Harald Juhnke im deutschsprachigen Fernsehen, das brachte heute kaum vorstellbare Einschaltquoten, damals, als die Showtreppe noch wichtig war. In den 70er Jahren sahen 20 Millionen Zuschauer „Ein verrücktes Paar“ mit Juhnke und Grit Boettcher. Bei der Show „Musik ist Trumpf“ waren es sogar noch mehr.

Beides steckt tief in der Retrokiste des deutschen Fernsehens. Jungen Leuten sagt der Name Harald Juhnke nicht mehr so viel. Dabei war er einmal einer der ganz Großen. Seine Karriere dauerte 50 Jahre. Er war Schauspieler, Entertainer und tragischer Trinker, eine Berliner Schnauze mit Smoking, gern mit dem Lied „Barfuß oder Lackschuh“ auf den Lippen. Er sah sich selbst als deutsche Antwort auf Frank Sinatra, er war so Berlin wie Currywurst und Gedächtniskirche. Er starb 2005 an Demenz erkrankt mit 75 Jahren in einem Pflegeheim. Am Pfingstmontag (10. Juni) wäre Juhnke 90 Jahre alt geworden. Die Fernsehsender, die wegen seiner Sucht und der Eskapaden oft mit ihm haderten, würdigen das mit einer ganzen Reihe von Dokus, Filmen und Sketchen. Im Ersten wird er von Comedian Kurt Krömer gefeiert.

Was Juhnkes Karriere ausmachte: Es gab nicht nur die Shows und Serien, sondern auch Theater und Filme. Erst am Boulevard, später auch mit Feuilleton-Faktor, das war dem Polizistensohn aus dem Berliner Wedding wichtig. Eine seiner Paraderollen war 1996 „Der Hauptmann von Köpenick“, den Katharina Thalbach mit ihm am Berliner Maxim-Gorki-Theater inszenierte. Viel gelobt wurde er für die Hans-Fallada-Verfilmung „Der Trinker“ (1995), eine Rolle, vor der er auch gewarnt wurde. Die hatte natürlich eine Menge mit ihm selbst zu tun.

Seine Trinkerei machte über viele Jahre nicht nur in der Boulevardpresse Schlagzeilen. Immer wieder hatte er Ärger, weil er Proben oder Auftritte platzen ließ. Nur bei sehr wenigen deutschen Stars gab es so viele Erfolge neben so vielen Skandalen, oft genüsslich von den Medien ausgeschlachtet. Juhnke machte mit. In seiner Biografie sah er sich als „müden Mann, der mit sich privat wenig anzufangen weiß – auf deprimierende Weise wenig anzufangen weiß“. Das Klischee vom sensiblen Künstler, der sich nach der Show leer fühlt und trinkt: bei Juhnke war es Wirklichkeit. Er versuchte, mit Sprüchen seine Sucht zu verarbeiten, machte Werbung für Milchgetränke. Heute fände man das wahrscheinlich nicht mehr witzig. Der Umgang mit Alkohol ist anders geworden.

Für die Trauerfeier im April 2005 war die Gedächtniskirche zu klein, mehr als 1.000 Menschen standen noch rund ums Gebäude, das Fernsehen übertrug live. Begraben ist Juhnke auf dem Waldfriedhof Dahlem. Seine Frau Susanne hat nach seinem Tod ein Buch über die Liebe ihres Lebens geschrieben, darüber, wie sie ihren Mann „an das Vergessen verlor“. Wie lange sich die Leute wohl noch an ihn erinnern werden? „Ich kenne Menschen, für die ist Harald Juhnke immer noch ein Nachbar, er ist nur zufällig tot. Aber er ist noch da“, sagt sein Biograf Harald Wieser. Aber dass Jüngere mit dem Namen Juhnke nichts mehr anfangen können: „Das hätte ihn geärgert!“

2 Kommentare

  1. Leider gibt es im deutschen Fernsehen keinen Künstler mehr wie er es war und das ist schade das niveau im deutschen Fernsehen ist stark gesunken gut dass es man bei youtube die alten abendfüllenden Sendungen mit Harald Juhnke sich immer wieder anschauen kann un damit die böse Welt die uns umgibt ein bisschen vergessen kann

  2. Richtig, die Generation Juhnke, waren noch Entertainer resp. Schauspieler von Format. Heute ist alles verflacht und wird immer niveauloser. Scheinbar besteht ein direkter Zusammenhang mit der Anspruchslosigkeit der Zuschauer. Es muss Action her, es muss laut sein, es muss knallen, Scheisse nochmal!

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