Der Tod von José Carlos Cardoso sorgte im Sommer für Aufregung. Der junge Mann, der als Rapper Puto G auftrat, war im Baggerweiher in Remerschen unter widrigen Umständen ertrunken. Nun bezieht die Regierung Stellung.

Vor rund vier Monaten waren im Weiher von Remerschen gleich zwei Menschen ertrunken. Vor allem der Tod von José Carlos Cardoso, der als Rapper Puto G bekannt war, löste dabei Entsetzen aus. Die investigative Recherche der Contacto-Reporterin Paula Telo Alves deckte dabei gleich eine Reihe von Ungereimtheiten auf. Personal, das nicht in der Lage war, den Notstand der Situation richtig einzuschätzen. Personal, das eigentlich überhaupt nicht für die Sicherheit im Weiher zuständig ist. Und Personal, das angeblich das Eintrittsband des Verstorbenen nachträglich entfernt haben soll.

Nach der Übersetzung des Artikels ins Französische wurde der Fall Puto G zum Politikum: Im August haben die beiden LSAP-Abgeordneten Franz Fayot und Alex Bodry eine parlamentarische Anfrage mit mehreren offenen Fragen an die Minister Carole Dieschbourg (“déi gréng”), Dan Kersch (LSAP) und Nicolas Schmit (LSAP) gerichtet.

Eine Frage der Verantwortung

Drei Monate und eine Wahl später hat die Regierung nun dazu Stellung bezogen. Sie verweist dabei auf die laufende Untersuchung der Staatsanwaltschaft. Demnach sei keine Autopsie am Leichnam durchgeführt worden, da die Verantwortlichen von Beginn an eine Einwirkung Dritter ebenso ausschließen konnten wie einen möglichen Zusammenhang mit der Algenpest im Weiher. “Es handelt sich um einen Badeunfall”, zitiert die Regierung das Schreiben der Staatsanwaltschaft. Aktuell wird weiterhin wegen unterlassener Hilfeleistung ermittelt. Laut Presseabteilung der Staatsanwaltschaft sollen die Ermittlungen in Kürze abgeschlossen sein.

Die Regierung stellt sich dabei hinter die Beamten des Rettungsdienstes. Demnach seien nach dem Empfang des Notrufs sämtliche Eingriffe in Übereinstimmung mit den Regeln und Prozeduren eingehalten worden. Auf die Frage, zu welchem Zeitpunkt der Notruf erfolgte, gab die Regierung indes keine Antwort. Allerdings teilte sie mit, dass das Sicherheitspersonal vor Ort die klare Anweisung hat, “bei einem Badeunfall sofort die Notrufnummer 112 zu wählen, unabhängig davon, ob bereits Freunde oder andere den Notdienst benachrichtigt haben”.

Laut Contacto-Artikel ist gerade dies nicht geschehen: Das Personal soll zu Beginn mit Desinteresse auf die Hilferufe der Bekannten von José Carlos Cardoso reagiert haben. Erst eine Stunde nach dem Badeunfall soll der Notdienst benachrichtigt worden sein.
Zudem hieß es im Artikel, dass das Sicherheitspersonal keine Ausbildung als Rettungsschwimmer habe. Auch Tom Weber, Schöffe der Gemeinde Schengen, sagte im August dem Tageblatt gegenüber: “Jeder Besucher ist eigenverantwortlich und für seine eigene Sicherheit zuständig.” Laut Regierung soll das Sicherheitspersonal jedoch bestens geschult gewesen sein und durchaus als Rettungschwimmer ausgebildet worden sein.
Für Badeplätze gibt es im Übrigen keine verbindliche Gesetzgebung für Sicherheitsbedingungen. Die Verwaltungen halten diese jeweils von Fall zu Fall unabhängig fest, wenn sie die Badeerlaubnis erteilen.

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