“Der Chirurg operiert immer noch selbst”, erklärt Dr. Juan Santiago Azagra, Chirurg im “Centre hospitalier de Luxembourg” (CHL), als er seine Erfahrungen mit dem neuen OP-Roboter Da Vinci Xi schildert. Seit Februar 2018 befindet sich das derzeit neueste seiner Generation auf dem Markt erhältliche Gerät in der Klinik. Kostenpunkt 2,2 Millionen Euro.

Der letzte Schrei der Technik im OP-Saal besteht aus einer Konsole und vier Armen. An der Konsole sitzt der Chirurg unweit vom OP-Tisch und steuert mit seinen Händen zwei höchst bewegliche Gelenke, die unter einem Schirm positioniert sind. Mit dem Blick auf dem Schirm sieht der Operateur gleichzeitig in 3D und in Echtzeit die Bewegung und die operative Handlung, die er gerade mit den chirurgischen Werkzeugen (Skalpell, Schere oder Greifzange) ausführt.

Die Werkzeuge ihrerseits befinden sich an den vier Armen des Roboters, die sich am und im Körper des Patienten befinden. Wenn er an der Konsole sitzt, steuert der Chirurg mit seinen Füßen die Kamera, die sich über einen der Roboterarme im Körper des Patienten positioniert ist.

„Unser Beruf lebt von der Weitergabe der Erfahrung“

Was Da Vinci Xi außerdem besonders wertvoll macht, ist die Möglichkeit der Weiterbildung. Dr. Martine Goergen, Chirurgin und medizinische Direktorin im CHL, erklärt: “Einzigartig und einmalig in Luxemburg ist die Tatsache, dass im CHL eine zweite Konsole zur Verfügung steht, an der angehende Chirurgen ausgebildet werden. So kann der anzulernende Arzt an der zweiten Konsole beispielsweise während einer Operation seinem erfahrenen Kollegen buchstäblich auf die Finger schauen und mit wachsender Erfahrung selbst mithilfe des Roboters operieren. Oder der erfahrene Operateur kann jederzeit die Steuerung der Instrumente von seinem jüngeren Kollegen auf seiner Konsole übernehmen.” Ein Wechsel zwischen mehreren Operateuren sei so kein Problem mehr. “Bewegen wir unseren Kopf nur wenige Zentimeter vom Konsolenbildschirm weg, stoppen die Instrumente innerhalb einer Sekunde. So können wir beispielsweise Untersuchungen durchführen oder verschiedene Instrumente austauschen”, ergänzt Dr. Azagra. Gleichzeitig können die Chirurgen, insbesondere während mehrstündigen Operationen, vor allem ihre Augen und Hände zwischendurch entlasten.

„Wie ein Menschlein im Körper“

“Das ist ein neues Gefühl auch für uns Ärzte”, erklärt auch Dr. Martine Goergen, spezialisiert auf Gefäß-, Brustkorb- und Innere Chirurgie und medizinische Direktorin im CHL. “Wenn wir mit Da Vinci operieren, sehen wir viel mehr und viel genauer, woran wir gerade arbeiten, als bisher der Fall war – als ob wir ein kleines Menschlein im Körper des Patienten wären”, beschreibt Dr. Goergen.

Bisher wird Da Vinci Xi bei Operationen im Bereich des Verdauungstraktes und des Brustkorbs sowie für urologische Eingriffe verwendet. Demnächst sollen Da Vincis Greifarme auch bei Operationen im Bereich der Frauenheilkunde und der Kinderchirurgie die Ärzte unterstützen.

Die Vorteile einer Operation mit dem Roboter sind vielfältig: Sie reichen von einer schnelleren Genesungszeit dank kleinerer Schnitte an der Hautoberfläche über geringere Verletzungsgefahr im Körperinneren dank präziser Steuerung der Instrumente sowie vielfältiger Einsatz und Koordination mehrerer medizinischer Disziplinen.

Derzeit arbeiten vier CHL-Chirurgen mit dem Roboter. In diesem Jahr werden drei weitere Kollegen daran ausgebildet. Denn eines ist im Beruf des Chirurgen ganz wichtig, betont Dr. Goergen: “Die Weitergabe der Erfahrung”. Der neue Roboter sei in diesem Sinne ein hervorragender Lehrmeister.


Da Vinci Xi live erleben

Im Rahmen der CHL Innovation Days am 16. und 17. März (diesen Samstag und Sonntag) im CHL können Besucher am Sonntag selbst in die Rolle des Chirurgen schlüpfen und mit dem Roboter virtuell “arbeiten”.

Alle Infos und Öffnungszeiten: www.chl.lu


Lesen Sie ein ausführliches Interview mit Dr. Martine Goergen und eine detailreiche Reportage über den OP-Roboter Da Vinci Xi im Magazin des Tageblatt am Samstag, den 23. März.

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