Vor 76 Jahren wehrte sich das kleine Luxemburg gegen die Naziherrschaft. In Wiltz fand damals der Auftakt zum landesweiten Generalstreik vom 31. August 1942 statt. Auch in diesem Jahr wurde mit einer Gedenkfeier am Ort des Geschehens an das heldenhafte Aufbegehren gegen das menschenverachtende Regime der deutschen Besatzer erinnert.

Von unserem Korrespondenten Olivier Halmes

Es waren Wiltzer Arbeiter und Angestellte der Ideal-Lederwerke, die am Morgen des 31. August 1942 als Erste im Land ihre Arbeit niederlegten. Kurz darauf schlossen sich auch andere Betriebe, Handwerker, die Lehrerschaft sowie Gemeindeangestellte aus Wiltz der Protestaktion an. Im Verlauf des Tages ergriff die Streikwelle weitere Ortschaften und weitete sich bis in den Süden Luxemburgs aus.

Auslöser der Proteste war die Ankündigung von Gauleiter Gustav Simon, die Wehrpflicht für Luxemburger einzuführen. Die deutschen Besatzer wollten die Jahrgänge 1920 bis 1924 zur Teilnahme an Hitlers Krieg zwingen. Für dieses Aufbegehren gegen die Naziherrschaft wurde jedoch ein hoher Preis gezahlt. Die Deutschen schlugen den Streik brutal und blutig nieder. Standgerichte verurteilten 21 Menschen zum Tode. Alleine sechs Opfer wohnten in Wiltz.

Fünf Minuten lang heulten Sirenen

Während der deutschen Besatzung im Zweiten Weltkriegs waren 3.963 Menschen aus Luxemburg in Konzentrationslagern oder in Gefängnissen inhaftiert. 791 fanden dort den Tod. Von den 10.211 Zwangsrekrutierten der Jahrgänge 1920 bis 1924 (später ausgeweitet bis auf das Jahr 1927) kamen 2.848 ums Leben und 96 wurden als vermisst gemeldet. Um 11.00 Uhr heulten am Freitag für fünf Minuten in Wiltz die Sirenen zum Gedenken an die Opfer des Streiks. Bei der Pförtnerloge der ehemaligen Ideal-Lederwerke wurden Blumen niedergelegt. Hier befindet sich auch eine Gedenkplakette an die Ereignisse. Die eigentliche Zeremonie fand kurz darauf am “Monument national de la grève” in Oberwiltz statt.

In seiner Ansprache ging Bürgermeister Frank Arndt (LSAP) auf die Verpflichtung ein, sich an die Geschichte zu erinnern. Die schlimmen Geschehnisse während der Nazidiktatur dürften sich nicht wiederholen. Freiheit und Frieden seien eben leider keine Selbstläufer. Man müsse etwas dafür tun, damit dieser Zustand auch erhalten bliebe, im Kampf gegen falsch verstandenen Nationalismus und Fremdenhass in unserer Gesellschaft, so Arndt.

“Mir däerfen dat net vergiessen a mussen dee Message och un déi jonk Generatiounen erundroen”, fügte Laurent Moyse vom “Comité pour la mémoire de la Deuxième Guerre mondiale” in seiner Rede hinzu. “Et geet virun allem drëms ze verstoen, wéi et iwwerhaapt deemools esou wäit konnt kommen a wéi séier eng Situatioun kann ëmschloen an eng ganz Bevölkerung, ee ganzt Land seng Fräiheet dobäi verléiert.” Insbesondere in Hinblick auf unsere heutige Zeit, in der erneut Kräfte am Werk seien, die Hass, Intoleranz und Ausgrenzung in der Gesellschaft verbreiten.

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