James Packer ist einer der reichsten Australier. Bisher auch einer der einflussreichsten: Der Milliardär saß bei über 20 Unternehmen im Vorstand. Doch psychische Probleme zwangen den Geschäftsmann, von allen Positionen zurückzutreten.

Von unserer Korrespondentin Barbara Barkhausen

Männer werden gerne als das “starke Geschlecht” bezeichnet. Über mentale Probleme zu sprechen, passt da für viele nicht ins Konzept. Auch James Packer galt bisher als ein zupackender Geschäftsmann. Der fast zwei Meter große, massive Australier wirkte alleine schon aufgrund seiner körperlichen Größe “tough”. Zudem war der 50-Jährige bisher in eine Vielzahl an Geschäftsdeals in Australien verwickelt. Laut Forbes ist er mit einem Vermögen von 4,1 Milliarden Dollar einer der zehn reichsten Australier.

Dass genau dieser profilierte Geschäftsmann nun bereitwillig seine sehr persönlichen Probleme als Grund für den Rückzug aus dem öffentlichen Geschäftsleben zitiert, ist “ungewöhnlich”, wie John Brogden, Vorsitzender des australischen Krisenhilfsdienstes Lifeline, bereits im März in einem Meinungsstück für die Australian Financial Review schrieb. Damals hatte Packer schon seinen Job an der Spitze der Crown Resorts abgegeben, bevor er jetzt sämtliche seiner australischen Positionen hinwarf.

“Das macht Packer zu einer einsamen Figur in der Wirtschaft, aber gleichzeitig zu einer mutigen und wichtigen”, schrieb Brogden, der selbst mit Depressionen kämpft und dies offen zugibt. Dass Packer seine Probleme auf den Tisch gelegt habe, zeige, “dass wir alle menschlich sind und dass – von Zeit zu Zeit – eine schlechte psychische Verfassung uns Probleme bereiten kann”. Packer kündigte in den vergangenen Wochen 22 leitende Positionen, wie jetzt bekannt wurde. Ende Juni trat er aus dem Vorstand seines Privatunternehmens Consolidated Press Holdings zurück. Am gleichen Tag legte er weitere 19 Positionen ab. Zwei weitere Spitzenjobs folgten in den Tagen danach.

Üppiges Erbe

Packer war 2005 einer der reichsten Australier geworden, als sein Vater, der prominente Medientycoon Kerry Packer, starb. Damals verkaufte er dessen Verlags- und Fernsehportfolio und gründete sein Kasinoimperium Crown. Packer saß im Vorstand einiger der größten australischen Unternehmen, darunter die Fluggesellschaft Qantas. Als Grund für den Rückzug des Geschäftsmannes wurde bereits im März ganz offiziell eine psychische Erkrankung angegeben. Um welche Erkrankung es sich handelt, wurde zwar nicht öffentlich bekannt gegeben, einige lokale Medienberichte sprachen jedoch davon, Packer leide an Depressionen und Angstzuständen. In den vergangenen Monaten soll der Milliardär fünf Wochen in einer psychiatrischen Klinik in Boston in den USA verbracht haben.

Packer hat sicherlich eine turbulente Phase hinter sich: 2013 zerbrach seine Ehe mit seiner Frau Erica, mit der der Australier drei Kinder hatte. Kurzzeitig war er danach mit der amerikanischen Sängerin Mariah Carey verlobt, doch auch diese Beziehung ging in die Brüche. Nach diesem privaten Tiefpunkt gestand der Milliardär der Wochenendausgabe des Australian, dass er 2015, als er den Superstar kennenlernte, bereits an einem persönlichen Tiefpunkt gewesen sei. Damals hatte Packer Schulden in Milliardenhöhe gemacht, um seine Schwester Gretel auszuzahlen, und hatte Verluste mit seinem Hollywood-Venture RatPac hinnehmen müssen.

Später scheiterte seine Expansionsstrategie, seine Crown Resorts global zu etablieren, wie er in einem Interview 2017 eingestand. Im gleichen Jahr setzte ihm die Verhaftung mehrerer seiner Kasinoangestellten in China schwer zu. Im Februar 2018 wurde Packer zudem von der israelischen Polizei als Zeuge in einem Bestechungsskandal genannt, in den der israelische Premierminister Benjamin Netanjahu verwickelt war.

3 Kommentare

  1. Gratuliere.
    Wenn man nicht weiss wann man aufhören sollte kommen solche Sachen vor.
    Nun ist man Milliardär und schaut den ganzen Tag in eine Ecke.

  2. Ja, Geld ist nicht alles im Leben. Geld macht nicht glücklich. Aber James Packer wird sich eine hervorragende Therapie leisten können und sollten die 4,1 Mia Dollar ihn doch noch zu sehr belasten: auf der Welt gibt es Millionen Menschen in Not, denen er helfen kann. Davon wird er nicht wesentlich ärmer aber das Dasein zahlloser Menschen etwas lebenswerter.

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