Am Mittwoch musste sich Sven H. vor der von Elisabeth Capesius präsidierten 9. Kammer verantworten. Auf einer Heimfahrt soll er einen Wagen, in dem sich damals sowohl er als auch sein Cousin befanden, mit einem selbst gebastelten Brandsatz entzündet haben.

Von Carlo Kass

Sowohl der Angeklagte als auch dessen Cousin konnten damals aus dem brennenden Auto gerettet werden. Das Opfer erlitt leichte Verletzungen an seiner Hand, als es einen brennenden Teppich aus dem Wagen ziehen wollte, während der Angeklagte damals „Schäiss Alien“ schrie und weglief. Sein Cousin wusste, dass der Täter unter psychischen Problemen litt – eine Psychiaterin stellte bei ihm Psychosen fest –, aber erst im Nachhinein habe er herausgefunden, dass sich Sven H. ein Lösungsmittel der Sorte White Spirit besorgt hatte und dieses im Keller aufbewahrte.

Der Angeklagte hatte dem Opfer während seiner Untersuchungshaft mitgeteilt, dass es ihm leidtue. Sein Cousin nahm die Entschuldigung am Mittwoch im Zeugenstand aber nicht an, und zwar mit der Begründung, dass er einfach nicht verstehen könne, wie man einem Menschen, der einem lediglich helfen wollte, so etwas antun könne. Sein Anwalt forderte in seiner Nebenklage 10.000 Euro Schadenersatz, während die Anwältin der Versicherung der Mutter und Wagenbesitzerin insgesamt 27.425 Euro für den Schaden am Fahrzeug verlangte.

Der Beschuldigte habe zwei Tage vor der Tat ziemlich in sich gekehrt gewirkt, so ein Zeuge, der den Angeklagten bei der Wohnungshilfe „Etape21“ kennengelernt hatte, vor Gericht. H. habe Stimmen gehört, die ihm sagten, er müsse etwas Böses tun. Nach der Tat habe der Täter dem Zeugen dann erzählt, dass er sich und seinen Cousin im Wagen habe umbringen wollen. „Sollen wir uns nicht das Leben nehmen?“, soll er dann auch den Zeugen gefragt und sich anschließend mit ihm und einer Spraydose in seinem Zimmer eingeschlossen haben. Dem Zeugen soll es gelungen sein, H. die Spraydose abzunehmen. Danach soll auch die Polizei an die Tür geklopft haben.

15 Jahre Haft wegen Mordversuch?

Am Mittwoch gab der Angeklagte zu, dass er sich damals mehrere Male das Leben nehmen wollte. Dazu habe er auch Spray inhaliert. Er habe nicht geplant, den Molotowcocktail im Auto zu zünden. Er habe vorgehabt, den Inhalt der Flasche über sich zu schütten und sich selbst dann anzuzünden. Im Auto habe er hierfür mehrere Feuerzeuge getestet. Es sei nicht seine Absicht gewesen, seinen Cousin zu verletzen. Eigenen Angaben zufolge soll sich der Angeklagte seiner Psychose nun bewusst sein und auch einsehen, dass er nicht auf Medikamente verzichten könne. Warum er das Opfer „Alien“ nannte, könne er sich jedoch nicht erklären – ein Grund hierfür könnte seine Psychose gewesen sein, etwas, das auch als „erweiterte Wahrnehmung“ verstanden wird.

Der Anwalt von H. plädierte darauf, dass es sich hierbei um fahrlässige Verletzung während eines mental sehr prekären Zustands gehandelt habe, und strich die Bereitschaft seines Mandanten hervor, sich helfen zu lassen. Dieser sitzt seit 14 Monaten im Gefängnis und steht erstmals vor Gericht, was eine bedingte Bewährung erhoffen lasse.

Der öffentliche Ankläger sprach indes von einem Spiel mit dem Feuer, das tödlich hätte enden können. Die Aussagen vor dem Untersuchungsrichter und dem Psychiater seien zudem widersprüchlich. Außerdem bemängelte der öffentliche Ankläger, dass der Angeklagte zur Tatzeit nicht nur bewusst seine Medikamente nicht einnahm, sondern auch noch Alkohol trank. Deshalb greife in diesem Fall Artikel 71,1 zur Verminderung der Schuldfähigkeit formaljuristisch nicht. Der öffentliche Ankläger plädierte gar darauf, dass es sich hierbei um eine vorsätzliche Tat handelte, da der Angeklagte die Flasche vor der Tat mit Testbenzin gefüllt hatte. Er forderte 15 Jahre Haft wegen Mordversuchs. Sollte das Gericht eine teilweise Aussetzung zur Bewährung aussprechen, so müsse der Täter während dieser Zeit aber in therapeutische Behandlung, meinte der Staatsanwalt abschließend.

Der Verteidiger antwortete hierauf nicht, lediglich sein Klient entschuldigte sich erneut. Das Urteil wird am 29. November gesprochen.

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