Simone Neumann-Geimer (53), von den meisten Mim genannt, ist Escherin mit Leib und Seele. Verheiratet, vier erwachsene Kinder. Ihr Leben ist geprägt von der Arbeit als Leiterin einer Kindertagesstätte und von Musik. Um Menschen zusammenzubringen und zusammenzuhalten, engagiert Simone sich sehr, so wie sie sich auch mit Nachbarn gegen das Turmprojekt in ihrem Viertel engagiert hat. Mit Erfolg!

Von Marco Goetz

Donnerstagabend im Viertel Uecht. Früher lebten Direktoren und Ingenieure der Arbed hier. Die prachtvollen Häuser sind geblieben. Simone wohnt in einem großen Doppelhaus. In der einen Hälfte ist die Familie, in der anderen die Kindertagesstätte „De Butzeneck“ untergebracht. Simone dürfte somit einen der kürzesten Arbeitswege der Welt haben. Bilder, von einem ihrer Söhne gemalt, Familienfotos, elegante Glas-Kronleuchter und ein schwarzer Flügel dominieren das lichtdurchflutete Wohnzimmer. Auf dem Tisch: eine Klarinette, eine Flasche stilles Wasser und zwei Gläser. Boxerhündin Anka liegt auf dem Boden und blickt durchs Fenster. Es regnet. Trotzdem strahlt der Garten Behaglichkeit aus.

Simone fühlt sich wohl in ihrem Viertel. Deshalb hat sie sich auch über Jahre, gemeinsam mit Nachbarn, vehement gegen das 70 Meter hohe Turmprojekt auf dem Gelände der ehemaligen Garage Losch eingesetzt. Dass sie dem „Nimby“-Effekt verfallen sei, lässt sie nicht gelten: „Es ging nicht darum, die urbanistische Entwicklung der Stadt zu bremsen, sondern ein nicht ins Viertel passendes Immobilienprojekt zu verhindern.“ Am 3. Mai kommt die Entwarnung aus dem Gemeinderat. Das Hochhaus ist definitiv vom Tisch. Was jetzt gegenüber gebaut werden soll, weiß Simone nicht genau. Aber Queen Mim, wie Simone sich spaßeshalber selbst nennt, will alles im Auge behalten.

25 Jahre „De Butzeneck“

Wenn Simone über Esch spricht, wird schnell klar, wie sehr sie an ihrer Stadt hängt. „Ich bin Escherin durch und durch“, sagt sie. In Esch geboren, aufgewachsen, getauft, sie hat auch dort die Kommunion und Firmung gemacht. Sie mag die Stadt und ihre Bewohner mit all ihren Ecken und Kanten. Die Wahl, in der „Minettemetropole“ zu bleiben und mit ihrer Familie hier zu leben, hat sie nicht zuletzt der kurzen Wege und des breiten Angebotes wegen getroffen: „Theoretisch kann man hier in der Stadt alles zu Fuß erledigen.“ Besonders die Nähe zum Konservatorium gefällt der musikbegeisterten Familie sehr. Seit 25 Jahren leitet Simone die Kita „De Butzeneck“. Morgen wird gefeiert. In der „Maison des jeunes St-Joseph“.

Auch mit Jugendlichen und Erwachsenen, die als Kinder die „Crèche“ besuchten: „Wir sind eine große Familie geblieben.“ Dass Simone, damals vor 25 Jahren die Betreuungseinrichtung gründet, liegt auch daran, dass sie einer Arbeit nachgehen möchte, gleichzeitig aber ihre eigenen kleinen Kinder tagsüber um sich haben möchte. Das wäre in keinem anderen Beruf gegangen, meint sie. Die Arbeit gefällt ihr und sie hat alles drangesetzt, damit das Fest ein Erfolg wird. Dazu gehört auch Simones eigens für den Anlass geschriebenes Theaterstück „D’Zappelmänner ginn op d’Rees“. Es handelt vom Wert der Sprachenvielfalt und der Bedeutung des Heimkehrens in das, was man Heimat nennt.

Der Luxemburger Heimat fühlt sich Simone genauso verbunden wie der Stadt Esch. Sie spricht und hört gerne Luxemburgisch und genießt den kosmopolitischen Charakter der Stadt. Und so wie ihre „Zappelmänner“ geht Simone gerne und oft auf Reisen, um Neues kennenzulernen und um anschließend entspannt nach Esch zurückzukehren. Hier wartet dann neben der Arbeit im „Butzeneck“ bestimmt noch irgendeine andere Betätigung auf Simone. Langeweile scheint sie jedenfalls nicht zu kennen.

„Eigentlich bin ich seit jeher schon immer mehr auswärts als zu Hause“, sagt Simone. Eine Pause hat sie nur gemacht, als die Kinder klein waren. Aber sie braucht dieses Zusammengehörigkeitsgefühl, ob in der Familie, im Freundeskreis oder in ihrem Chor, den „Escher Sängerfrënn“. Dieser Chor bedeutet ihr sehr viel. Ein- bis zweimal die Woche wird geprobt. Mehr aber vielleicht noch als die Proben sind ihr die Stunden der Geselligkeit danach ans Herz gewachsen. Das Zwischenmenschliche, der Austausch ist ihr wichtig: „Da wird es schon mal Mitternacht oder noch später.“

Ein Konzert für „Esch 2022“

Wer so beschäftigt ist, findet nicht unbedingt immer Zeit und Muße, um sich stundenlang dem Kochen zu widmen. Bei Simone ist das nicht anders. Man merkt schnell, dass Kochen nicht zu ihren Lieblingsbeschäftigungen zählt. „Lass mich lieber irgendein Ereignis organisieren, ein Fest, ein Konzert, da bin ich Feuer und Flamme“, sagt sie. Auch im Hinblick auf „Esch 2022“ ist sie bereits am Planen. Ein Konzert. Mehr verrät sie nicht.
Was wünscht sie sich für die Zukunft? „Irgendwann Großmutter zu werden, und ich möchte, dass die Menschen in Frieden miteinander leben.“ Den ersten Wunsch werden ihre Kinder ihr in absehbarer Zeit wohl erfüllen. An dem zweiten arbeitet sie selbst mit ihrer schier überbordenden Energie. In die Politik möchte sie nicht: „Ich würde vieles zu persönlich nehmen!“

In unserer Porträt-Serie geht es um Menschen wie dich und mich. Um bekannte und unbekannte Gesichter und Namen. Um versteckte Hobbys, Träume und Gaben. Bezug zur Aktualität kann es geben, muss es aber nicht. Es sind Geschichten über Menschen, die in Luxemburg leben und unsere Gesellschaft beleben. Geschichten über „Menschen wie wir“.

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