Wer Arzt werden will, muss Luxemburg verlassen. Trotz Ärztemangel ändert sich daran wohl nichts: Ein Uniklinikum ist nicht in Sicht.

Vor wenigen Jahren ging ein Gespenst um in Luxemburg. Das Gespenst einer “Medical School”. An der Universität sollte eine Fakultät oder eine unabhängige Einheit entstehen, um Ärzte auszubilden. Das Ziel: die medizinische Grundausbildung vollends in Luxemburg anzubieten.

Das Projekt kannte viele Befürworter; darunter Ärzte, die Vereinigung der Luxemburger Medizinstudenten (ALEM), aber auch prominente Vertreter wie Prof. Rudi Balling. Der Direktor des Forschungsinstituts LCSB sprach von einem “missing link” zwischen Forschung und Lehre – zwischen seinem spezifischen LCSB, das neurologische Krankheiten wie Parkinson und Alzheimer erforscht, und dem Hörsaal der Universität. Andere sahen darin die Lösung, um gegen den Ärztemangel in Luxemburg vorzugehen.

Die “Medical School” kannte aber auch Gegner, die das Projekt schon allein aus Kostengründen für überambitioniert hielten, aber auch aufgrund fehlender Infrastruktur und Know-how. Die Regierung entschied sich 2017 schließlich gegen die Pläne. Vor allem aus Kostengründen. Denn eine eigene Fakultät auszubauen würde rund 65 Millionen Euro jährlich kosten (bei einem UNI-Budget von aktuell 295 Millionen Euro), eine kleine “Medical School” laut konservativen Schätzungen immerhin auch noch rund 20 Millionen Euro, so die damaligen Berechnungen.

Lösung à la luxembourgeoise

Die Regierung entschied sich jedoch für eine dritte Option: “Ein Lösung à la luxembourgeoise”, wie Hochschulminister Marc Hansen (DP) damals sagte. Ab dem Wintersemester 2020/2021 soll ein dreijähriger Bachelor-Studiengang für Medizin angeboten werden. Tatsächlich kann in Luxemburg seit Ende der 1960er-Jahren lediglich das erste Jahr des Medizinstudiums absolviert werden. Dafür stehen 100 Plätze zur Verfügung. Danach müssen die Studierenden Luxemburg verlassen und sich an einer benachbarten Universität immatrikulieren. 50 Plätze sind an den Unis in den Nachbarländern reserviert: 34 in Frankreich, 15 in Belgien, drei in Deutschland.

Mit der neuen Gesetzgebung kann nun der gesamte Bachelor-Studiengang in Medizin hier absolviert werden. Das macht noch keinen Arzt, aber immerhin. Allerdings sind die Plätze nach dem ersten Jahr auf 25 Studierende reduziert. Den Ärztemangel kann der neue Studiengang also auch nicht auffangen. Jährlich benötigt Luxemburg rund 100 neu ausgebildete Ärzte, um den medizinischen Anforderungen einer wachsenden und älter werdenden Bevölkerung gerecht zu werden.

OECD warnt Luxemburg

Auch die OECD spricht seit Jahren von einem Ärztemangel in Luxemburg. So hat das Großherzogtum im europäischen Vergleich eine eher geringe Dichte an ausgebildeten Medizinern. 2016 kamen lediglich 2,8 Ärzte auf 1.000 Einwohner. Die ALEM und die “Association des médecins et des médecins-dentistes” (AMMD) warnen deshalb ebenfalls vor einem akuten Ärztemangel. Denn das Problem droht in den kommenden Jahren noch akuter zu werden, da viele Ärzte in Rente gehen. Insbesondere Allgemeinmediziner – ihr Altersdurchschnitt liegt aktuell bei 50 Jahren. Hinzu kommt, dass es bereits heute zu wenig praktizierende Allgemeinmediziner gibt. Die CNS listet in ihrem Jahresbericht von 2017 1.159 Fachärzte auf – aber nur 517 Allgemeinmediziner.

Immerhin: Ab 2019 werden neben der Spezialisierung in Allgemeinmedizin, die bereits an der Universität angeboten wird, auch Spezialisierungen in Neurologie (Wissenschaft, die sich mit Nerven befasst) und Onkologie (Wissenschaft, die sich mit Krebs befasst) angeboten. Die Idee einer “Medical School” sei jedoch vom Tisch, heißt es von der Universität. Die Diagnose Ärztemangel bleibt allerdings bestehen.

*In einer ersten Version des Artikels stand, dass eine medizinische Fakultät Berechnungen zufolge rund 200 Millionen Euro kosten würde. Richtig ist, das die Prognosen die Kosten auf 65 Millionen schätzten. 

5 Kommentare

    • Et ass sécher besser wéi se an d’Ausland ze schécken. De Problem ass dann näämlech och nach oft genuch, datt se guer net méi zréckkommen. Ech kennen der genuch, déi an d’Ausland gaange si fir Dokter ze ginn an och do bliwwe sinn, grad Spezialisten.

      • Da Leit daat vleit un aanere Saache wei um Feele vun enger Medical School.

        Sou nom Motto: Wa mer hinnen net weissen dass et entzwouch aanescht besser geht da bleiwen se hei.

        Als Bsp.: Deitschland huet immens vill, an och immens gudd Uniskliniken. Trotzdem wanderen der vill no hierem Oofschloos aus ( Afaik haaptsächlech a Skandinavien ).

        De Problem as villschischteg an ech ka ganz gudd novollzeien dass eng Medical School do net de Punkt Nummer 1 op der Lescht vun de meiglechen Leisungen as

        Des weideren fannen ech et onendlech wichteg dass een mindestens engkeier a sengem Liewen fier mindestens 1-2 Joer d’Ländche verleisst.

  1. Eine “Medical school” ist eben die einzige Lösung, denn auch in unseren Nachbarländern ist man nicht mehr lange gewillt die Luxemburger Medizinstudenten so einfach auszubilden! Es sei denn Luxemburg will auch diese Ausbildung mitfinanzieren, dann wäre es aber Blödsinn keine eigene Ausbildung an unserer Uni aufbauen zu wollen. Luxemburg muss Selbstversorger werden in Sachen Mediziner, und zwar schnellstens, das Gebastelt das wir jetzt haben taugt einfach nichts…….

  2. Die 20 Millionen Euro, welche Herr Schneider im Weltraum verscherbelt hat, hätten viele Kosten bezahlt. Aber vielleicht rekrutieren wir in Zukunft Ärzte von anderen Planeten. Armes Reiches Luxemburg! Aber wir wählen ja alle die welche in der großen Mehrzahl « von Tuten und blasen » keine Ahnung haben. Da nützt auch Verjüngung nichts.

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