Kupferhaltige Pflanzenschutzmittel gelten als gesundheitsschädlich. Im Bio-Weinbau gibt es allerdings keine Alternative, so die Regierung.

Kupferhaltige Pflanzenschutzmittel werden in Luxemburg nicht verboten werden. Das schreiben Umweltministerin Carole Dieschbourg und Landwirtschaftsminister Romain Schneider in einer gemeinsamen Antwort auf eine parlamentarische Anfrage der Abgeordneten Martine Hansen (CSV).

Die europäische Lebensmittelagentur EFSA hatte in ihrer Risikoanalyse für kupferhaltige Produkte ein hohes Risiko für Vögel, Säugetiere – zu denen auch Menschen zählen – sowie für aquatische Organismen und Makroorganismen im Boden festgestellt.

Kupfer wird als Pilzbekämpfungsmittel im Weinbau eingesetzt und dort hauptsächlich im biologischen Anbau. Derzeit seien nur wenige Alternativen zu synthetischen Mitteln zur Bekämpfung von Pilzinfektionen am Markt, schreibt die Agronomin Hansen in ihrer Anfrage. Untersuchungen in der Verbandsgemeinde Rhein-Selz – das entnimmt Hansen der landwirtschaftlichen Fachliteratur – hätten ergeben, dass die Erde durch den langjährigen Einsatz von Kupfer im Bio-Weinbau so verseucht ist, dass die erodierte Erde am Fuß des Weinbergs entsorgt werden muss.

Trotzdem hatte Luxemburg, so die Ministerin und der Minister in ihrer Antwort, im November dem Vorschlag der EU-Kommission zugestimmt, die Zulassung von kupferhaltigen Pflanzenschutzmitteln zu verlängern. Der verabschiedete Text enthalte allerdings eine Reihe von Auflagen. Die wichtigste davon sei, dass nur maximal 28 kg Kupfer pro Hektar innerhalb von sieben Jahren ausgebracht werden darf und dass Kupfer jetzt als “candidat à la substitution” klassifiziert ist. Luxemburg plant auch keinen Alleingang und will Kupfermittel auch nicht auf nationaler Ebene verbieten.

Momentan gebe es in der biologischen Bewirtschaftung, vor allem im Weinbau, keine Alternative zum Kupfer bei starkem Infektionsdruck, schreiben die Regierungsmittglieder in ihrer Antwort. Ohne Kupfer seien im Weinbau hundertprozentige Ertragsausfälle möglich, wenn der Infektionsdruck durch verschiedene Pilzkrankheiten wegen starker Niederschläge zu groß wird. Dies sei zum Beispiel 2016 der Fall gewesen.

Schachtelhalm-Extrakte

Im konventionellen Weinbau stünden sehr wohl synthetische Alternativen zum Kupfer zur Verfügung. Im biologischen Landbau gebe es noch keine Alternativen zu Spritzmitteln mit Kupfer. Bei einem schwachen Infektionsdruck könnte unter Umständen auf pflanzenstärkende Mittel auf Basis von Gesteinsmehl oder Schachtelhalm-Extrakten reichen, um auf Kupfer zu verzichten. Durch die Anwendung dieser Mittel könne der Kupferaufwand erheblich reduziert werden.

Im biologischen Weinbau zum Beispiel würden 2 bis 4 kg Kupfer pro Hektar jährlich reichen, wenn sich der Pilzbefall in Grenzen hält. Im Jahr 2017 sei es verschiedenen Betrieben gelungen, praktisch komplett auf Kupfer zu verzichten. Neben dem biologischen Weinbau werde Kupfer auch im biologischen Gemüse-, Obst- und Kartoffelanbau benutzt. Aber auch im konventionellen Weinbau käme bei Helikopterspritzungen Kupfer zum Einsatz.

Durch eine wesentlich bessere Ausbildung der Winzer, so der Minister und die Ministerin, und angepasste Zulassungen für das Ausbringen von Pflanzenschutzmitteln sei der Gebrauch von Kupfer seit Ende des 19. Jahrhunderts um das Zehnfache reduziert worden. Damals ist “Bordeauxbrühe” als erstes Fungizid erstmals erfolgreich eingesetzt worden.

Ferner wollte die Abgeordnete wissen, ob in Luxemburg schon Parzellen, in denen viel Kupfer zum Einsatz kam, überprüft worden sind. Dies sei noch nicht passiert, sagen die Ministerin und der Minister. Allerdings seien im Rahmen einer Studie 2006, im Auftrag der Umweltverwaltung, auch Kupferkonzentrationen ermittelt worden. Darin sei festzustellen, dass die Konzentrationen in Weinbergen tendenziell höher sind als auf anderen Nutzflächen. Allerdings sei nur ein kleiner Teil der Weinberge untersucht worden. Im Rahmen des Bodenschutzgesetzes sei allerdings eine Bestandsaufnahme der Luxemburger Böden vorgesehen. U.a. seien Untersuchungen in Regionen, in denen eine hohe Kupferkonzentration erwartet wird, angedacht. Allerdings muss das Gesetz noch die Instanzen passieren. Die Gesetzesvorlage unterscheidet zwischen dem Anteil eines Stoffes, der natürlich im Boden vorkommt, und dem Anteil, der durch Verschmutzung hinzukommt.

Das Ausbringen von Pflanzenschutzmitteln gilt als eine solche Quelle. Die Gesetzesvorlage sehe ferner einen “Plan national de la protection des sols” vor, der Maßnahmen vorgeben soll, die greifen, wenn es durch eine erhöhte Konzentration bestimmter Stoffe zu konkreten Bedrohungen kommt. Dabei sollen Risiken für Mensch, Grundwasser und Bodenökosysteme betrachtet werden.

9 Kommentare

  1. Meine Urgroßeltern wurden 84,meine Großeltern 88 und meine Mutter starb mit 88. Alle waren sie begeisterte Weintrinker und lebten an der Mosel. Die Menschen werden im Schnitt immer älter und der Wein immer besser.Die alten Römer “würzten” ihren Wein mit Blei!! Das waren noch Zeiten.
    Wer erinnert sich noch an die Zeit als Bier und Zahnpasta Krebs erregend waren? Wie geht’s der Vogelgrippe und wer hat noch die Schublade voll mit Tamiflu? Gespannt was als nächstes kommt,wenn der Feinstaub sich gelegt hat und die ersten Autobatterien entsorgt werden müssen.

  2. Es soll anscheinend auch pilzresistente Rebsorten geben. Haben aber weniger klassische Namen als das, was an der luxemburgischen Mosel noch angebaut wird. Wäre ja vielleicht auch ein Lösungsansatz …

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