Laurent Frantz leitet einen Milchviehbetrieb in Roeser. Im Stall stehen zurzeit 140 Holsteinrinder. Als jüngstes von vier Geschwistern stand für ihn eigentlich schon immer fest, dass er mal den Hof seiner Eltern übernehmen wird. “Seit 16 Jahren arbeite ich hier, aber mir kommt es so vor, als hätte ich erst gestern angefangen”, sagte der Milchbauer. 2009 hat er die Leitung von seinen Eltern übernommen. In den letzten 15 Jahren wurde ziemlich viel in den Hof investiert und fast alles umgesetzt, was er auf dem Hof verändern wollte.

Seine rund 140 Kühe können sich im Stall und auf der Weide, je nach Lust und Laune, aufhalten. Der Arbeitstag des Roesers beginnt um sieben Uhr morgens. Das Melken ist bei einem Hof, der Milch produziert, natürlich die Hauptaufgabe. Er melkt meistens noch selbst, einmal morgens und einmal abends für zwei Stunden. Ansonsten stehen Routine- und saisonale Arbeiten auf dem Programm. Neben seinen Eltern hat er eine feste Arbeitskraft, die ihm hilft. Im November wird eine weitere anfangen, “denn meine Eltern werden auch nicht jünger”.

Absage an Biotrend

Den Biotrend möchte er erst mal nicht mitmachen. Von heute auf morgen könne der Betrieb nicht auf Bionorm umgestellt werden. Außerdem machten Biolebensmittel nur 3,6 Prozent des Konsums in Luxemburg aus. Die Nachfrage sei also noch begrenzt. Doch ganz ausschließen möchte er eine Umstellung nicht: “Vielleicht in zehn Jahren.” Der Zukunft der Landwirtschaft sieht er positiv entgegen.

Es sei generell ein Sektor, der immer gebraucht werden würde, um die sieben Milliarden – und täglich würden es mehr – Menschen ernähren zu können. Fakt ist jedoch – nach der Anzahl der Bauern, die jedes Jahr das Rentenalter erreichen, und jener, die jedes Jahr eine landwirtschaftliche Ausbildung abschließen –, dass die Zahl der Betriebe weiter abnehmen wird. Eine Konsequenz daraus sei dann, dass die weiter bestehenden Höfe etwas wachsen werden.

Weniger, dafür größere Höfe

Eine Tatsache sei auch – und diese würden viele nicht gerne sehen –, dass es immer problematischer werde, in der Landwirtschaft einen Betrieb zu leiten, da die Auflagen immer kostspieliger und problematischer würden. “Es ist ökonomisch gesehen mit allen Auflagen einfacher, einen einzigen neuen Stall für 200 Kühe zu errichten, als wenn vier Höfe einen Kuhstall für 50 Kühe bauen.” Die Kostenstruktur falle vielen Höfen irgendwann auf den Kopf. Eine weitere Schlussfolgerung aus der Vergrößerung der Höfe sei, dass in den zuvor reinen Familienunternehmen Hilfe von außen benötigt werde. Dadurch würden Arbeitsplätze geschaffen.

Der Klimawandel ist für Landwirtschaftsbetriebe ebenfalls ein wichtiges Thema. Die immer häufiger auftretenden Wetterextreme treffen zuallererst diejenigen, die mit und in der Natur arbeiten. Der Milchbauer hat dies auch schon zu spüren bekommen. Dieses Frühjahr und der Sommer waren extrem trocken. Deswegen sind die ersten beiden Grasschnitte sehr mager ausgefallen. Um einer Futterknappheit zu entgehen, hat Laurent Frantz vor einigen Wochen seinen Viehbestand um 10 Prozent reduziert. Er hatte die Möglichkeit, das Vieh, zu einem verhältnismäßig guten Preis, als Zuchttiere nach Polen zu verkaufen. “Die Konditionen des Verkaufs waren gut, aber falls genug Futter da gewesen wäre, hätte ich sicher nicht verkauft.”

Finale im Oktober in Berlin

Die Bewerbung für den Award hat er eher nebenbei ausgefüllt. “Die eigentliche Idee zum Ceres Award war, positive Beispiele für Landschaft und Betriebe in eine Vitrine zu stellen”, erklärte Frantz, der sich für den Award in der Kategorie “Milchviehhalter” qualifiziert hat. Bis Ende Mai mussten die Landwirte ihre Kandidatur eingesendet haben. Dieses Mal gingen über 180 Bewerbungen ein. Wie kam der Luxemburger dazu, sich für einen deutschen Award zu bewerben? Der 35-Jährige kennt ein paar deutsche Landwirte, die sich in den Jahren zuvor beworben hatten.

Der Preis richtet sich nicht nur an deutsche Höfe, sondern an den ganzen deutschsprachigen Raum. “Als ich dann einmal sonntagmorgens Zeit hatte, habe ich die Formulare ausgefüllt.” Der detaillierte fünfseitige Fragebogen beinhaltete präzise Fragen zur finanziellen Situation, Entwicklung und welche Entscheidungen getroffen werden. Die Fragen erlaubten es, den Betrieb darzustellen und zu analysieren. Aus den 180 Bewerbungen in elf Kategorien wurden pro Kategorie drei Kandidaten ausgewählt. Die Shortlist mit den 33 Finalisten wurde am 1. Juli bekannt gegeben. Danach besuchte die Jury die einzelnen Höfe, mit dabei waren ein Fotograf und Videoteam.

Der Landwirt hätte nie gedacht, dass er auf die Shortlist kommen würde, denn in Deutschland gebe es so viele gute Milchbetriebe, so Frantz weiter. Am 11. Oktober, bei der Preisverleihung in Berlin, wird sich dann zeigen, wie gut seine Chancen tatsächlich sind.

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