Heute wird in Luxemburg-Stadt mit einem Festakt im Cercle Cité der Befreiung durch die Amerikaner gedacht. Auf den Tag genau 75 Jahre ist es heute her, dass die Amerikaner in die Hauptstadt Luxemburgs einmarschierten, einige Ortschaften, wie z.B. Petingen, konnten einen Tag früher jubeln. Luxemburg war zwar wieder frei, der Krieg war aber am 10. September 1944 noch nicht vorbei. Es folgte die Ardennenoffensive und noch Tausende sollten ihr Leben verlieren, bis Deutschland am 8. Mai 1945 kapitulierte.

Eine Klammer sei hier erlaubt: Dass bei uns der 10. September gefeiert wird anstatt wie in vielen Ländern der 8. bzw. 9. Mai, ist schon sonderbar. Es scheint fast so, als ob die Luxemburger nach ihrer Befreiung der Rest der Welt nicht mehr interessierte. Wir beweinen zwar unsere Toten aus allen Kriegen durch einen nationalen Gedenktag und beziehen einen Großteil der nationalen Identität aus der Zeit des Zweiten Weltkriegs, doch weder das Ende des Ersten noch des Zweiten ist uns einen Feiertag wert. Klammer zu.

Unsere Väter und Großväter waren den Amis verständlicherweise mehr als dankbar für die Opfer, die diese für die Befreiung Europas erbrachten. 75 Jahre später scheint von dieser Dankbarkeit nicht mehr allzu viel übrig zu sein, schenkt man der Umfrage auf Tageblatt.lu Glauben. Obwohl es keine repräsentative Umfrage ist, bestätigt das Ergebnis doch, was oft behauptet wird. „75 Jahre nach der Befreiung: Ist Luxemburg den Amerikanern weiter zur Loyalität verpflichtet?“, lautete die Frage. Nur eine Minderheit von sechs Prozent bejahte; etwa ein Drittel stimmte zu, äußerte zugleich aber, Kritik sei erlaubt, doch rund 60 Prozent sagten deutlich: Nein, die Frage habe nichts mit den heutigen USA und deren Interessen zu tun. Einerseits sind wir den Nachkommen jener GIs, die ihr Leben für unser Land ließen, nicht zu ewigem, bedingungslosem Gehorsam verpflichtet und auch nicht dazu, zu allem, was ihr Präsident sagt, Ja und Amen zu sagen.

Andererseits darf nicht vergessen werden, wofür sie starben. „Nie wieder Krieg“ hieß es schon nach Ende des Ersten Weltkriegs, doch nur knapp 30 Jahre dauerte der Frieden. 1945 das Gleiche noch mal. Man hatte aber aus den Fehlern nach dem ersten Krieg gelernt und mindestens eine konkrete Maßnahme zur Erhaltung des Friedens ergriffen: den Vertrag von Paris zur Gründung der Europäischen Gemeinschaft für Kohle und Stahl, bei uns besser unter dem Kürzel CECA bekannt. Durch die Vergemeinschaftung kriegswichtiger Güter sollte ein neuer Krieg verhindert werden. Die EU ist beileibe nicht perfekt und hat viel Verbesserungsbedarf, doch die Tatsache, dass der europäische Frieden seit 74 Jahren hält, darf wohl als Erfolg des Projekts vermerkt werden. In Europa sind aber wieder nationalistische Brandstifter (Johnson, Salvini, Orban) am Werk, die diese Errungenschaft gefährden. Auch wenn wir uns nun zum x-ten Mal wiederholen: Der Schoß ist noch fruchtbar und deshalb sind Gedenkfeiern wichtig.

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