Auf dem Weg zum Rückspiel der Play-offs der Europa League kassierte der F91 Düdelingen eine überraschende 1:4-Pleite gegen Mondorf. Die Luxemburger Sportpsychologin Marie Lanners erklärte gestern gegenüber dem Tageblatt, warum diese Niederlage positive Aspekte haben kann und wie die Mannschaft reagieren sollte.

Nach der zweiten Saisonniederlage war der Frust groß. Erst am vergangenen Donnerstag stieß der F91 die Tür zur Europa-League-Gruppenphase gegen den rumänischen Meister Cluj groß auf, am Sonntag folgte die Ernüchterung in der BGL Ligue – ausgerechnet vier Tage vor dem Spiel der Spiele. “Das Wichtigste ist, die Niederlage zu akzeptieren”, erklärte die Luxemburger Sportpsychologin Marie Lanners. “Das Thema anzusprechen, darüber reden, ohne aber die Spieler dadurch nach unten zu ziehen” sei in einer ersten Phase bei den Ansprachen des Trainerstabs wichtig. Die Spieler dagegen werden sich nach so einem Erlebnis wieder infrage stellen, meinte sie. Dadurch können einige Charaktere auch gestärkt aus einer solchen misslungenen Generalprobe hervorgehen: “Ganz starke Persönlichkeiten, wie Stürmer beispielsweise, können Energie aus der Wut schöpfen.”

Genau diese Einstellung könnte nämlich am Donnerstag auch der Schlüssel zum Erfolg sein: “So ein 2:0-Vorsprung kann auch gefährlich sein. Wir reden hier von einem psychologischen Vorteil. Doch als Spieler sollte man sich immer wieder sagen, dass man wieder bei 0:0 anfängt und sich den Sieg erkämpfen muss. Heißt in diesem Fall also, man könnte den Gegner mit einer Offensivtaktik überraschen anstatt sich hinten reinzustellen.” Mondorf jedenfalls präsentierte sich im Stade Nosbaum mit genau dieser Einstellung und profitierte vom richtigen Zeitpunkt, um den Meister zu knacken.

Identische Rituale

“Sie sollen aus ihren Fehlern lernen, um gestärkt aus der Niederlage hervorzugehen”, sagte Lanners. An der Vorbereitung und den Ritualen, die sich über die letzten Wochen eingebürgert haben, sollten die Düdelinger trotz der Niederlage vom Wochenende nichts ändern. “Rituale geben Selbstvertrauen. Man sollte zudem verhindern, dass sich die Spieler mit dem Ausgang und den negativen Konsequenzen der Partie beschäftigen.”

Das Ausscheiden aus der Europa League dürfe also in dieser Woche kein Thema sein. “Bilder von Erfolgserlebnissen und die Stärken des Teams sollten im Vordergrund stehen, nach dem Motto: Das tun, was man gut macht. Hinzu kommt, dass man auch taktische und mentale Schemen wiederholen kann.” Eine andere Möglichkeit sei, die Spieler daran zu erinnern, dass sie sich den Respekt bereits verdient haben.

Statt sich in den nächsten Stunden noch einmal an die misslungene Generalprobe zu erinnern, rät Lanners ihren Kunden in solch einer Situation auch zur Ablenkung: “Druck empfindet jeder Spieler anders. Einige sind da ganz offen, voller Kampfgeist und freuen sich auf so eine wahnsinnige Herausforderung. Andere dagegen sind introvertierter und grübeln viel. Sie haben dann die Tendenz, sich zu viele Sorgen zu machen. In diesem Fall ist Ablenkung sehr wichtig, denn viel überlegen frisst Energie.” Auch Entspannungsübungen oder eine Abkühlung im Schwimmbad können helfen, den Stress am Vortag der Partie zu senken.

Am Spieltag selbst rät Lanners dann zu einem positiven “mind-set”: “Nach dem Aufstehen kann man sich z.B. sagen, dass man fit und durchtrainiert ist, die eigenen Stärken noch einmal laut aufsagen und an die Ziele für das Spiel denken. Mental stark zu sein bedeutet auch, dass man weiß, wozu man in der Lage ist. Das gibt Sicherheit.”

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