Wanderschafe bieten eine praktische Alternative zum Mähen und tragen durch ihren Unterhaltungswert dazu bei, die Öffentlichkeit zu sensibilisieren. Bei der Pressevorstellung im “Gaaschgronn” in Strassen bot sich die Gelegenheit, die lebenden “Määhmaschinen” in Aktion zu sehen.

Die gemischte 300-köpfige Schafherde ist derzeit auf rund 50 Flächen im Auftrag des Naturschutzsyndikats Sicona im Südwesten des Landes unterwegs. Das Ziel der Schafsherde sind unter anderem die dort vorkommenden Sandmagerrasen, wertvolle natürliche Lebensräume, die heute nur noch selten zu finden sind. Diese nährstoffarmen und artenreichen Graslandflächen bilden sich auf besonnten Sandböden aus und sind daher typisch für die Region des Luxemburger Sandsteins.

Hasenklee auf der ehemaligen Deponie

Im “Gaaschgronn” besteht ein Teil des Gebiets aus einer ehemaligen abgedichteten und renaturierten Hausmülldeponie. Durch eine Übertragung von Mähgut aus anderen Sandmagerrasenflächen gelang es dem Sicona, typische Arten wie Hasenklee, Natternkopf und Sprossendes Nelkenköpfchen dort anzusiedeln. So erobert dieser sehr selten gewordene Lebensraum neue Standorte. Um die Sandmagerrasen langfristig zu erhalten und ihre weitere Entwicklung zu fördern, ist eine angepasste Pflege notwendig, wobei es gilt, eine Verbuschung und Nährstoffanreicherung auf den Flächen zu verhindern.

Seit dem Frühjahr 2017 erfolgt diese Pflege jeweils im Mai und September durch eine Beweidung mit Wanderschafen von der Schäferei Weber aus Lieler. Im Vergleich zu konventionellen Wiesenmähern und Freischneidern bringt der Einsatz der lebenden “Määhmaschinen” viele Vorteile mit sich.

Die Schafe fördern durch Tritt und Scharren offene Bodenstellen, wo die typischen Arten der Sandmagerrasen keimen können. In Luxemburg ist die Landschaft durch zahlreiche Verkehrswege stark zerschnitten. Pflanzenarten, die auf bestimmte Lebensräume angewiesen sind, können sich aufgrund isolierter Standorte nicht weiter ausbreiten.

Ökomäher mit hoher Mähleistung

Die wandernden Schafsherden übertragen Samen und Insekten, die sich am Pelz anhaften, von einem Standort auf den anderen und tragen somit zur Schaffung eines Biotopenverbundes bei. Aus diesem Grund werden bewusst die Sandmagerrasen nacheinander von den Schafen beweidet. Schlussendlich sind die Schafe wesentlich ökologischer, da sie ohne fossile Brennstoffe auskommen und somit einem Anstieg von schädlichen Emissionen entgegenwirken.

Sehr beeindruckend ist ebenfalls die Mähleistung, etwa ein Hektar täglich wird von der Schafsherde abgemäht, eine Leistung, die eigentlich nur mit schweren, bodenverdichtenden Maschinen möglich ist.

F.A.

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