Die höchste Aufmerksamkeit erhält man in der Politik oft dann, wenn man sie am wenigsten gebrauchen kann: in Krisenzeiten. Besonders “déi gréng” machen diese Erfahrung seit einigen Monaten. Der neu gekürte Vizepremier François Bausch meinte jüngst im Interview mit Radio 100,7: “Déi gréng Partei ass den Ament an enger Kris. Dat ass ganz kloer. Et soll een dat net schéirieden.” Das sehen seine beiden Parteipräsidenten anders.

Christian Kmiotek widersprach Bausch gestern offen: “Ech hätt net Kris gesot. Mir sinn an engem schwierege Moment.” Djuna Bernard meinte: “Fir de Recht menge mer, dass mer musse Stabilitéit a Rou an dësen Zäiten erabréngen, och fir d’Koalitioun.” Auch sie hütete sich, den Begriff Krise zu verwenden. Dass führende Politiker einem Partei-Schwergewicht wie Bausch öffentlich widersprechen, ist vermutlich der beste Beweis dafür, dass sich die Grünen in einer handfesten Krise befinden.

Spiel auf Zeit

Zumindest Bausch scheint langsam zu verstehen, dass die Entwicklungen der letzten Monate zu einer ernsthaften politischen Bedrohung für “déi gréng” geworden sind. Die öffentlichen Widersprüche sind – ähnlich wie beim CSV-Duo Engel-Wiseler nach dem “Podiumgate” – Ausdruck von Unsicherheit, Entscheidungsdruck und intensiver Zeitknappheit, um sich zu erneuern.

Es ist demnach kein Zufall, dass die Grünen auf Zeit spielen und offensichtliche Personalentscheidungen auf nächste Woche verschoben haben. Kmiotek und Bernard haben gestern kein Geheimnis daraus gemacht, dass momentan bei den Grünen Krisenkommunikation angesagt ist: Man versucht zu entschleunigen, zu beruhigen und die Krise im Gegensatz zu Bausch als “schwierige Situation” und sogar als “Chance” zu beschönigen. Allerdings begeht die Parteispitze mit dieser Form von Krisenkommunikation einen Fehler: Sie stellt das Offensichtliche als etwas anderes dar, als das, was es nun einmal ist – eine moralische und personalpolitische Krise.

Vorläufiger Höhepunkt der Krise

Dabei bieten Krisen tatsächlich die Chance, um tiefgreifende Transformationsprozesse, die Gutes bewirken können, auszulösen und zu beschleunigen. In diesem Punkt sind sich Bausch, Bernard und Kmiotek zumindest einig. Die Parteipräsidenten scheinen sich aber, im Gegensatz zu Bausch, vor den Negativ-Effekten des Falles Roberto Traversini zu fürchten. Die Krise der Grünen, die in Differdingen ihren vorläufigen Höhepunkt erreicht hat, könnte zu Schwierigkeiten auf nationaler Ebene führen. Die Destabilisierung des Erfolgsmodells von “déi gréng” im Süden birgt somit ein erhebliches Risiko: den ernst zu nehmenden Verlust alter und neuer Wähler.

Bernard und Kmiotek verstehen die Wirkungsmechanismen der Medien und versuchen die öffentliche Meinung zu antizipieren, um ihre sinngemäße Botschaft zu verkaufen: “Wir überwinden diese Krise.” Ob dies jedoch reicht, um verlorenes Vertrauen wiederherzustellen, bleibt abzuwarten.

7 Kommentare

  1. Da kann Bausch noch soviel reden deuten und erklären wie er will, die Grünen stecken in einer selbsgemachten und durch fatale Umstände bedingten Krise. Es ergeht ihnen nicht anders als anderen Parteien vor ihnen. So ist die Realpoitik nun einmal.

  2. Also wenn sich schon die Mitglieder der gleichen Partei nicht einig sind, wie sollen sie dann anständig regieren.
    @ Bausch : Déi gréng Partei ass den Ament an enger Kris.
    @ Kmiotek : Ech hätt net Kris gesot. Mir sinn an engem schwierege Moment.
    Ich denke bei allem wohlwollen kommt es doch auf das gleiche heraus, egal wie man es nennt .

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