gar nicht für die Durchführung des Kultes gebraucht werden, wie Wohngebäude, Wald, Felder und Wiesen. Von den sozialen Aktivitäten profitiert wohl nur, wer sich zum Glauben bekennt. Der Artikel beweist, dass es den Religionsgemeinschaften nur um Macht und Geld geht.

    • Wieso sie wohl Ablassbriefe verkauft haben und Kinder ,de facto,in ihren Verein aufnehmen mit dem einzigen Einverständnis der Eltern? Geld ist Macht. Seit der Geschichtsschreibung sind es die Priester und die weltlichen Machthaber die das Volk aussaugen. Demokratie und Bildung waren da nicht vorgesehen.

      • Und die vielen Erbschaften, die Leichtgläubigen abgeluchst wurden indem man ihnen ewige Gnade, oder wie das auch immer genannt wurde, verhiess. Besonders Immobilien und Ländereien fallen ja nicht aus heiterem Himmel in den Schoss der kK.

    • Der Artikel beweist dass der Schreiber eine eher negative Einstellung zur Kirche hat. Die Kirche soll sich selber finanzieren, soll das aber nicht dürfen.

  2. Es gibt sehr viele leerstehende Kirchen in Luxemburg, die womöglich entweiht und veräussert resp. vermietet werden. Da wird noch eine Menge Geld auf die 850 Bankkonten dieser ” gemeinnützigen” Gesellschaft fliessen.

  3. “Nemmen nach 850 Bankkonten” an sie kennen och nach den Gesamtwert vun hiierem Verméigen net. Gewurschtels geet also weider an sie beléien d’Leit weider. Also nach emmer keng Transparenz. Sie kloen iwert hieren Defizit an hier Immobilien sin gréistendeels nemmen wertlos Versammlungs-Säll. Dat ech net lachen. Déi do kommen secher, sou wéi ech och, net an den Himmel.

  4. Mit ‘nur’ 850 Konten kann man schöne Geldschiebereien und Querüberweisungen veranstalten. Was sagt die Steuerverwaltung dazu, die Bankenaufsicht? Und jeder Asbl, die nur ein Grillfest organisiert wird genaustens auf die Finger geschaut ob aber auch wirklich kein Profit gemacht wird.

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