Schwarz-braun fließt der “irische Champagner” aus der Flasche, im Glas bildet sich die typische cremefarbene Schaumkrone. Guinness ist nicht nur in seiner Heimat beliebt, sondern auch ein Exportschlager der Insel.

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Seit 1778 wird das Starkbier in der Brauerei St. James’s Gate in der irischen Hauptstadt Dublin hergestellt. In silbern glänzenden Tankwagen verlässt das Gebräu die Backsteinanlage und wird zum Abfüllen ins nordirische Belfast gebracht. Dieser Weg könnte für die Brauerei zum Problem werden: Noch rollen die Lkws ungehindert über die unsichtbare Grenze. Doch nach dem Brexit könnten Grenzkontrollen zwischen dem EU-Land Irland und dem zu Großbritannien gehörenden Nordirland die Fahrt bremsen.

Zweimal Grenzkontrollen

“Die irische Getränkeindustrie spielt sich auf beiden Seiten der Grenze ab”, sagt Patricia Callan, Vorsitzende des irischen Verbandes der Alkoholproduzenten. 23.000 Grenzübertritte zähle die Branche pro Jahr. “Auch nur eine Stunde Verzögerung an der Grenze würde etwa hundert Euro pro Lastwagen kosten.” Sowohl London als auch Brüssel möchten Grenzkontrollen auf der Insel verhindern. Doch noch gibt es keine Lösung, wie Zollkontrollen an der künftigen EU-Außengrenze vermieden werden könnten. Guinness gehört zu dem internationalen Getränkekonzern Diageo, der im vergangenen Jahr einen Nettoumsatz von mehr als zwölf Milliarden Pfund (14 Milliarden Euro) erzielte.

Etwa 35 Prozent des Bieres von Diageo werden laut Zahlen von 2014 in der Dubliner Brauerei produziert, darunter drei Millionen Pint (1,4 Millionen Liter) Guinness pro Tag. “Für uns ist ein reibungsloser Grenzübertritt für Menschen und Waren unglaublich wichtig”, sagte der Europa-Chef von Diageo, John Kennedy, vergangenes Jahr. Ein großer Konzern wie Diageo könne Schwierigkeiten an der Grenze meistern – für die kleinen Zulieferfirmen sei das viel schwieriger. Seamus Leheny vom irischen Fracht-Verband befürchtet, dass Diageo wegen des Brexit die Fabrik in Nordirland schließen könnte.

“Der Notfallplan für einen ungeordneten Brexit sieht vor, einige Betriebe in die Republik Irland zu verlegen.” Das für den Export bestimmte Guinness müsste gleich zweimal die Grenzkontrollen passieren: Nach dem Abfüllen in Belfast geht es wieder zurück nach Dublin, von wo aus es mit dem Schiff weiter transportiert wird. Die höheren Kosten hätten vermutlich die Verbraucher zu tragen. Das fürchtet zumindest John Fearon, der den rustikalen Pub “The Gap O’ the North” im nordirischen Jonesborough einen halben Kilometer hinter der Grenze betreibt. “Dieser Pub ist bekannt für ein gutes Glas Starkbier”, sagt der 65-Jährige. Wird es teurer, könnte die Kundschaft ausbleiben. “Es ist schon jetzt schwer genug, Gäste hier reinzubekommen.”

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